Das Ende einer Schattenfirma
Die Baufirma Inversiones Las Teresitas (ILT), eine Zweckgesellschaft der Unternehmer Antonio Plasencia und Ignacio González (der in Haft verstarb), steht vor dem finanziellen Kollaps. Wie aus den aktuellen Geschäftszahlen hervorgeht, belief sich das negative Eigenkapital des Unternehmens zum Ende des Jahres 2024 auf satte 109,4 Millionen Euro. Das Unternehmen, das zu Beginn des Jahrhunderts in einen der größten Korruptionsfälle der Kanaren verwickelt war, kann diese gewaltige Lücke in der Bilanz nicht mehr schließen.
Wo das Geld geblieben ist
Das riesige Minus setzt sich aus zwei Hauptposten zusammen: Zum einen schuldet ILT der spanischen Steuerbehörde (Agencia Tributaria) 64,3 Millionen Euro – womit das Unternehmen die Liste der größten Steuerschuldner anführt. Zum anderen drückt eine zivilrechtliche Forderung der Stadtverwaltung von Santa Cruz de Tenerife in Höhe von 80,6 Millionen Euro auf die Bilanz. Die Aktiva der Firma – also ihr gesamtes Vermögen – betragen gerade einmal 26,3 Millionen Euro. Dem steht eine Gesamtverschuldung von 135,7 Millionen Euro gegenüber. Rechnet man die in der Bilanz nicht enthaltenen zehn Millionen Euro hinzu, die ILT zusätzlich beim Fiskus abdrücken muss, wird das Ausmaß des Desasters erst richtig deutlich.
Der Fall „Las Teresitas“: Ein teures Spiel mit öffentlichem Geld
Die monströse Verschuldung ist die direkte Folge der Verurteilungen im Fall „Las Teresitas“. Die Geschichte begann im Jahr 2001, als die Stadt Santa Cruz de Tenerife der Firma Inversiones Las Teresitas die Grundstücke entlang der gleichnamigen Playa abkaufte – für 52,5 Millionen Euro. Ein exorbitant überhöhter Preis, der den tatsächlichen Wert von rund 18 Millionen Euro fast verdreifachte. Offiziell hieß es, man wolle die Küste vor geplanten Touristenprojekten schützen. Die Justiz jedoch kam zu einem anderen Schluss: Das wahre Ziel des Kaufs war nicht das Gemeinwohl, sondern die Durchführung eines ausgeklügelten Plans, eines „abgestimmten Vorgehens“, wie es das Urteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 2019 nennt. Politiker – darunter der ehemalige Bürgermeister Miguel Zerolo und der frühere Stadtplanungsdezernent Manuel Parejo (beide von Coalición Canaria) – und Unternehmer hatten sich zusammengetan, um die Letzteren auf Kosten der öffentlichen Hand zu bereichern.
Der größte Kredit der Inselgeschichte
Bereits 1998 hatte ILT die Grundstücke von Las Teresitas erworben – finanziert durch einen Kredit der inzwischen aufgelösten CajaCanarias über 33,6 Millionen Euro. Es war das größte Darlehen, das die Bank je vergeben hatte. Genehmigt wurde es unter anderem von Ignacio González, der selbst im Vorstand der Caja saß und über einen Strohmann, Felipe Manuel Armas, zur Hälfte an ILT beteiligt war. Die Firma fungierte offenkundig als reine Briefkastenfirma. Sie erwirtschaftete keinerlei Einnahmen, um den Kredit zu bedienen, und besaß auch kein nennenswertes Vermögen. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs stellt klar: Wäre das Geschäft schiefgegangen, hätte CajaCanarias den gesamten Verlust tragen müssen.
