Von der Empfehlung zum eigenen Produkt
Jonay Hernández und Joana Pérez bereisen seit Jahren die Kanarischen Inseln – und das mit dem Gaumen. Mit ihrem Projekt Guachinches Modernos haben sie traditionelle Tavernen, regionale Produkte und das Kochen selbst zum Inhalt ihrer Social-Media-Kanäle gemacht. Jetzt gehen sie einen entscheidenden Schritt weiter: Statt nur Geschmäcker zu empfehlen, haben sie ihren eigenen kreiert. Das Ergebnis ist ein Mojo de Aguacate, den sie gemeinsam mit dem kanarischen Unternehmen Guachinerfe entwickelt haben. Die Idee: Tradition und Innovation verbinden, ohne den unverwechselbaren lokalen Charakter zu verlieren.
Vier Monate bis zur perfekten Rezeptur
Die Idee entstand nicht über Nacht. Hinter dem Produkt stecken mehr als vier Monate voller Tests, Gespräche und Feinarbeit, bis ein Rezept stand, das alle überzeugte. Für Jonay und Joana lag die größte Herausforderung aber nicht allein in der Formel, sondern darin, ein Unternehmen zu finden, das an sie glaubte. „Es ist enorm schwierig, dass ein kanarisches Unternehmen auf dich setzt“, geben sie zu. Guachinerfe stellte die Maschinen, die Rohstoffe, die Arbeitskräfte und die Produktionskapazität – die beiden brachten ihre Bekanntheit, ihre Community und das Wissen ein, das sie sich in Jahren der Beschäftigung mit der kanarischen Gastronomie angeeignet hatten.
Warum ausgerechnet Mojo?
Die Wahl des Produkts war kein Zufall. Sie hätten auch eine Trendsauce oder ein Produkt entwickeln können, das weniger mit der Identität der Inseln zu tun hat. Doch sie entschieden sich bewusst für etwas Wiedererkennbares. „Der kanarische Mojo ist etwas, das uns ausmacht“, betonen sie. Die Avocado kam als Zutat hinzu, um der traditionellen Sauce eine besondere Note, mehr Textur und Cremigkeit zu verleihen – ohne sie in etwas völlig anderes zu verwandeln. Die klare Grenze: Das Ergebnis sollte nicht nach Guacamole schmecken, sondern eindeutig nach Mojo. Und genau das sei, so berichten die Macher, der häufigste Kommentar all jener, die den Dip bereits probiert haben.
Überraschung beim ersten Bissen
Viele Verbraucher nähern sich dem Produkt zunächst skeptisch, weil die Avocado als Hauptzutat heraussticht. Doch die Überraschung kommt mit dem ersten Probieren. Der Mojo de Aguacate bewahrt die vertrauten Nuancen der traditionellen Sauce – Koriander, Knoblauch und Kreuzkümmel sind deutlich erkennbar – und erhält durch die Avocado eine samtige Cremigkeit. Die Nachfrage übertraf alle Erwartungen. Die erste Charge umfasste 10.000 Gläser, doch die hohe Nachfrage zwang das Team, sofort neue Produktionen anzustoßen. Innerhalb weniger Tage war der Mojo in zahlreichen Geschäften ausverkauft und weckte das Interesse von Supermarktketten und Gastronomiebetrieben. Für die Macher zählt jedoch nicht nur die reine Verkaufszahl: „Wichtig ist, dass die Leute nicht nur aus Neugier kaufen, sondern dass sie wiederkommen und das Produkt nachbestellen.“
Ein neues Kapitel für Food-Blogger und lokale Wirtschaft
Der Launch spiegelt auch einen Wandel im Verhältnis zwischen lokalen Unternehmen und Content-Erstellern wider. Guachinches Modernos hat gezeigt, dass eine digitale Community zu einem echten Schaufenster für regionale Produkte werden kann. Und dass, wenn das Vertrauen zwischen einer kanarischen Marke und jenen, die ihre Küche seit Jahren erzählen, stimmt, daraus Angebote entstehen können, die Tradition einem neuen Publikum nahebringen – ohne den Geschmack zu verwässern.

