Schlüssel zur Energiewende: Vergütung für Stromspeicher endlich in Sicht
„Es ist der entscheidende Schritt, er war überfällig.“ Mit diesen Worten kommentiert Mariano Hernández Zapata, Minister für ökologischen Wandel und Energie der Kanarischen Regierung, die Schaffung eines neuen Vergütungsrahmens für die Speicherung erneuerbarer Energien. Bislang wurde auf dem Archipel wertvoller Ökostrom regelrecht verschwendet: Im vergangenen Jahr lag der Anteil ungenutzter, sauberer Megawattstunden bei 15 Prozent – auf Gran Canaria sogar bei 20,3 Prozent. Die Lücke musste durch konventionelle, umweltschädliche Stromerzeugung gefüllt werden.
Windräder produzieren, aber der Strom kommt nicht an
Seit 2018 hat der Ausbau von Windparks die installierte Leistung erneuerbarer Energien auf den Inseln auf über 30 Prozent steigen lassen. Doch die Realität sieht anders aus: Bei der tatsächlichen Stromabdeckung liegt der Anteil der Erneuerbaren gerade einmal bei mageren 22 Prozent. Das Problem: In ein Stromnetz kann nur so viel Energie eingespeist werden, wie gerade verbraucht wird. Weht der Wind nachts besonders stark, während Haushalte und Unternehmen schlafen, bleibt die saubere Energie der Windräder ungenutzt. Um diese Energie zu retten, braucht es Speicherinfrastrukturen, die die überschüssigen Megawattstunden aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben können.
Pumpspeicherkraftwerke und Batterien als Lösung
Auf Gran Canaria wird das Pumpspeicherkraftwerk Salto de Chira einen Großteil dieses Problems lösen, sobald es in Betrieb geht. Doch auch auf den anderen Inseln – und erst kürzlich wurde der Start eines Pumpspeicherprojekts für Teneriffa angekündigt – sind Batteriespeicher dringend nötig. Bisher kamen diese nicht in der benötigten Menge, weil die Betreiber nicht wussten, wie viel sie für die Bereitstellung dieser Speicherdienstleistung vergütet bekommen würden.
Jahrelanges Warten auf klare Spielregeln
„Wir fordern das seit Jahren“, erklärt Raúl Macías, Präsident des Kanarischen Windenergieverbands (Aeolican). Vergangenen Dienstag verkündete der spanische Staatssekretär für Energie, Joan Groizard, nach einem Treffen mit öffentlichen und privaten Akteuren des Archipels endlich die Einführung dieses Vergütungsrahmens. Sowohl bei Aeolican als auch bei ACER (Kanarischer Verband für Erneuerbare Energien) arbeiten die Experten nun auf Hochtouren, um die Details der geplanten Änderung des Königlichen Dekrets 738/2015 zu analysieren. Dieses Dekret regelt die Stromproduktion und das Einsatzverfahren in den nicht-peninsularen Stromsystemen. Sowohl ACER-Präsident Jesús Matilla als auch sein Amtskollege Macías halten sich zwar mit konkreten Ergebnissen der Prüfung noch zurück, zeigen sich aber erleichtert über die Einführung einer Lösung, „nachdem jahrelang nur darüber geredet wurde“. Klare Regeln würden nicht nur mehr Investitionen in Speicherprojekte anlocken, sondern auch bereits in der Entwicklung befindlichen Vorhaben neuen Schwung verleihen.
Wie finanziert man Speicher, wenn die Vergütung ungewiss ist?
Doch wie konnten überhaupt Projekte entstehen, obwohl die Einnahmen unklar waren? Eine klassische Bankfinanzierung ist ohne einen soliden Geschäftsplan unmöglich. Bleiben nur öffentliche Fördermittel als Rettungsanker. In diesem Fall wurde der Plan zur Wiederherstellung, Transformation und Resilienz (PRTR) aktiviert, der aus den von Brüssel nach der Pandemie bereitgestellten Mitteln gespeist wird. Bereits im November 2023 vergab das Institut für Diversifizierung und Energieeinsparung (IDAE) in einem Auswahlverfahren 58,4 Millionen Euro an 39 Projekte auf dem Archipel: 24 auf Gran Canaria, elf auf Fuerteventura und vier auf Teneriffa. Diese Ausschreibung vereinte mehrere große private Akteure der Energiebranche auf den Inseln.
Was genau ändert sich mit dem neuen Dekret?
Bislang berücksichtigte das zu ändernde Königliche Dekret nur die Stromerzeugung aus thermischen und erneuerbaren Quellen. Künftig wird der Fokus erweitert, um auch Batteriespeicher zu erfassen: sowohl solche, die an konventionelle oder erneuerbare Kraftwerke angeschlossen sind (Hybridspeicher), als auch sogenannte „Stand-Alone“-Speicher, also isolierte Infrastrukturen, die ihren Strom von externen Anlagen beziehen. Eine weitere große Neuerung, die der Staatssekretär ankündigte, betrifft die Preisbildung für erneuerbare Energien. Bisher richtete sich die Vergütung nach dem durchschnittlichen Tagespreis des spanischen Festlandmarktes. Nach der Änderung des Dekrets 738/2015 soll künftig der durchschnittliche Jahrespreis gelten.
„Das Festland ist nicht der Maßstab für die Inseln“
Bisher kam es vor, dass die auf den Kanaren erzeugten sauberen Megawattstunden mit null Euro vergütet wurden – genau dann, wenn auf dem spanischen Festland die gesamte Stromnachfrage bereits durch erneuerbare Energien gedeckt werden konnte. Diese Änderung stößt bei den Unternehmen nicht auf ungeteilte Zustimmung, da sie weiterhin die Verhältnisse auf dem Festland als Referenz heranzieht, die mit der Realität auf dem Archipel nichts gemein haben. Während auf den Inseln jede nicht-erneuerbare Kilowattstunde aus teuren und schmutzigen Wärmekraftwerken stammt, gibt es auf dem Festland günstigere Alternativen. Konkret bedeutet das: Entweder wird Strom zu 65,28 Euro pro sauberer Megawattstunde erzeugt, oder zu 200 bis 202 Euro – und das unter starker Umweltbelastung. „Wir könnten allen Spaniern Geld sparen“, sagt Raúl Macías mit Blick auf die Mehrkosten der nicht-peninsularen Stromsysteme. Auch Jesús Matilla äußert sich zu diesem Punkt und betont, dass die Kanaren (sowie die Balearen, Ceuta und Melilla) „auf die eine oder andere Weise“ immer mit dem spanischen Festland in einem Bereich gleichgesetzt werden, in dem sie sich fundamental unterscheiden. „Man definiert uns nicht durch das, was wir sind“, beklagt der ACER-Präsident. Die neuen Regeln für die Speichervergütung sind ein großer Schritt – doch der Kampf um eine wirklich inklusive und faire Energiewende auf den Inseln ist noch lange nicht gewonnen.

