Wohnraum statt Feriendomizil: La Gomera zieht die Zügel an
San Sebastián de La Gomera stemmt sich gegen die unkontrollierte Ausbreitung von Ferienwohnungen. In einer richtungsweisenden Entscheidung hat der Gemeinderat der Inselhauptstadt am Donnerstag mit großer Mehrheit eine strengere Regulierung des touristischen Wohnungsmarktes beschlossen. Die Initiative der Lokalpartei Iniciativa por La Gomera (IxLG) fand dabei die Unterstützung der beiden Regierungsparteien ASG und CC, während sich die Sozialdemokraten (PSOE) der Stimme enthielten.
Ein klares Ziel: 80 Prozent der Wohnungen für die Einwohner
Die Gemeinderätin und Sprecherin von IxLG, Luz Marina Medina Martín, zeigte sich erfreut über den breiten Konsens. Sie bezeichnete die Abstimmung als entscheidenden Schritt, um das richtige Gleichgewicht zwischen touristischer Entwicklung und dem grundlegenden Recht der Bevölkerung auf bezahlbaren Wohnraum herzustellen. Der jetzt verabschiedete Antrag sieht unter anderem vor, dass künftig mindestens 80 Prozent aller Wohnungen dem regulären Wohnungsmarkt dienen müssen. Die Nutzung zu touristischen Zwecken soll hingegen auf maximal 20 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes begrenzt werden.
Konkrete Maßnahmen statt leerer Versprechen
Die Beschlüsse des Gemeinderats sind weitreichend. Um die neuen Vorgaben durchzusetzen, verlangt die Initiative eine sofortige Anpassung des kommunalen Flächennutzungsplans (Plan General de Ordenación) an die Vorgaben des neuen kanarischen Gesetzes 6/2025 zur nachhaltigen touristischen Nutzung von Wohnungen. „Das Wichtigste ist jetzt, dass dieser Beschluss nicht nur eine Absichtserklärung bleibt, sondern dass ihn die Gemeindeverwaltung auch in die Tat umsetzt“, mahnte Medina Martín. Die Gemeindeversammlung erwartet, dass die notwendigen Planungsarbeiten umgehend beginnen.
Schutz vor Überlastung und Verdrängung
Neben der generellen Obergrenze von 20 Prozent sieht der Maßnahmenkatalog weitere wichtige Punkte vor. So soll die Ansammlung von Ferienwohnungen in bestimmten Stadtvierteln oder Straßenzügen verhindert werden, um die gewachsene Nachbarschaftsstruktur zu schützen. Zudem ist die Erstellung einer sogenannten „Belastbarkeitsstudie“ geplant. Diese soll wissenschaftlich untersuchen, wie sich der Tourismus auf den Wohnungsmarkt, die öffentlichen Dienstleistungen (wie Wasserversorgung oder Müllabfuhr) und die Umwelt auswirkt.
Die Bürger haben ein Mitspracherecht
Ein zentraler Bestandteil des Beschlusses ist die Einrichtung eines Bürgerbeteiligungsprozesses. Anwohner, soziale Vereinigungen und Wirtschaftsvertreter sollen in die Ausarbeitung der neuen Regeln aktiv eingebunden werden. „Unser Ziel ist es nicht, die Ferienwohnungen zu verbieten“, stellt die Gemeinderätin klar. „Wir wollen sie vielmehr so ordnen, dass sie mit dem Recht auf Wohnen und einem nachhaltigen Entwicklungsmodell für unsere Gemeinde vereinbar sind.“ Die Initiative sei ein Schritt hin zu einem gerechteren und ausgewogeneren Modell für San Sebastián de La Gomera. „Jetzt gilt es, das Beschlossene umzusetzen und eine der größten Sorgen unserer Mitbürger zu lösen“, schloss Medina Martín.

