Protest gegen die Wohnungsnot: Kanaren bereiten sich auf Großdemo vor
Mehr als 50 Gruppen und soziale Organisationen aus dem gesamten Kanarischen Archipel – darunter Gewerkschaften, Nachbarschaftsinitiativen, Studierendenverbände, feministische, ökologische und kulturelle Vereinigungen – haben sich zusammengeschlossen. Sie rufen für den kommenden Samstag, den 27. Juni, um 11:30 Uhr zu einer Großdemonstration für das Recht auf Wohnen in La Laguna auf. Der Protestzug startet am Parque Estudiante Javier Fernández Quesada.
„Wir eröffnen einen neuen Zyklus des Kampfes“
Die Mobilisierung versteht sich als Auftakt einer neuen Protestwelle. Wie der Mieterverband Sindicato de Inquilinas auf Teneriffa in einer Mitteilung erklärte, will man „einen Zyklus des Kampfes für das Recht auf Wohnen auf den Kanaren eröffnen“. Die Organisation erinnert an eine sich stetig verschärfende Wohnungsnot: „Die Miet- und Kaufpreise sind im letzten Jahrzehnt explodiert, während die Löhne stagnieren und die Lebensbedingungen immer schlechter werden.“
Die Initiatoren stellen klar: „Denen, die unsere Viertel, Dörfer und Städte in Räume der Spekulation und des Geschäfts verwandelt haben, wollen wir eine Antwort der Bevölkerung entgegensetzen. Unser Ziel ist es, die Bedürfnisse der sozialen Mehrheit ins Zentrum der politischen und gesellschaftlichen Debatte zu rücken.“
Systemkrise statt Zufall: Die Ursachen der Misere
Für die Organisationen ist die aktuelle Lage kein Betriebsunfall. Die Wohnungskrise sei „nicht das Ergebnis von Zufällen oder außergewöhnlichen Umständen“. Sie sei vielmehr „die direkte Folge eines Wirtschaftsmodells, das Wohnraum der privaten Rendite unterordnet“. Während tausende Familien einen immer größeren Teil ihres Einkommens für die Miete aufbringen müssten oder aus ihren Heimatgemeinden verdrängt würden, so der Vorwurf, „häufen Investmentfonds, Banken, große Immobilienkonzerne und private Vermieter weiter Wohnungen und Gewinne an“.
Tourismus als Brandbeschleuniger der Krise
Der Mieterverband sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Wohnungsnot und der touristischen Durchdringung der Inseln. „Die Ausweitung der Ferienwohnungen, das Wachstum der Kurzzeitvermietung, ausländische Investitionen und die Umwandlung von Wohnraum in ein Finanzanlageprodukt haben das Angebot an normalen Dauerwohnungen drastisch reduziert“, betont die Gewerkschaft.
13-Punkte-Notfallplan als Forderungskatalog
Angesichts dieser Entwicklung hat der Verband einen Wohnungsnotfallplan mit 13 dringenden und sofort umsetzbaren Maßnahmen ausgearbeitet. Der Schwerpunkt liegt unter anderem auf der sofortigen Ausweisung von angespannten Wohnungsmärkten, der wirksamen Anwendung von Mietpreisbremsen sowie der Rückgewinnung von leerstehendem Wohnraum durch drastische steuerliche Maßnahmen gegen Großbesitzer. Diese Forderungen werden die Demonstranten am 27. Juni auf die Straße tragen.

