Wenn die Buchungs-Plattform klingelt, aber die Kasse auf der Insel leer bleibt
Stellen Sie sich vor, Sie buchen eine Ferienwohnung auf La Palma. Der Preis erscheint fair, die Buchung ist schnell erledigt. Doch was viele nicht sehen: Ein erheblicher Teil dieses Geldes verlässt die Insel, bevor er jemals in der lokalen Wirtschaft ankommt. Dieser Geldabfluss ist nicht nur ein Problem für den einzelnen Vermieter. Er hat einen verheerenden Ketteneffekt auf die gesamte Wirtschaft der Kanareninsel.
Diese These ist der Kern der dritten Analyse der Serie „Dein Haus. Dein Preis. Deine Insel“ („Tu casa. Tu precio. Tu isla“), erstellt von Ulrich Gütz Roth, Geschäftsführer von 100 árboles S.L. / La Palma Travel. Nachdem die vorherigen Teile bereits beziffert haben, wie viel Geld auf La Palma verloren geht und wie sich die tatsächlichen Einnahmen einer Buchung reduzieren, stellt der Report nun die entscheidende gesellschaftliche Frage: Was bleibt in der lokalen Wirtschaft aus, wenn der Wert des Tourismus nicht auf der Insel ankommt?
Der Multiplikatoreffekt: Ein unsichtbarer Verlust, der sich verdoppelt
Der zentrale Punkt dieser Analyse ist der so genannte Multiplikatoreffekt des Tourismus. Vereinfacht erklärt: Ein Euro, der touristisch auf der Insel eingenommen wird, wird nicht nur einmal ausgegeben. Er bezahlt eine Handwerkerrechnung, die wiederum einen Einkauf im lokalen Baumarkt finanziert, der dann die Dienstleistungen einer ortsansässigen Steuerberatung begleicht. Dieses Geld sprudelt durch die Wirtschaft und schafft Arbeit und Wohlstand.
Doch wenn dieses Geld La Palma in Form von Provisionen für internationale Buchungsplattformen verlässt, noch bevor es den Boden der Insel berührt hat, ist der Verlust exponentiell. Der Bericht vergleicht die Vermarktungsdaten mit den offiziellen Kennzahlen der Branche und kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Die tatsächliche Wertschöpfung vor Ort sinkt drastisch.
Weniger Geld für Wettbewerbsfähigkeit und gute Jobs
Der Report betont, dass die verlorene Marge eines Vermieters nicht nur ein privater Gewinnausfall ist. Dieses Geld ist die eigentliche Fähigkeit des kleinen, auf der Insel lebenden Eigentümers, wettbewerbsfähig zu bleiben, die Qualität seines Angebots zu verbessern und vor allem eine eigene Vermarktungsstrategie zu entwickeln. Verliert er diesen finanziellen Spielraum, wird er unfähig, in seine eigene Unabhängigkeit zu investieren. Ihm fehlen die Mittel, um lokale Marketingexperten zu beauftragen, eine wettbewerbsfähige Webseite zu entwickeln oder La Palma unabhängig von den großen Plattformen zu bewerben.
Ulrich Gütz Roth fasst die Situation drastisch zusammen: „Es geht darum, vom Tourismus zu leben, nicht darum, zu überleben, indem man dem Tourismus dient. Im aktuellen Modell können die kleinen Vermieter weder wachsen noch qualitativ hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Wenn das passiert, lebt man nicht mehr vom Tourismus – man überlebt, indem man dem Tourismus dient, für die Plattformen arbeitet und zusieht, wie die Insel Besucher empfängt, aber die Fähigkeit verliert, ihre eigene Wirtschaft zu stärken.“
Das betroffene Netzwerk: Wer bleibt auf der Strecke?
Die Untersuchung zeigt, dass die eigentlichen Leidtragenden dieses Modells die Arbeiter auf der Insel sind. Der eng werdende finanzielle Spielraum des Vermieters wirkt sich direkt auf eine lange Kette lokaler Dienstleister aus, deren Aufträge zurückgehen. Die Botschaft ist eindeutig: Wenn die Plattformen den Wert der lokalen Arbeit abschöpfen, ist der Vermieter gezwungen, Kosten zu sparen. Die ersten, die dann keine Anrufe mehr erhalten, sind die freiberuflichen Fachkräfte auf La Palma – vom Reinigungsdienst über den Handwerker bis zum Gärtner.
Eine Frage, die alle Kanaren betrifft
Der Bericht endet mit einer übergeordneten Fragestellung, die den Fall La Palma in eine viel breitere, den gesamten Archipel betreffende Debatte einordnet: Wie kann es gelingen, dass das unbestrittene Gewicht des Tourismus in eine echte lokale Rendite umgewandelt wird? Wie können mehr Professionalisierung und eine größere Entscheidungsfreiheit für diejenigen erreicht werden, die die Branche vor Ort tragen? Die regionale Herausforderung besteht nicht nur darin, Besuchermassen anzuziehen, sondern auch sicherzustellen, dass der generierte Wert auf den Inseln bleibt und die lokalen Unternehmen stärkt.
Die nächste Folge dieser Dokumentationsserie wird sich mit den praktikablen Alternativen und strategischen Werkzeugen befassen, über die La Palma verfügt, um mehr touristische Wertschöpfung zu behalten, die Abhängigkeit von externen Vermittlern zu verringern und die Kontrolle über sein eigenes Geschäftsmodell zurückzugewinnen.

