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1.426 Zwangsräumungen: Nur jede zweite Familie erhielt Hilfe

Hilfe für nur jede zweite Familie

Die kanarische Wohnungsbaukrise zeigt erschreckende Ausmaße: Die Regionalregierung (Koalition aus Coalición Canaria und PP) kümmerte sich im vergangenen Jahr um weniger als die Hälfte aller von Zwangsräumungen betroffenen Familien. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums für öffentliche Bauten, Wohnungswesen und Mobilität auf eine Anfrage der sozialistischen Abgeordneten Patricia Hernández hervor.

Zahlen der Wohnungskatastrophe

Das Programm „Canarias ProHogar“ bearbeitete im Jahr 2025 insgesamt 671 Anträge betroffener Familien – 351 in der Provinz Las Palmas und 320 in Santa Cruz de Tenerife. Im gleichen Zeitraum wurden auf dem Archipel jedoch 1.426 Zwangsräumungen vollstreckt, wie aus Daten des Generalrats der Justizgewalt (CGPJ) hervorgeht. Besonders alarmierend: Die Räumungen erfolgten, während der staatliche soziale Schutzschirm gegen Zwangsräumungen noch in Kraft war. Von den 1.426 Fällen waren 1.129 auf Zahlungsunfähigkeit bei Mietverträgen zurückzuführen, 224 betrafen Zwangsvollstreckungen von Hypotheken.

Das Hilfsprogramm im Detail

Hernández hatte konkret nach der Zahl der Familien gefragt, die von den regionalen Sozialdiensten im Zusammenhang mit Räumungsverfahren betreut wurden. Die Antwort des Ministeriums verweist auf das Kanarische Wohnungsinstitut (Instituto Canario de la Vivienda), das für den sozialen Wohnungsbau zuständig ist. Zwar gehöre dieses Institut nicht zu den sozialen Diensten, betreibe aber das Programm „Canarias ProHogar“ – verankert in der Achse 3 des Wohnungsbauplans 2020-2025 und umgesetzt durch die Abteilung für Schlichtung bei Räumungen.

Das Ziel des Programms ist es, Familien, die von einer Räumung bedroht oder bereits betroffen sind, umfassend zu unterstützen – insbesondere jene in sozioökonomischer Notlage ohne Zugang zu Wohnraum. Die Maßnahmen umfassen Beratung und Vermittlung, um den Verlust der Wohnung zu verhindern oder, falls dies nicht möglich ist, alternative Wohnlösungen zu finden. Dabei soll keine Räumung ohne vorheriges Eingreifen der öffentlichen Verwaltung erfolgen. Das Programm setzt auf Koordination aller kanarischen Behörden im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten.

Bürokratie als Hindernis

Nach Eröffnung eines Verfahrens beginnt eine individuelle Prüfphase, in der festgestellt wird, ob die Familie die Aufnahmekriterien erfüllt. Bei positivem Bescheid folgt eine zweite Phase mit konkreten Maßnahmen: Beratung, Vermittlung von Hilfsangeboten, Anträge auf vorläufige Aussetzung der Räumung bei Gerichten, Verhandlungen mit Banken, Beantragung von Vertragsverlängerungen, Prüfung von Sozialmietangeboten, Informationen über Mietzuschüsse und – falls verfügbar – das Angebot vorübergehender Alternativunterkünfte.

„Unerträgliche Welle“

Die Antwort des Wohnungsbauministeriums kommt inmitten einer dramatischen Wohnungsnot auf den Kanaren, die bereits zu zahlreichen Protesten geführt hat. Die Demonstranten fordern wirksame Maßnahmen zur Sicherung des Grundrechts auf Wohnraum. Isabel Saavedra, Anwältin der Initiative „Recht auf Dach“, erklärte bei einer Kundgebung: „Wir erleben eine Welle seit dem Wegfall des sozialen Schutzes, die schlichtweg unerträglich ist. Früher konnten sich Richter auf das Dekret zur Aussetzung von Räumungsverfahren stützen, aber seit dieses Dekret gefallen ist, haben sie keine Handhabe mehr und werfen schutzbedürftige Familien auf die Straße.“

Verzögerungen bei Sozialberichten, mangelnde Information und lähmende Bürokratie führen dazu, dass viele Betroffene in einer Grauzone verschwinden. Die Kammer für Sozialarbeit von Las Palmas warnte bereits im Vorjahr, dass die neuen Sozialleistungen zu einem explosionsartigen Anstieg der Anträge auf solche Berichte geführt hätten. Sie fordert dringend spezialisierte Teams zur Erstellung dieser Dokumente. Der Kompetenzstreit zwischen verschiedenen Verwaltungsebenen gefährdet zudem grundlegende Hilfen für die Bürger.

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