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Kanaren und Marokko: Neue Wirtschafts-Partnerschaft nimmt Form an

Gegenbesuch mit konkreten Zielen

Drei Monate nachdem eine institutionelle und wirtschaftliche Delegation der Kanaren ihre intensive Arbeitsagenda in Agadir mit der Unterzeichnung von mehr als einem Dutzend Abkommen und dem Bekenntnis zu einer neuen Ära der Zusammenarbeit mit Marokko abgeschlossen hatte, kehren die damals angebahnten Gespräche nun auf das Archipel zurück – diesmal mit dem Ziel, Projekte zu konkretisieren. Der offizielle Besuch, der an diesem Montag mit institutionellen Treffen auf den Kanaren beginnt und von Karim Achengli, dem Präsidenten des Regionalrats von Souss Massa, angeführt wird, stellt die direkte Fortsetzung jener Mission dar. Es geht darum, die eingegangenen Verpflichtungen in greifbare Ergebnisse zu verwandeln.

Von Agadir nach Santa Cruz: Eine Brücke des Wirtschaftsaufschwungs

Die Reise nach Agadir im Januar war die bislang größte von den Kanaren organisierte institutionelle und wirtschaftliche Mission in dieser marokkanischen Region. Sie endete mit einer klaren Botschaft des Regionalpräsidenten Fernando Clavijo: Der Archipel müsse das Wirtschaftswachstum des Nachbarlandes nutzen und das vermeiden, was er als „absurden Isolationismus“ bezeichnete. Dieser Besuch ermöglichte die Unterzeichnung von zehn Kooperationsabkommen und einer Absichtserklärung in Bereichen wie Tourismus, Landwirtschaft, Industrie, Logistik und Schiffsreparatur. Darüber hinaus wurden Kontakte in Sektoren geknüpft, die für beide Seiten als strategisch gelten.

Nun, bis zum 29. April, erwidern mehr als fünfzig institutionelle, wirtschaftliche, akademische und sportliche Vertreter der marokkanischen Region den Besuch auf den Kanaren. Ihre Agenda ist darauf ausgerichtet, die im Januar geleistete Arbeit fortzuführen. Die Gespräche beginnen offiziell an diesem Montag mit einem bilateralen Treffen zwischen Clavijo und Achengli, gefolgt von einer Plenarsitzung, in der die Entwicklung der unterzeichneten Abkommen und neue Kooperationslinien erörtert werden.

Strategische Partnerschaft statt Konkurrenzdenken

Der Besuch ist Teil der Strategie der kanarischen Regionalregierung, eine stabile und langfristige Beziehung mit den Nachbargebieten des atlantischen Afrikas zu festigen, die auf institutioneller Zusammenarbeit, wirtschaftlicher Entwicklung und gemeinsamen Chancen basiert. Bereits während der Reise im Januar hatten sowohl die Regionalregierung als auch die kanarischen Unternehmer die Notwendigkeit betont, das Wirtschaftswachstum Marokkos als Chance und nicht als Bedrohung zu sehen. Pedro Ortega, Präsident des Kanarischen Unternehmerverbandes, unterstrich damals, dass die Inseln sich nicht einem nahen und expandierenden Markt verschließen dürften. Er betonte, dass es unerlässlich sei, die Konkurrenz zu kennen und direkte Beziehungen aufzubauen, um reale Geschäftsmöglichkeiten zu identifizieren.

Dieser Ansatz leitet nun die geplante Arbeitsagenda auf den Kanaren, bei der B2B-Wirtschaftstreffen zwischen Unternehmen beider Gebiete eine herausragende Rolle spielen werden. Diese Treffen sind als Instrument konzipiert, um konkrete Investitionsprojekte zu identifizieren und einen stabilen Raum für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten des Atlantiks zu festigen.

Hightech und Häfen: Wo die Zukunft Gestalt annimmt

Die marokkanische Delegation wird zudem strategische Infrastrukturen des kanarischen Wirtschaftsmodells besichtigen, darunter den Hafen von Las Palmas, das Technologische Institut der Kanaren sowie verschiedene Einrichtungen im Bereich Wasserwirtschaft, Innovation, Tourismus, der Primärproduktion und der Universitäten. Ziel dieser Besuche ist der Erfahrungsaustausch und die Förderung gemeinsamer Projekte in der blauen Wirtschaft, der Nachhaltigkeit, der Digitalisierung und der Ausbildung. Die öffentlichen Universitäten der Kanaren werden in diesem Prozess wieder eine wichtige Rolle spielen, ganz im Sinne des Ausbaus der akademischen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit als einer der Säulen der Strategie Kanaren–Afrika.

Die Zusammenarbeit in der Forschung, die Mobilität von Talenten und der Wissenstransfer gehören zu den gemeinsamen Prioritäten, ebenso wie die Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen wie der Energiewende oder der Bewirtschaftung von Wasserressourcen.

WM 2030 und gemeinsame Urlaubspakete: Neue Horizonte für Tourismus und Sport

Die Agenda umfasst auch Treffen im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft 2030, die Spanien, Marokko und Portugal gemeinsam ausrichten werden. Dies eröffnet neue Kooperationsmöglichkeiten im Sportbereich und bei der internationalen Vermarktung beider Gebiete, mit möglichen Investitionen und der Anwerbung von Talenten.

Im Tourismussektor, einem der Hauptschwerpunkte der Januarmission, geht es um die Möglichkeit, Investitionsprojekte für die Wiederbelebung von Hotelbetrieben zu generieren, die nach der Pandemie in der marokkanischen Region brachlagen, sowie um die Entwicklung neuer Anlagen in Gebieten mit verfügbaren Grundstücken. Auch die Schaffung kombinierter Tourismusprodukte zwischen den Kanaren und Souss Massa steht auf dem Plan – ein Modell, das die Angebote diversifizieren und neue internationale Märkte erschließen soll.

Bessere Verbindungen über das Meer und durch die Luft

Im Bereich Verkehr haben die bisherigen Kontakte die Tür für Projekte zur Verbesserung der See- und Luftverkehrsanbindung zwischen den Kanaren und Agadir geöffnet. Ziel ist es, den Handelsaustausch zu erleichtern, den Tourismus zu stärken und die Wirtschaftstätigkeit zwischen beiden Gebieten zu unterstützen.

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