Neue Regeln gegen den Gestank
Die Gemeinde La Orotava (Teneriffa) leitet noch in diesem Monat die Erarbeitung einer neuen kommunalen Verordnung ein, die den Transport, die Lagerung und die Ausbringung von Dünger in den landwirtschaftlichen Betrieben des Ortes deutlich strenger regulieren soll. Mit der Initiative reagiert der Gemeinderat auf wiederholte Beschwerden von Anwohnern über starke Geruchsbelästigungen in mehreren Ortsteilen. Ziel ist es, die landwirtschaftliche Tätigkeit mit der Lebensqualität der Bevölkerung in Einklang zu bringen.
Anmeldepflicht für jede Düngung
Eine der zentralen Neuerungen der Verordnung ist die Einführung einer Anmeldepflicht: Jede Ausbringung von Dünger auf einem Acker muss künftig vorab bei der Gemeindeverwaltung angemeldet werden. Dies ermöglicht es der örtlichen Polizei und den technischen Diensten der Gemeinde, die Maßnahmen besser zu überwachen und zu kontrollieren.
Darüber hinaus wird die direkte Lagerung von tierischem Dünger auf dem Feld verboten. Besonders streng sind die Auflagen für Geflügel- und Schweinemist: Dieser darf nur noch in vorbehandelter, fermentierter und trockener Form ausgebracht werden.
Ausbringungsverbot bei Wind und Hitze
Die Verordnung knüpft die Düngung erstmals auch an die Wetterbedingungen. So ist die Ausbringung von organischen Düngemitteln während einer vom Gobierno de Canarias (kanarische Regierung) ausgerufenen Vorwarn- oder Alarmphase wegen Wind oder hoher Temperaturen untersagt. Der Grund: Unter diesen Bedingungen verteilen sich die Gerüche besonders schnell und weit, was die Belästigung für die Bevölkerung erheblich verstärkt.
Bürgermeister: Gleichgewicht zwischen Landwirtschaft und Wohnen
Bürgermeister Francisco Linares betonte, dass das Ziel der Gemeinde sei, die Landwirtschaft weiterhin zu unterstützen, ohne dass dies zu Lasten der Anwohner gehe. Er plädierte für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen einer regionalen Landwirtschaft und dem Wohlstand derjenigen, die in der Nähe von Anbauflächen leben.
La Orotava – eine Hochburg der Landwirtschaft
La Orotava ist eine der bedeutendsten landwirtschaftlichen Gemeinden Teneriffas. Der Anbau von Kartoffeln, Wein, Obst und Blumen prägt nach wie vor das lokale Landschaftsbild. Daneben verfügt der Ort über einen großen Bestand an Viehbetrieben, insbesondere mit Rindern, Ziegen und Geflügel. Diese Betriebe liefern die Rohstoffe für die Herstellung von Käse, Fleisch und anderen lokalen Produkten. Gleichzeitig dient der anfallende Mist traditionell als organischer Dünger in der Landwirtschaft.
Das Problem: Die intensive Bautätigkeit der letzten Jahrzehnte hat den Abstand zwischen vielen Viehbetrieben und Wohngebieten drastisch verkleinert. Die daraus resultierenden Konflikte durch die Geruchsbelästigung haben in den letzten Jahren stetig zugenommen.
Inkrafttreten noch dieses Jahr geplant
Die neue Verordnung soll eine für die Landwirtschaft essenzielle Praxis an die heutige Realität der Gemeinde anpassen, die Kontrollmechanismen stärken und sowohl die Umweltbelastung als auch die Belästigung der Anwohner minimieren. Nach Angaben des Gemeinderats soll die Verordnung noch vor Ende des Jahres in Kraft treten – sobald das Verwaltungsverfahren und die öffentliche Anhörung abgeschlossen sind.

