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Tourismus auf den Kanaren bricht ein: 110.000 Gäste weniger im April

Kanaren verzeichnen ersten großen Einbruch seit Jahren

Die Warnungen der kanarischen Regierung, der Wirtschaftsverbände und der Branchenverbände waren deutlich: Es werden schwierige Zeiten. Nun hat sich der erste große Dämpfer eingestellt. Die Zahl der Touristen auf den Kanarischen Inseln ist im April zum ersten Mal seit sieben Jahren zurückgegangen. Lässt man die von der Pandemie geprägten Jahre 2020 und 2021 außen vor – als Covid den Tourismus nahezu lahmlegte – und ignoriert man die zwei minimalen Rückgänge von 0,09 und 0,02 Prozent aus dem Oktober und Dezember 2025, so muss man bis ins Jahr 2019 zurückblicken, um einen ähnlichen Einbruch zu finden.

Der Rückgang war beträchtlich. Der Archipel empfing im April 8,3 Prozent weniger Touristen als im gleichen Monat des Vorjahres. Der Verlust an Besuchern ging zudem mit geringeren Ausgaben einher, die um 6,8 Prozent sanken. Besonders auffällig ist dieser Wert im Vergleich zum übrigen Spanien: Während andere Regionen ihre Besucherzahlen halten oder steigern konnten, waren die Kanaren das einzige Gebiet, das im April mit einem Minus abschloss. Ein herber Schlag, der die Wachstumsdynamik der Branche durchbricht und die ersten Folgen einer komplexen geopolitischen Lage zeigt.

110.000 Urlauber weniger, 130 Millionen Euro weniger Einnahmen

In absoluten Zahlen bedeutet der Rückgang 110.332 Besucher weniger. Das hat einen Verlust von 130 Millionen Euro an Touristeneinnahmen im Vergleich zum April 2025 zur Folge. Es handelt sich also nicht nur um einen reinen Rückgang der Reisenden, sondern auch um geringere Einnahmen für Hotels, Restaurants, Geschäfte und alle Branchen, die vom Tourismus leben.

Obwohl das spanische Statistikamt INE keine genauen Daten darüber liefert, aus welchen Ländern die fehlenden Touristen pro Region kommen, gibt die nationale Statistik einen deutlichen Hinweis: Der Hauptschlag kommt aus Deutschland.

Deutscher Markt bricht ein – Briten und Franzosen legen zu

Der deutsche Markt, traditionell einer der wichtigsten Quellmärkte für die Kanaren – nur knapp hinter dem britischen –, verzeichnete allein im April einen Rückgang von 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zum Vergleich: Die Ankünfte aus dem Vereinigten Königreich stiegen um 2,7 Prozent, jene aus Frankreich sogar um 5,1 Prozent. Der Rückgang im deutschen Markt spiegelte sich auch in den Ausgaben wider. Während andere Nationen ihre Ausgaben in Spanien erhöhten, verzeichnete Deutschland mit einem Minus von 8,7 Prozent den stärksten Rückgang, was einem Verlust von 139,5 Millionen Euro entspricht.

Auch die skandinavischen Länder gaben etwas weniger aus, wenn auch in geringerem Umfang: 26,8 Millionen Euro weniger, ein Minus von 3,9 Prozent.

Die Ursachen: Rezession in Deutschland und steigende Kosten

Hinter diesem Rückgang steht die Rezession der deutschen Wirtschaft. Die industrielle Lokomotive Europas und seine größte Volkswirtschaft befindet sich bereits im sechsten Jahr der Stagnation. Bei nahezu stagnierender Wirtschaftsaktivität und massiven Investitionen in die Verteidigung steht Deutschland vor einem immer anspruchsvolleren wirtschaftlichen Umfeld. Hinzu kommen die Auswirkungen des Krieges von Trump im Iran und die geopolitischen Spannungen, die neue Wolken über Berlin aufziehen lassen. Rund sechs Prozent seiner Ölimporte stammen aus den Ländern des Nahen Ostens – eine Abhängigkeit, die die ohnehin durch die Energiekosten belastete Produktionslandschaft zusätzlich verunsichert. Die energieintensiven Industrien in Deutschland machen rund 17 Prozent der industriellen Bruttowertschöpfung aus und beschäftigen knapp eine Million Menschen.

Wenn der Geldbeutel schmaler wird, wird der Preis wichtiger

Wenn der Geldbeutel knapper wird, achten Reisende mehr auf den Preis. Und hier geraten die Kanaren zunehmend in Bedrängnis. Neben der nachlassenden Kaufkraft einiger Hauptquellmärkte kommen weitere Faktoren hinzu, wie die wachsende Konkurrenz durch nahegelegene Reiseziele. Marokko beispielsweise bietet ebenfalls gutes Klima, günstigere Preise und eine privilegierte Lage vor den Toren Europas. Hinzu kommt die Verteuerung von Kerosin – dem Treibstoff der Flugzeuge – aufgrund der Spannungen im Konflikt mit dem Iran. Diese Kosten werden früher oder später auf die Ticketpreise umgelegt und beeinflussen die Reiseentscheidungen der Urlauber.

Spanien boomt, die Kanaren fallen zurück

Die gestern vom INE veröffentlichten Daten zeigen zudem, dass der Einbruch im April nicht im Kontext einer allgemeinen Schwäche des spanischen Tourismus stattfand. Ganz im Gegenteil: Spanien bricht weiterhin Rekorde bei Besucherzahlen und Ausgaben, während die Kanaren einen Rückgang verzeichnen, der gerade deshalb so auffällt, weil sie zu den touristischen Schwergewichten des Landes gehören. So stiegen die Ausgaben auf nationaler Ebene um 7,4 Prozent, die Zahl der Touristen nahm um 5,2 Prozent zu.

Der Schlag für die Kanaren kommt allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem der Tourismus ohnehin auf einem sehr hohen Niveau lag. In den ersten vier Monaten des Jahres waren die Kanaren mit 5,7 Millionen Touristen die am stärksten besuchte Region Spaniens (ein Plus von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum), gefolgt von Katalonien (5,4 Millionen, plus 0,8 Prozent) und Andalusien (4,2 Millionen, plus 6,3 Prozent). Auch bei den Ausgaben lagen die Kanaren im ersten Quartal mit einem Anteil von 23,8 Prozent am gesamtspanischen Aufkommen ganz vorn – trotz des Rückschlags im April. Es folgen Katalonien (17,7 Prozent) und die Autonome Gemeinschaft Madrid (16,3 Prozent).

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