clavijo rede tag der kanarischen inseln

Clavijo: „Kanaren dürfen sich nicht aufgeben“

„Kanaren sprechen für sich selbst“

„Die Kanarischen Inseln sind ein solidarisches Land, das sich von außen nichts sagen lässt, weil es längst beschlossen hat, selbst zu sprechen.“ Mit dieser Überzeugung, inspiriert von der institutionellen Krise um die Behandlung des Kreuzfahrtschiffs MV Hondius Anfang Mai, hielt Regierungspräsident Fernando Clavijo diesen Samstag, den 30. Mai, eine politisch und emotional starke Rede zum Tag der Kanarischen Inseln. Der Archipel wisse, was er sei, und brauche niemanden, der ihm das erkläre, so der Tenor seiner Ansprache.

Ein Aufruf zur Einheit in unsicheren Zeiten

Clavijo entwarf eine kämpferische Rede, die politischer nicht sein könnte und als die forderndste der letzten Jahre gilt. Sie baute auf dem Bewusstsein für die eigene Nation, der Verteidigung der Identität und der Notwendigkeit von Zusammenhalt auf. Die wirtschaftliche und politische Lage beschrieb der Präsident als unsicher, schwierig und voller Gefahren für die Kanaren. „Jede internationale Krise, jeder Krieg, jede Spannung auf den Märkten, jede Entscheidung, die fernab unserer Inseln getroffen wird, hat konkrete Auswirkungen auf das tägliche Leben unserer Bevölkerung“, warnte er. Zugleich betonte er aber auch: „Wir sind ein Land, das die Hand reicht, solange uns Respekt entgegengebracht wird, das sich aber nicht stoßen oder bevormunden lässt.“

Europa und Spanien: Forderungen und Kritik

Clavijo verband den gegenwärtigen Moment mit einer globalen Lage voller Kriege, wirtschaftlicher Spannungen und Paradigmenwechsel. Entscheidungen, die fern des Archipels getroffen werden, hätten direkte Auswirkungen auf die Bürger. Besonders kritisierte er den Mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union und die drohenden Kürzungen bei den Kohäsionspolitiken und Hilfen für Produktionssektoren. Für Clavijo gehe es dabei nicht um eine bloße Haushaltsdebatte, sondern um territoriale Gerechtigkeit: „Es geht darum, dass Europa weiterhin versteht, dass die Kanaren keine Privilegien fordern, sondern Gerechtigkeit.“ Der Status einer äußersten Randregion (RUP) sei kein Verwaltungsetikett, sondern eine tägliche Realität, die das Produzieren, den Transport und das Leben auf den Inseln mitten im Atlantik verteuere.

Der Präsident richtete seinen Blick auch auf die spanische Politik. Ohne Namen zu nennen, zeichnete er ein scharfes Bild des institutionellen Klimas im Staat: „Die politische Krise in Spanien trägt nicht gerade zur Stabilität und Verlässlichkeit unseres Landes bei.“ Seiner Meinung nach seien parteipolitische Taktiererei, die Suche nach der eigenen Erzählung über das Ergebnis, der ständige Streit und die Leere in der Verwaltung zur Norm geworden – „so kann man nicht vorankommen“. Diese Situation zwinge die Kanaren dazu, ihre eigene Stimme zu stärken, denn „es ist wieder einmal an uns, uns allein zu verteidigen und den Respekt einzufordern, den unsere Bevölkerung verdient.“

Identität als Stärke, nicht als Nostalgie

Ein zentraler Punkt der Rede war die eigene Identität: „Die Kanaren sind immer dann vorangekommen, wenn sie ihren Platz kannten, ihren Dialekt verteidigten, ihre Symbole schützten und selbstbewusst in die Welt blickten.“ Unsere Identität sei keine Nostalgie, sondern eine Kraft – eine Kraft, die sich mit jeder Generation verändere, aber eine konstante Aussage bewahre: „Hier gibt es ein Volk, das sich erkennt, das sich liebt und das Herr seines eigenen Schicksals bleiben will.“

Wahre Schätze: Die Menschen der Kanaren

Aus dieser Prämisse heraus verlieh Clavijo dem Motto der Feierlichkeiten – „Wir sind das Erbe der Kanaren“ – eine politische Tiefe. Das wahre Erbe der Inseln seien die Menschen selbst: „Das Volk hat die Kanaren mit seiner Arbeit, seinem Talent, seinem Einsatz und seiner täglichen Mühe aufgebaut – und auch mit dieser typischen Eigenschaft von uns, niemals aufzugeben, wenn es schwierig wird.“

In diesem Zusammenhang würdigte der Regierungschef die Preisträger der „Premios Canarias“ und der „Medallas de Oro“. Er hob eine Vielzahl von Persönlichkeiten und Institutionen hervor: die Solidarität der Stiftung Fundación Canaria MAIN, den ironischen Humor des Karikaturisten José Luis Padilla Morilla (Padylla), die Moderne mit traditionellen Wurzeln im Werk des Architekten Fernando Martín Menis, das Heimatgefühl des Sängers Braulio, das soziale Engagement von Fernando Berge Royo, die Empathie des Hauses Galicien in Las Palmas, die sportliche Stärke von Juan Espino Dieppa, die unternehmerische Verwurzelung der Rumdestillerie Ron Arehucas und das bürgerliche, demokratische und egalitäre Andenken an Pedro Zerolo.

Weitere Geehrte waren die Menschlichkeit von Ámate, der pädagogische und kulturelle Einfluss von Antonio López Bonillo, die Bewahrung der traditionellen Tracht durch María del Carmen Almenara, der Dienst an der Gemeinschaft durch die Pflegeschulen, die Werte des Sportvereins „In Corpore Sano“ und die lebendige Tradition des Bandtanzes von Güímar (Teneriffa). Für den Präsidenten zeigen all diese Lebenswege, dass die Kanaren „erschaffen, pflegen, wettbewerbsfähig sind, innovieren, bewahren und begleiten“.

Jugend und Zukunft: „Wenn die Kanaren Kanaren bleiben“

Ein besonderer Appell galt der Jugend. Dank ihr sei die kanarische Identität nie abgerissen, auch wenn sie sich heute in anderen Sprachen, Rhythmen und Codes ausdrücke. Wenn junge Menschen ihren Akzent verteidigen, über ihre Insel, ihr Viertel oder ihre Straße sprechen oder sich empören, weil sie das Gefühl haben, dass dieses Land nicht den gebührenden Respekt und Schutz erhält, dann sagen sie damit nichts anderes als: „Die Kanaren werden geliebt, respektiert und verteidigt.“

Zum Abschluss forderte Clavijo ein Kanaren, das „sich nicht damit abfindet, die Peripherie von irgendjemandem zu sein, und das nicht akzeptiert, dass seine Schwierigkeiten als Ausrede genutzt werden, um seine Rechte zu beschneiden.“ Um diese Herausforderung zu meistern, bat er um „mehr Einheit, mehr Verantwortung und mehr Vertrauen in sich selbst.“ Sein abschließender Satz war ein klares Bekenntnis: „Die Kanaren haben eine Zukunft – ja, aber nur, wenn sie Kanaren bleiben.“

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