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Kanaren überholen Katalonien: Shopping-Tourismus auf Rekordniveau

Qualität statt Masse: Das neue Leitbild

Die Kanarischen Inseln setzen zunehmend auf Qualität statt Quantität. Das touristische Modell zielt darauf ab, die Infrastruktur und Dienstleistungen so zu verbessern, dass der Beitrag zur Wirtschaft der Inseln – im vergangenen Jahr satte 23 Milliarden Euro – nicht mehr allein von der schieren Masse der Besucher abhängt. 2025 kamen rund 17 Millionen Urlauber. Das Ziel: die wirtschaftliche Wirkung weiter steigern, aber mit weniger Überfüllung. In diesem Wandel spielt der Einzelhandel eine Schlüsselrolle, um den Tourismussektor zu diversifizieren. Die Urlauber greifen nicht nur für Unterkunft und Gastronomie tief in die Tasche, sondern auch für Freizeitaktivitäten und Einkäufe von Kleidung, Accessoires, Parfüm und Elektronik.

Ein neuer Spitzenreiter im Shopping-Tourismus

Der Stellenwert des Einkaufstourismus ist so hoch, dass der Archipel Katalonien als die autonome Gemeinschaft mit den höchsten touristischen Ausgaben für nicht-essenzielle Güter abgelöst hat. Das geht aus dem aktuellen Bericht „El Comercio Textil en Cifras 2025“ (Der Textilhandel in Zahlen 2025) des nationalen Verbandes für Textilhandel, Accessoires und Lederwaren (Acotex) hervor. José María Mañaricúa, Präsident des Unternehmerverbandes für Gastgewerbe und Tourismus von Las Palmas, betont, dass die Touristenausgaben „sich positiv auf alle Wirtschaftsbereiche auswirken“. Der Handel sei ein Paradebeispiel dafür, wie der Tourismus andere Branchen mitzieht. „Der Tourist, der auf die Kanaren kommt, geht in Restaurants, nimmt Taxis, besucht Einkaufszentren, kauft Kleidung und alle möglichen Accessoires“, so Mañaricúa.

Dass Urlauber Geld über ihre Flug- und Hotelkosten hinaus ausgeben, ist nicht neu. Bemerkenswert an dem Bericht ist jedoch, dass die Kanaren ihren prozentualen Anteil am touristischen Gesamtausgaben im Vergleich zum Vorjahr halten konnten, während Katalonien um einen Prozentpunkt einbrach. Die Daten der Acotex-Studie zeigen, dass die Ausgaben der Besucher in Spanien im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um 7 Prozent auf insgesamt 134,743 Milliarden Euro gestiegen sind. Damit setzt sich der Aufwärtstrend fort, der nach der Pandemie begann. Die Summe liegt mittlerweile um mehr als 42,8 Milliarden Euro über dem Wert von 91,912 Milliarden Euro, der verzeichnet wurde, bevor die COVID-19-Pandemie die Tourismusaktivität schlagartig zum Erliegen brachte.

Parfüm als Umsatzbringer Nummer eins

Mit 18 Prozent konzentrierten die Kanarischen Inseln den höchsten Anteil aller touristischen Nicht-Lebensmittel-Ausgaben in Spanien auf sich – der gleiche Wert wie im Vorjahr. Damit liegen sie gleichauf mit Katalonien, das jedoch einen Rückgang von einem Prozentpunkt hinnehmen musste. Diese Zahl ist besonders aussagekräftig, wenn man bedenkt, dass Katalonien im vergangenen Jahr über 20 Millionen Besucher empfing und über eine starke Handelsstruktur verfügt. Dennoch haben die Inseln ihre touristische Führungsposition im Bereich dieser Ausgaben gefestigt. Dahinter folgen die Balearen (16 Prozent), Andalusien (15 Prozent), Madrid (13 Prozent), Valencia (12 Prozent) und die übrigen Regionen mit insgesamt 8 Prozent.

