Das Ende einer Ära
Von Zuckerrohr (Ende 15. bis Mitte 16. Jahrhundert) über den Wein (16. bis 18. Jahrhundert), die Cochenille-Schildlaus (19. Jahrhundert) bis hin zu Banane und Tomate (ab Ende des 19. Jahrhunderts) – die Landwirtschaft auf Teneriffa startet nun in eine fünfte Epoche. Der Aufstieg der tropischen Früchte läutet einen grundlegenden Wandel ein. Die Produktion von Avocados, Papayas, Mangos und Ananas ist auf der Insel derart explodiert, dass die Branche diesem neuen Zyklus große Zukunftschancen einräumt. In nur 20 Jahren haben sich die Anbauflächen dieser vier Sorten verdreifacht – besonders rasant in den letzten zehn Jahren: von 400 Hektar im Jahr 2007 auf heute 1.400 Hektar. Der Wandel beschleunigt sich durch den jüngsten Trend zu exotischeren Produkten wie Drachenfrucht (Pitaya) und Maracuja (Parchita).
Von Bananen, Wein und Kartoffeln zu Avocado, Papaya und Mango
Die Zahlen sind eindeutig: Während die Anbauflächen der drei traditionellen „Könige“ der tinerfeñischen Landwirtschaft schrumpfen, schießen die der exotischen Früchte in die Höhe. Die Banane, unangefochtener Spitzenreiter Teneriffas, erreicht mit 3.733 Hektar den niedrigsten Stand seit 20 Jahren (2007 waren es noch 4.242 Hektar) und erzielt die geringste Ernte der letzten Dekade. Noch drastischer ist der Einbruch beim Wein: Die Rebfläche schrumpfte um 70 Prozent von 11.636 Hektar (2007) auf aktuell 3.381 Hektar. Die Kartoffel, der Dritte im Bunde, kann sich noch halten, verzeichnet aber ebenfalls einen Rückgang von 2.356 auf 2.260 Hektar. Auf der anderen Seite der Medaille stehen die tropischen Früchte mit imposanten Zuwachsraten: Avocados haben ihre Anbaufläche auf Teneriffa mehr als vervierfacht (von 225 Hektar im Jahr 2007 auf aktuell über 1.000 Hektar), Papaya verdoppelte sich von 110 auf 234 Hektar, Ananas stieg von 2,5 auf 10 Hektar. Der Mango legte um 33 Prozent von 105 auf 140 Hektar zu.
Warum der Wandel? Die Krise der Tomate und der Boom der Gesundheit
Der Generalsekretär des kanarischen Landwirtschaftsverbandes Asaga, Theo Hernando, benennt die Hauptursache: „Die tinerfeñische Landwirtschaft hat sich dem Markt angepasst. Die Exporttomate, bekannt als Wintertomate, ist von Teneriffa verschwunden, weil sie nicht mehr rentabel war. Alle diese Flächen werden nun von tropischen Früchten eingenommen, hauptsächlich von der Papaya, aber auch von Avocado, Mango und Ananas.“ Hinzu kommen veränderte Ernährungsgewohnheiten: Der Trend zu gesünderen Produkten, der Einfluss anderer Kulturen, eine leistungsfähige Logistikinfrastruktur und die massive Werbung in Medien und sozialen Netzwerken befeuern das Wachstum der tropischen und subtropischen Obstkulturen. Auch auf dem spanischen Festland und in Ländern wie Deutschland oder den Niederlanden sind Papaya und Mango von der Insel heiß begehrt.
Von der Tomatenkrise zur Tropenfrucht: Ein Branchenzweig organisiert sich
Der Wandel hin zu tropischen Früchten ist so dynamisch, dass sich die Branche neu formiert. Vor genau einem Jahr gründete sich der Verband der Erzeugerorganisationen für tropische und subtropische Früchte der Kanaren (Tropicán). Präsident Francisco José Echandi bezeichnete die Gründung angesichts des „Drucks“ und der „Notwendigkeit, mehr Stärke und organisatorische Kapazität zu haben“ als „logischen“ Schritt. Der Verband vertritt über 1.100 Landwirte von Unternehmen wie Bonnysa, Cocampa, Coplaca und anderen und bündelt eine jährliche Gesamtproduktion von 19.169 Tonnen (davon 14.408 Tonnen Papaya, 2.770 Tonnen Avocado, 1.165 Tonnen Ananas und 826 Tonnen Mango). Echandi betont die neue Schlagkraft: „Die Einigkeit, die wir bei den tropischen und subtropischen Früchten erreicht haben, wird uns eine starke Stimme gegenüber den Behörden verleihen.“ Als Erfolgsbeispiel nennt er die angestrebte geschützte geografische Angabe (g.g.A.) für die kanarische Avocado, ein „Meilenstein“, der nur durch gemeinsames Handeln möglich sei. Eine der Prioritäten von Tropicán ist die Stärkung der Forschung und landwirtschaftlichen Innovation, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Kanarischen Institut für Agrarforschung (ICIA) mit Sitz in Valle de Guerra (Teneriffa).
Eine neue Chance für den ländlichen Raum?
Die „Tropikalisierung“ bringt nicht nur mehr Vielfalt auf die Felder, sondern eröffnet auch Perspektiven für einen primären Sektor, der lange im Niedergang begriffen war. Die große Hoffnung ist, den jahrzehntelangen Verlust von landwirtschaftlichen Flächen zu stoppen. Derzeit werden auf Teneriffa nur 40 Prozent der nutzbaren Agrarfläche bewirtschaftet (17.143 von 43.000 Hektar). Der historische Höchststand lag 1960 bei 33.000 Hektar. Der Niedergang begann 1990 und verschärfte sich stetig – vor allem wegen des fehlenden Generationswechsels. Theo Hernando sieht in den tropischen Früchten genau diese Chance: „Sie fördern den Einstieg jüngerer Produzenten, die den Markt verjüngen.“ Der nächste Schritt sei die Spezialisierung: „Es wäre enorm wichtig, die Fähigkeit zu entwickeln, einzigartige Sorten der Insel zu schaffen, die die wachsende Nachfrage bedienen und die Exporte stärken.“
Der Hype um die Avocado und die Launen des Marktes
Neben den strukturellen Veränderungen spielen auch Moden eine Rolle – und die sind bekanntlich schwer vorherzusagen. Das beste Beispiel ist die Avocado. Ihr kometenhafter Aufstieg ist eng mit Kampagnen in Amerika verknüpft, die den Konsum dieser Frucht befeuerten, ein Trend, der vor fünf Jahren nach Europa schwappte. Auf den Kanaren ist die Avocado zwar seit jeher bekannt, erlebte aber in den 1990er Jahren einen massiven Einbruch, der viele Landwirte zwang, die Pflanzen zu roden. Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts jedoch erholte sich der Markt rasant, angekurbelt durch günstige Gewinnmargen, und die Plantagen breiten sich seither unaufhörlich aus.

