Milliardenschwere Übernahme verzerrt die Statistik
Das Hin und Her um die Übernahme der Naviera Armas durch die Reederei Baleària von Adolfo Utor hat auch im ersten Quartal dieses Jahres noch Spuren in den ausländischen Investitionszahlen der Kanaren hinterlassen. Von den insgesamt 67,2 Millionen Euro, die zwischen Januar und März auf den Inseln ankamen – der dritthöchste Wert für ein Auftaktquartal –, entfielen 53,1 Millionen Euro oder 79 Prozent auf den Posten „Vermietung von Schifffahrtsmitteln“. Das geht aus den Daten von Datainvex hervor. Konkret handelt es sich um Finanzierungskonstruktionen, mit denen die Anleihegläubiger von Armas operierten, bis die spanische Wettbewerbsbehörde (CNMC) grünes Licht für den Deal gab. Künftig werden diese Bewegungen in der Statistik voraussichtlich keine Rolle mehr spielen. „Es sei denn, Baleària hätte die Übernahme über eine Gesellschaft in Luxemburg abgewickelt“, erklären mit dem Markt vertraute Kreise.
Der wahre Wert jenseits der Mega-Deals
Bereinigt um diese Großtransaktion – die einen Volumen von rund 350 Millionen Euro hatte – belief sich die ausländische Direktinvestition auf den Kanaren im ersten Quartal auf 14,1 Millionen Euro. Diese Summe entspricht eher dem Niveau, das seit Beginn des Jahrhunderts in einem normalen Dreimonatszeitraum erzielt wird. Höhere Werte für ein Auftaktquartal gab es zuletzt 2022 (90,4 Millionen Euro) und 2014 (72,9 Millionen Euro). Auch damals dominierten jeweils große Einzeldeals: 2022 flossen 56,2 Millionen Euro in den Bereich „Schifffahrtsmittel“, und 2014 sorgte vor allem der Einstieg der japanischen Itochu-Gruppe bei Canaragua für einen Schub von 36 Millionen Euro.
Rekordjahr 2025: Tourismus als Zugpferd
Ungeachtet solcher statistischer Verzerrungen durch Einzeltransaktionen hat das vergangene Jahr eindrucksvoll gezeigt, dass die Kanarischen Inseln auf dem Radar internationaler Investoren stehen. Im gesamten Jahr 2025 flossen 329 Millionen Euro aus dem Ausland auf den Archipel – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr und ein nie dagewesener Rekord. Diese Summe entsprach 22 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen, die Spanien insgesamt anzog. Der wichtigste Treiber dieser Entwicklung war der florierende Tourismussektor. In den letzten zehn Jahren setzten große Investmentfonds verstärkt auf Hotelimmobilien auf den Inseln, kauften zahlreiche Objekte und übergaben den Betrieb an Fachunternehmen. In jüngster Zeit veräußern sie diese Beteiligungen wieder – zu schwindelerregenden Preisen.
Hotelimmobilien im Wert von über einer Milliarde wechseln den Besitzer
Laut Datainvex entfielen allein 202,9 Millionen Euro der Gesamtinvestitionen des vergangenen Jahres auf „Hotels und ähnliche Beherbergungsbetriebe“. Die Beratungsfirma Colliers bezifferte in ihrem Jahresbericht zur Hotelinvestition das Transaktionsvolumen auf den Kanaren sogar auf 1.039 Millionen Euro, verteilt auf 17 Deals. Damit führen die Inseln bereits das dritte Jahr in Folge das nationale Ranking an und vereinen fast ein Viertel (24 Prozent) des gesamten spanischen Investitionsvolumens im Bereich touristischer Immobilien. „Wir erwarten, dass 2026 eine positive Dynamik beibehält“, prognostizierte Laura Hernando, Managing Director für Hotels bei Colliers, bei der Vorstellung des Berichts. Begründet wird dies mit der „attraktiven Rentabilität im Vergleich zu anderen Anlageformen“, die der Beherbergungssektor biete. Dieser starke Anstieg in der Region erfolgt in einem Umfeld, in dem die ausländischen Investitionen auf nationaler Ebene um 21,8 Prozent zurückgingen – der schlechteste Wert Spaniens seit der Pandemie, trotz der Anziehungskraft der EU-Fonds.
Wohnungsspekulation als neuer Anziehungspunkt
Auch die Spekulation mit Wohnraum lockt vermögende Anleger auf der Suche nach Rendite an. Die sich verschärfende Wohnungsknappheit treibt die Mietpreise in den städtischen Zentren des gesamten Landes in die Höhe. Auf den Kanarischen Inseln wurde offiziell die Wohnraumnotlage ausgerufen. Der Tourismus bleibt jedoch der mit Abstand stabilste und erklärungsmächtigste Faktor für das Wachstum der Auslandsinvestitionen im vergangenen Jahr – während in ganz Spanien ein Rückgang von über 20 Prozent zu verzeichnen war. Sechs von zehn ausländischen Euro landeten auf den Inseln direkt im Tourismusgeschäft.