Die Studie zeigt, dass die größten touristischen Ausgaben mit 87 Prozent im Bereich Mode und Accessoires getätigt werden. Mit großem Abstand folgen Kultur (7 Prozent), Schmuck (3 Prozent), Elektronik (2 Prozent) sowie Parfümerie und sonstige Produkte (1 Prozent). Auf dem Archipel sieht die Lage jedoch anders aus, wie Abbas Moujir, Präsident des Verbandes der Urbanen Zonen der Kanaren (Fauca), anmerkt: „Parfüm ist das am meisten nachgefragte Produkt. Das sehen wir nicht nur in den Touristengebieten, sondern beispielsweise auch, wenn die Kreuzfahrtschiffe anlegen.“ Der Archipel hat historisch gesehen einen Ruf als Reiseziel, in dem bestimmte Produkte – wie Parfüms, Kosmetik, Elektronik oder Tabak – aufgrund der unterschiedlichen Steuergesetzgebung günstiger erworben werden können. Insbesondere der Verkauf von Düften funktioniert weiterhin als einer der Hauptanziehungspunkte für Touristen, begünstigt durch die einfache Transportmöglichkeit, ihre Eignung als Geschenk und die Präsenz bekannter Marken.

Wolken am Horizont: Geopolitische Risiken dämpfen die Kauflaune

Trotz der Spitzenposition im Ranking zeichnet sich in den ersten Monaten des Jahres bereits eine Verlangsamung der Verkäufe auf dem gesamten Archipel ab, insbesondere in den Touristengebieten. Abbas Moujir führt dies auf „einen möglichen Rückgang der Ausgaben am Urlaubsort“ zurück. Der Grund: Die aktuelle geopolitische Lage zeichnet ein globales Szenario, das Öl und Kerosin erneut verteuert hat, mit direkten Auswirkungen auf den Luftverkehr. In einer Region wie den Kanaren, die stark von der Luftanbindung und dem Touristenstrom abhängig sind, könnte der Anstieg der Ticketpreise letztlich die Besucherzahlen reduzieren oder deren Konsumverhalten verändern. Das bedeutet: Auch wenn der Tourist zu Hause bereits hohe Ausgaben tätigt – etwa für teurere Flüge oder hochwertigere Unterkünfte –, fließt dieses Geld nicht zwangsläufig in den Einzelhandel vor Ort, die Gastronomie oder das Rahmenprogramm. Daher beobachtet der Handelssektor mit Sorge, wie die internationale Unsicherheit eine der Säulen angreifen könnte, die bisher die Führungsrolle der Kanaren im touristischen Shopping erklärte.

„Vielleicht weichen die Touristen auf näher gelegene Reiseziele aus, wodurch die Kosten geringer sind“, fügt der Experte hinzu. „Alles wird davon abhängen, wie sich die Situation entwickelt, von den regionalen Konflikten und vor allem von dem, was im Nahen Osten passiert“, so Moujir. In Ländern wie Deutschland trüben die Spannungen in der Region, die steigenden Energiepreise, der Mangel an Strukturreformen und das Fehlen einer klaren Strategie zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit die Wachstumsaussichten. Für die Kanaren ist dies kein geringes Problem, denn der deutsche Markt ist neben dem britischen einer der unverzichtbaren Quellmärkte für den Tourismus auf den Inseln. Der Zusammenhang ist direkt: Je geringer die finanzielle Leistungsfähigkeit der Besucher, desto geringer ist auch ihr Spielraum für Ausgaben während des Urlaubs.

Die Käuferprofile: Briten und Deutsche dominieren vor Ort

Die Studie des nationalen Verbandes für Textilhandel, Accessoires und Lederwaren hat auch die Nationalität der Käufer unter die Lupe genommen. In ganz Spanien führen US-Amerikaner (27 Prozent), Mexikaner (23 Prozent) und Argentinier (15 Prozent) das Ranking an. Auf den Kanaren ist jedoch ein anderes Profil zu erwarten, das von Briten und Deutschen dominiert wird, da diese beiden Märkte im vergangenen Jahr 50,7 Prozent der Touristen stellten, die den Archipel besuchten.

Die Kehrseite der Medaille: Wenig Kaufkraft der Einheimischen

Darüber hinaus zeigt sich auf den Kanaren eine zweigeteilte Realität im Handelssektor. Die Inseln sind landesweit führend bei den Ausgaben, die mit dem touristischen Shopping verbunden sind, angetrieben durch die Bedeutung ausländischer und nationaler Besucher für die Inselwirtschaft. Diese Stärke steht jedoch im krassen Gegensatz zu den geringen Ausgaben der einheimischen Bevölkerung im lokalen Einzelhandel. Tatsächlich sind die durchschnittlichen Jahresausgaben der Kanaren in diesem Bereich mit durchschnittlich 241,59 Euro die zweitniedrigsten in ganz Spanien – nur die Balearen liegen noch darunter. Das niedrige Einkommen der Bewohner der Kanarischen Inseln ist die Hauptursache für diese große Diskrepanz.

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