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KI bedroht bis zu 105.000 Jobs auf den Kanaren

Künstliche Intelligenz: Fluch oder Segen für den Arbeitsmarkt der Kanaren?

Künstliche Intelligenz (KI) – für viele noch ein Tool für alltägliche Fragen – steht kurz davor, unsere Arbeitswelt grundlegend zu verändern. Während die neue Technologie sich zunehmend in Arbeitsprozesse integriert und die Ausführung vieler Berufe transformiert, wächst bei den betroffenen Fachkräften die Sorge um ihre Zukunft. Und diese Sorge ist berechtigt. Die erste große Studie, die die Auswirkungen der KI auf den spanischen Arbeitsmarkt untersucht, zeichnet ein alarmierendes Bild für den Archipel: In den nächsten zehn Jahren könnten auf den Kanarischen Inseln zwischen 78.000 und 105.000 Arbeitsplätze verloren gehen – und das bereits im optimistischeren Szenario.

Bis zu 105.000 Jobs in Gefahr

Die von Funcas – einem auf Wirtschafts- und Sozialforschung spezialisierten Think-Tank – erstellte Studie prognostiziert für ganz Spanien den Wegfall von 1,7 bis 2,3 Millionen der derzeit besetzten Stellen. Da die Kanarischen Inseln laut der aktuellen Arbeitskräfteerhebung (EPA) 4,6 Prozent der landesweiten Beschäftigung stellen, ergibt sich daraus ein Verlust von 78.000 bis 105.000 Arbeitsplätzen für das Inselgebiet. Dies entspricht etwa zehn Prozent aller Jobs auf den Kanaren.

Neue Chancen durch KI

Doch die von Francisco Rodríguez, Wirtschaftsprofessor an der Universität Granada und Direktor des Bereichs Finanzen und Digitalisierung bei Funcas, geleitete Studie malt kein vollständig schwarzes Bild. Die Einführung von KI werde auch neue Arbeitsplätze schaffen – viele davon in Bereichen, die heute noch gar nicht absehbar sind. Der Experte schätzt, dass im gleichen Zehnjahreszeitraum in ganz Spanien rund 1,6 Millionen neue Stellen durch KI entstehen könnten. Würden diese proportional zur aktuellen Verteilung des nationalen Arbeitsmarktes auf die Regionen entfallen – was aufgrund unterschiedlicher Wirtschaftsmodelle nicht zwingend der Fall sein muss –, könnte der Archipel rund 73.000 neue Arbeitsplätze gewinnen.

Die Bilanz bleibt negativ

Unabhängig vom Szenario – sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene fällt die Bilanz zwischen vernichteten und neu geschaffenen Stellen negativ aus. Das bedeutet: Obwohl KI neue berufliche Chancen eröffnet, wird sie viele der heute weit verbreiteten Tätigkeiten langfristig überflüssig machen.

Welche Berufe sind besonders betroffen?

Zu den Berufen mit dem höchsten Risiko, durch KI ersetzt zu werden, zählen Programmierer, Kundendienstmitarbeiter, Marktanalysten und Vertriebsagenten. Während die Durchdringungsrate von KI im Technologiesektor bei fast 60 Prozent liegt, beträgt sie im Dienstleistungssektor lediglich 25 Prozent. Die spanische und damit auch die kanarische Wirtschaft ist aufgrund des hohen Anteils von Branchen wie Tourismus und Gastgewerbe daher nicht übermäßig anfällig für den mit der KI einhergehenden Automatisierungsdruck.

Produktivitätssteigerung statt Jobkiller?

Doch selbst wenn die Technologie Einzug hält, wird nicht jede Auswirkung negativ sein. Die Studie zeigt auch, dass zwischen 2,8 und 3,5 Millionen Arbeitnehmer durch KI ihre Produktivität steigern könnten – mit besonderen Auswirkungen im Dienstleistungssektor. „KI wird weniger Arbeitsplätze objektiv vernichten, als sie vielmehr verändern“, ist José Miguel González, Wirtschaftswissenschaftler und Direktor für Beratung und Vertriebsmanagement bei Corporación 5, überzeugt. Mit Blick auf die Kanaren ergänzt er: „KI wird sich auf arbeitsintensive Produktionsfunktionen auswirken, aber hier gibt es viele persönliche Dienstleistungen, die auf den direkten Kundenkontakt angewiesen sind. Diese werden nicht ersetzt, sondern lediglich verändert.“

Historische Perspektive: Innovation als Chance

Die Angst vor neuen Technologien als Bedrohung für Arbeitsplätze ist historisch betrachtet kein neues Phänomen. Die letzten Jahrzehnte haben immer wieder gezeigt, dass der vom Menschen geschaffene Mehrwert „niemals vollständig ersetzt werden kann“, so González. „Innovationen ersparen uns Arbeit und verschaffen uns mehr Zeit. Gleichzeitig entstehen historisch betrachtet immer auch neue, höhere Beschäftigungsniveaus.“ Dennoch warnt er: „Man darf die Menschen nicht in die Irre führen. Wer sich nicht auf die neuen Kompetenzen vorbereitet, die der Einsatz von KI erfordert, wird es schwer haben, im Arbeitsmarkt zu bestehen – ähnlich wie es schon bei der Computerisierung der Fall war.“

Herausforderung für die Kanaren: Alternde Belegschaft und hohe Arbeitslosigkeit

Besonders brisant ist die Situation auf den Kanaren, wo bereits eine strukturell hohe Arbeitslosigkeit herrscht. González weist auf die demografische Alterung der Belegschaft hin. „Ein großer Teil der Arbeitslosen ist über 52 Jahre alt. Für diese Gruppe ist die notwendige Wissensaktualisierung noch schwieriger umzusetzen.“ Die einzige Lösung sieht er in der Weiterbildung. „Jetzt heißt es, diese neuen Fähigkeiten zu erlernen. Ältere Arbeitnehmer werden sich besonders anstrengen müssen, da sie, wie wir bereits sehen, Gefahr laufen, aus dem Arbeitsmarkt gedrängt zu werden“, schließt er.

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