Stadt kauft, Unternehmer kassieren
Dann trat die Stadt Santa Cruz auf den Plan. Sie kaufte das Küstenvorland für die bereits genannten 52,5 Millionen Euro – obwohl der reale Wert der Flächen aufgrund strenger Bauauflagen, Küstenschutzbestimmungen und der damals geltenden Tourismus-Moratorium bei etwa 18 Millionen Euro lag. Die Stadtverwaltung unterdrückte unabhängige Gutachten und stützte sich stattdessen auf Bewertungen, die maßgeschneidert auf die Interessen der Verkäufer waren. Der Deal beinhaltete zudem die kostenlose Übertragung öffentlicher Baurechte an ILT: insgesamt 24.410 Quadratmeter, die von der Strandfront auf die dahinter liegenden, bereits im Besitz der Unternehmer befindlichen Grundstücke (insgesamt 120.719 Quadratmeter) übertragen wurden. Der Wert dieses Geschenks überstieg 9,1 Millionen Euro. Die Stadt änderte außerdem den Bebauungsplan für diese Grundstücke, um sie von touristischer Nutzung, die aufgrund der Moratorium unmöglich war, in intensive Wohnnutzung umzuwandeln.
Der große Coup und das böse Erwachen
Dank dieser Umwidmung verkaufte ILT die Grundstücke im Jahr 2006 an die Firma Desarrollos Urbanos CIC (Desurcic) für sagenhafte 92,2 Millionen Euro. Auf den Gewinn fielen 27,5 Millionen Euro Körperschaftssteuer an. Um keinen Cent zu zahlen, wendete ILT einen Trick an: Sie nutzte unrechtmäßig die Steuervergünstigungen der „Reserva para Inversiones en Canarias“ (RIC) und zog fiktive 61,5 Millionen Euro von der Steuerbemessungsgrundlage ab. Das Geld dieser Rücklage aber, so das Urteil des Obersten Gerichtshofs von 2025, wurde nicht wie gesetzlich vorgeschrieben reinvestiert (etwa in Wohnungsbau oder Forschung), sondern von den ILT-Eigentümern abgezogen – getarnt als Darlehen der Firma. In Wirklichkeit, so das Gericht, wurden die Erlöse aus dem Grundstücksverkauf über zwei von ihnen kontrollierte Firmen (Promotora Punta Larga und Promotora Victoria) als Dividenden ausgeschüttet. Insgesamt – zwischen dem Ankauf durch die Stadt und dem Verkauf an Desurcic – strichen die Unternehmer Antonio Plasencia und Ignacio González über 100 Millionen Euro ein, ohne selbst ein einziges Euro-Cent zu riskieren.
Harte Urteile, leere Kassen
Der Oberste Gerichtshof verurteilte die beiden Unternehmer für die erste Operation (den Verkauf an die Stadt) zu je fünf Jahren und drei Monaten Haft sowie zur Zahlung von 52,5 Millionen Euro Schadenersatz an die Stadt Santa Cruz de Tenerife. Mit den aufgelaufenen Zinsen belief sich diese Summe im Jahr 2019 auf knapp 100 Millionen Euro. In der ILT-Bilanz für 2024 ist diese Schuld nun als langfristige Verbindlichkeit von 80,6 Millionen Euro ausgewiesen. Für die zweite Operation – den Verkauf an Desurcic – verurteilte der Oberste Gerichtshof ILT im Jahr 2025 wegen Steuerbetrugs. Die Firma muss 27,5 Millionen Euro (die hinterzogene Steuer) plus eine Strafe von 26,9 Millionen Euro wegen einer „sehr schweren Steuerverfehlung“ an die Steuerbehörde zahlen. Beträge, die in den kurzfristigen Verbindlichkeiten der Firma von 54,4 Millionen Euro enthalten sind.
Das letzte Kapitel: Die Liquidationspleite
In der Liste der Steuerschuldner taucht ILT mit 64,37 Millionen Euro auf – rund zehn Millionen mehr als in den eigenen Büchern. Die Differenz könnte aus Verzugszinsen resultieren. Die Firma selbst räumt ein: „Es hat sich eine historische und äußerst hohe Steuerschuld (inklusive Strafe) verfestigt, die mit den verfügbaren Mitteln nicht beglichen werden kann. Angesichts der Schwere dieser Lage hat die Geschäftsführung beschlossen, die Schritte zur Einleitung eines Insolvenzverfahrens mit dem Ziel der Liquidation zu unternehmen.“ Mit anderen Worten: Das Unternehmen gibt auf und beantragt die Liquidationsinsolvenz.

