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„Sie sind ungezogen!“ – Beleidigung live im TV

Live-Eklat im TV-Studio: Senator als „ungezogen“ beschimpft

„Sie sind ein ungezogener Mensch!“ – Mit dieser Beschimpfung sorgte ein bekannter Talk-Gast am Donnerstag für einen handfesten Eklat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Kanarischen Inseln. Adressat der Attacke war kein Geringerer als José Antonio Valbuena, Senator der Sozialistischen Partei (PSOE) für Teneriffa und ehemaliger Regionalminister für ökologischen Wandel der Kanarischen Regierung.

Streit um die Besetzung der Talkrunde

Der Vorfall ereignete sich in der neuen politischen Talkshow „La Retranca“ von Televisión Canaria (TVC). Valbuena war per Live-Schalte zugeschaltet und hatte zuvor die mangelnde Pluralität der Diskussionsrunde kritisiert. Er beklagte, dass in der öffentlich-rechtlichen Sendung permanent ein Vertreter der PSOE fehle, um die Position der Partei zu verteidigen: „Bei einem Privatsender kann jeder seine redaktionelle Linie fahren. Aber bei einem öffentlich-rechtlichen Sender, der von Steuergeldern bezahlt wird – ist es da zu viel verlangt, dass auch einmal eine Stimme der Sozialisten zu Wort kommt, um ihren Standpunkt darzulegen, so wie es beim spanischen Fernsehen (TVE) üblich ist, wo auch die Volkspartei (PP) vertreten ist?“, fragte der Senator in die Runde.

Unvermittelte Beleidigung live auf Sendung

Als Moderator Mayer Trujillo, der zugleich Direktor des öffentlichen Rundfunks der Kanaren ist, dem Talk-Gast Francisco Pomares das Wort erteilen wollte, schlug die Stimmung abrupt um. Pomares stellte klar, dass er keine Frage an den Herrn Senator stellen wolle, sondern ihm lediglich sagen wolle: „Sie sind ein ungezogener Mensch.“ Der Senator reagierte sofort und forderte, in der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt nicht beschimpft zu werden. Pomares rechtfertigte seinen Ausfall damit, dass die Runde, der er angehöre, durchaus plural zusammengesetzt sei. Er zählte auf: „Wir haben hier einen Mann der Linken, genauer gesagt der nationalistischen Linken; wir haben eine ehemalige Abgeordnete der Partei Ciudadanos; und wir haben zwei Journalistinnen. Eine von ihnen hat sich stets als … Was verstehen Sie unter einem pluralen Tisch? Was verstehen Sie unter einem pluralen Tisch? Das, was Sie da gesagt haben, halten Sie das für angemessen?“

Die Besetzung der Runde: ein Who’s Who der CC-Nähe?

Die Personen, auf die sich Pomares bezog, sind in der kanarischen Medienlandschaft keine Unbekannten: Alberto Rodríguez, ehemaliger Abgeordneter von Podemos und heute führender Kopf der Bewegung Drago Canarias, die mit zwei Stadträten im Rathaus von La Laguna vertreten ist – einer davon ist er selbst. Rodríguez gilt als Stammkommentator in den Medien, die der Kanarischen Koalition (Coalición Canaria, CC) wohlgesonnen sind. Er vertritt einen souveränistischen Linkskurs, der alle anderen Kräfte dieses politischen Spektrums – mit Ausnahme der Partei von Fernando Clavijo – pauschal abwertet, allen voran die PSOE.

Die ehemalige Ciudadanos-Abgeordnete Melisa Rodríguez ist mittlerweile aus der Politik ausgeschieden, fällt jedoch laut Berichten durch eine durchgängig antisozialistische Haltung in allen ihren Wortmeldungen auf. Die von Pomares nicht näher ideologisch eingeordnete Journalistin ist Janire Alfaya von der Radiokette SER – einem Sender, der auf den Kanaren als der antisozialistischste aller ausstrahlenden Sender gilt und eine klare redaktionelle Linie zugunsten der aktuellen und früheren CC-Regierungen verfolgt.

Und schließlich Francisco Pomares selbst: Er wird als der Anführer der Talk-Gäste in allen CC-nahen Medien betrachtet. Mit einer täglichen Kolumne in den Zeitungen der Mediengruppe Editorial Prensa Ibérica auf den Kanaren (El Día und La Provincia) ist er täglich in den Talkshows der SER und der Televisión Canaria zu Gast. Dort kann er offenbar Gäste beschimpfen, ohne von den Moderatoren auch nur ermahnt zu werden.

Moderator verteidigt die Show – Senator fühlt sich im Stich gelassen

Moderator Mayer Trujillo verteidigte im Anschluss die Redaktionslinie der Sendung. Er betonte, dass man einen sozialistischen Senator interviewt habe, und lud Valbuena ein, auch künftig an der Sendung teilzunehmen. Der beleidigte Senator hingegen sieht die Reaktion des Senders, zumindest in den sozialen Netzwerken, als eine Unterstützung des Beschimpfers. „Ich will nicht glauben, dass @LaRetrancaTVC die Beleidigung von Pomares beklatscht. Wenn sie tatsächlich ungeniert applaudieren, dass ein Journalist einen Interviewgast, der nur seine Meinung äußert, ohne jemanden zu beleidigen, derart beschimpft, dann habe ich wenig hinzuzufügen“, schrieb er am Freitag auf der Plattform X unter einen Beitrag des offiziellen Accounts von „La Retranca“.

Nachspiel in den Nachrichten – der „pluralistische Tisch“ als Leitmotiv

Die hauseigenen Nachrichtenredaktionen von Televisión Canaria griffen den Vorfall zwar auf, bestärkten jedoch die Argumentation des beleidigenden Journalisten. So betonte Alberto Rodríguez von Drago Canarias in einem von den TVC-Nachrichten prominent hervorgehobenen Beitrag: „Die Pluralität, die hier herrscht, ist die gleiche wie die auf der Straße, wenn über die Skandale rund um die PSOE diskutiert wird.“ Von den bisher sechs ausgestrahlten Folgen von „La Retranca“ widmeten sich vier der gegen den ehemaligen spanischen Regierungspräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero eröffneten Voruntersuchung.

Start mit Paukenschlag: Namensklau und keine Erklärung

Das Programm „La Retranca“ selbst steht erst seit sechs Wochen auf Sendung – und begann bereits mit einer Kontroverse. Am Tag der Premiere musste der ursprünglich geplante Sendungstitel „La Ráplica“ kurzfristig geändert werden, da die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt ohne vorherige Markenrecherche einen Namen übernommen hatte, der bereits von einer kanarischen Produktionsfirma (Plat del Atlántico) registriert worden war. Die Eigenwerbung von TVC lief bis eine Minute vor Sendezeit noch unter dem Namen „La Ráplica“. Als die Moderatoren die Sendung eröffneten, nannten sie sie einfach „La Retranca“ – so, als wäre nichts geschehen, ohne den Zuschauern auch nur eine Erklärung zu liefern.

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