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16.000 Euro für ultrarechtes Medium: Kanaren in der Kritik

Werbung als Finanzierung: Kanarische Regierung unter Beschuss

Die kanarische Regionalregierung steht in der Kritik: Trotz angeblich strenger neuer Regeln für die Vergabe von Werbeetats flossen 2025 über 16.000 Euro an ein umstrittenes Medium. Es handelt sich um Eda TV Consulting S.L., den Sender des ultrarechten Agitators Vito Quiles. Ein interner Schriftwechsel zwischen dem Vizeminister für Kommunikation, Jonathan Domínguez, und dem Portal Canarias Ahora offenbart die Diskrepanz zwischen den öffentlichen Beteuerungen und der gelebten Praxis.

Der Vizeminister verteidigt die neue Linie

In einem Schreiben vom September 2025 an Canarias Ahora reagierte Domínguez auf eine Beschwerde. Das Portal hatte moniert, dass die Regierung bei ihnen kaum Werbung schalte, während andere Medien mit geringerer Reichweite wie Eda TV bevorzugt würden. Der Vizeminister rechtfertigte die Vergabe mit einem grundlegenden Kurswechsel: „Diese Regierung hat angesichts des Fehlens objektiver Kriterien in der vorherigen Legislaturperiode eigene Maßstäbe eingeführt. Sie entsprechen strikt der geltenden Gesetzgebung. Der wahre Zweck institutioneller Werbung ist der Kauf von Werbeplätzen für Botschaften von öffentlichem Interesse – und nicht die Finanzierung von Medien“, erklärte Domínguez.

Neue Messkriterien: Transparenz oder Feigenblatt?

Laut Domínguez setzt die Regierung nun auf eine datenbasierte Vergabe: „Um diese objektiven Kriterien – insbesondere in Bezug auf Zielgruppen und Reichweite – zu untermauern, hat diese Regierung direkt die spezialisierten Dienstleister für Reichweitenmessung und Datenprüfung, GFK und OJD, beauftragt. Sie zertifizieren die von den Medien bereitgestellten aktuellen Reichweitendaten für jede Kampagne. So können wir die Planung und den Einkauf von Werbeplätzen effektiver und realistischer gestalten.“

Doch die Realität sieht anders aus: Die Webseite von Eda TV, auf der die Regierung eine Banner-Kampagne ohne konkrete inhaltliche Vorgaben schaltete, belegte 2025 lediglich Platz 296 im spanischen Leseranking. Es war das einzige nationale Medium, das in jenem Jahr einen solchen Auftrag (einen sogenannten „contrato menor“) erhielt.

Der Widerspruch: Die Kriterien schließen Eda TV eigentlich aus

Anhand der von Domínguez selbst genannten Kriterien müsste Eda TV eigentlich durch das Raster fallen. Denn die Regierung betont, das Publikum genau zu kennen: „Dank dieser objektiven Kriterien können wir die definierte Zielgruppe jeder Kampagne nach Alter und Geschlecht genauer lokalisieren. Wir erreichen nun auch die kleinsten Gemeinden der nicht zur Hauptstadt gehörenden Inseln über Lokalmedien mit starker regionaler oder inselweiter Verankerung – jene Medien, die in den alten Werbeplänen zuvor schlicht ignoriert oder ausgeschlossen wurden.“

Genau aus diesem Grund, so die Logik des Vizeministers, schließen die Kriterien Medien mit nationaler Verbreitung wie Eda TV kategorisch aus. In seinem Schreiben argumentiert er weiter: „Die von meiner Abteilung eingesetzten Werkzeuge ermöglichen es dem technischen Dienst, die zertifizierten Reichweitendaten für jede Kampagne minutengenau und in Echtzeit zu objektivieren und aufzuschlüsseln. Dabei werden jene Datenströme identifiziert, die ihren Ursprung außerhalb der Autonomen Gemeinschaft haben. Diese gehören nicht zur Zielgruppe der Aufklärungskampagnen und werden daher ausgeschlossen. So stellen wir die effiziente Verwendung öffentlicher Mittel gemäß Artikel 1 und 28 des Vertragsgesetzes für den öffentlichen Sektor (LCSP) sicher.“

Ein Vertrag ohne konkrete Vorgaben

Trotz dieser klaren Worte wurde der Vertrag mit Eda TV abgeschlossen. Er enthielt keinerlei Spezifikationen darüber, welche Art von Kampagne das „Pseudomedium“ (so die Bezeichnung in der lokalen Presse) ausstrahlen sollte. Auf der öffentlichen Vergabeplattform findet sich lediglich die dürre Formulierung: „Aufklärungs- und Informationskampagne von öffentlichem Interesse“.

Territoriale Verankerung: Ein weiteres Kriterium, das Eda TV nicht erfüllt

Der Vizeminister hob in seinem Schreiben zudem ein weiteres wichtiges Kriterium hervor: die territoriale, insulare oder regionale Verankerung. Dazu zählt für ihn auch die Verbreitung von Informationen über die eigene Webseite hinaus, die Nutzung verfügbarer Tools und Dienste, sowie die Vielfalt der eigenen Inhalte, die generationenübergreifend und sozial sowie kulturell divers sein sollen. Außerdem wird die Einbindung des Mediums in das soziale, wirtschaftliche oder identitätsstiftende Leben des Gebiets bewertet, etwa durch Treffen, Foren oder Veranstaltungen. „All dies sind schwer zu quantifizierende Qualitäten“, so der Vizeminister, „die aber ein entscheidendes Gewicht bei der Rechtfertigung der zugehörigen Werbeschaltungen haben.“

Es sind alles Kriterien, die man bei dem Medium von Javier Negre – dem Eigentümer von Eda TV – kaum wiederfinden dürfte.

Der „Medienatlas“ und die Sonderbehandlung

Der Vizeminister hat sich in dieser Legislaturperiode voll und ganz der Erstellung eines „Medienatlas der Kanarischen Inseln“ verschrieben. „Dieses Werkzeug soll die Transparenz erhöhen, die Medienvielfalt abbilden und so die Effizienz bei der Vergabe von Werbeetats steigern. Die Zahl der Medien, die an institutionellen Kampagnen teilnehmen, ist bereits gestiegen, was zu einer breiteren Verteilung des Budgets führt“, erklärte Domínguez. Der Atlas soll nicht nur klassische Medien, sondern auch Podcasts, Influencer und Content-Creator erfassen.

Ursprünglich für den 1. Januar angekündigt, ist das Werkzeug noch nicht fertiggestellt. Dennoch zeigt der Fall Eda TV, dass das ultrarechte Medium, in das Domínguez‘ Abteilung 2025 über 16.000 Euro investierte, in diesem System eigentlich keinen Platz hätte – und der Auftrag mit nur vagen Werbevorgaben vergeben wurde, wie diese Zeitung berichtete.

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