Preisspirale auf den Kanaren dreht sich ungebremst weiter
Die Kanarischen Inseln zählen zu den spanischen Regionen, in denen die Immobilienpreise am stärksten anziehen. Im zweiten Quartal dieses Jahres verteuerten sich die Quadratmeterpreise um 18,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der landesweite Durchschnitt lag dagegen bei 15,2 Prozent. Das geht aus der Statistik „IMIE Mercados Locales“ des Bewertungsunternehmens Tinsa hervor. Nur die Gemeinschaft Valencia (20,7 Prozent) und Kastilien-La Mancha (20,3 Prozent) verzeichnen ein noch höheres Plus. Die Kanaren teilen sich mit Kantabrien den dritten Platz mit identischer Teuerungsrate.
Aktuelle Entwicklung verschärft den Druck
Der Trend zeigt auch in der jüngsten Vergangenheit keine Entspannung. Allein von April bis Juni 2026 stiegen die Preise auf dem Archipel um 4,3 Prozent – deutlich über dem spanischen Mittelwert von 3,7 Prozent. Während die Wohnungsnot ganz Spanien betrifft, ist die Lage auf den Kanarischen Inseln besonders dramatisch. Die Studie von Tinsa widerlegt zudem die Vermutung, der Anstieg sei lediglich auf ein niedrigeres Ausgangsniveau zurückzuführen. Das Gegenteil ist der Fall: Mit 2.584 Euro pro Quadratmeter liegen die Preise auf den Inseln satte 25 Prozent über dem spanischen Durchschnitt von 2.066 Euro.
Nur Spitzenreiter sind teurer – aber mit mehr Gehalt
Einzig die Balearen, Madrid und das Baskenland weisen höhere Werte auf. Das verdeutlicht das extrem hohe Preisniveau auf den Kanaren. Zur echten Tragödie wird die Situation jedoch, wenn man diese hohen Preise mit dem geringeren Einkommen der Inselbewohner vergleicht – etwa mit dem der Madrilenen oder Basken. Aus Schwierigkeiten wird so schlichtweg eine Unmöglichkeit, Wohneigentum zu erwerben.
Angebot und Nachfrage: Ein strukturelles Ungleichgewicht
Politik und Gesellschaft sind sich des Problems bewusst. Doch warum ändert sich nichts? Tinsa verweist in seinem Bericht auf die Gesetze des Marktes: Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage hält an. Die Bevölkerung wächst, ebenso der Arbeitsmarkt – die Kanaren verzeichnen so viele Beschäftigte wie nie zuvor. Allein diese beiden Faktoren erklären den enormen Nachfragedruck. Hinzu kommt die Anziehungskraft der Küstenregionen auf wohlhabende Ruheständler aus Kontinentaleuropa sowie die aggressive Ankaufspolitik von Investmentfonds im Immobiliensektor. Dadurch wird das Problem auf den Inseln noch größer.
Neubautätigkeit bleibt weit hinter dem Bedarf zurück
Verschärfend wirkt sich aus, dass die Bautätigkeit weiterhin weit hinter dem benötigten Volumen zurückbleibt. Zwar zeigen die Verkaufs- und Hypothekenzahlen eine leichte Abkühlung im Vergleich zum Vorjahr, doch dieser Rückgang fällt zu gering aus, um eine wirkliche Entlastung zu bringen. Die Kanaren gehören damit zu den wenigen Regionen, deren Preise die nominalen Höchststände von 2007 – vor dem Platzen der Immobilienblase – bereits wieder überschritten haben.
Inflation frisst die Kaufkraft auf
Allerdings präzisiert der Bericht, dass nur die Balearen die historischen Höchstwerte auch dann erreichen, wenn man die Inflation herausrechnet. Für die Kanaren bleibt wenig Luft zum Atmen: Inflation und steigende Mietpreise kosten die Bürger zunehmend ihre Sparfähigkeit. Dabei ist das Ersparte oft die Voraussetzung für einen Hypothekenkredit. Die Schlussfolgerung lautet: Regionen mit hoher wirtschaftlicher, touristischer und Wohnattraktivität – wie die Kanarischen Inseln – haben die größten Schwierigkeiten, aus der Wohnungsnot herauszufinden.

