Kanaren planen eigene Satelliten-Konstellation „Magec“
In nur vier Jahren wollen die Kanarischen Inseln ihre eigene Satelliten-Konstellation für Kommunikation ins All schicken. Sie wird zwar deutlich weniger Satelliten umfassen als beispielsweise das Starlink-Netzwerk des Milliardärs Elon Musk, dafür verfolgt sie ein noch ambitionierteres Ziel. Insgesamt 264 kleine Kommunikationsknoten sollen starten und den guanchischen Namen des kanarischen Sonnengottes tragen: Magec. Im Gegensatz zu globalen Internetprojekten liegt der Fokus dieser Konstellation jedoch auf Sicherheit.
Sichere Kommunikation für kritische Dienste
Dies ist das Hauptziel des Projekts des Unternehmens CanarySat, das in der Sonderwirtschaftszone der Kanaren (Zona Especial Canaria, ZEC) ansässig ist und für den Betrieb der Konstellation verantwortlich sein wird. „Unser Ziel ist es, ein sicheres, widerstandsfähiges und für kritische Dienste konzipiertes Kommunikationsnetz aus dem Weltraum aufzubauen“, erklärt Antonio Abad, Geschäftsführer von CanarySat. Das bedeutet, dass Magec nicht nur Internetabdeckung und Konnektivität bieten, sondern auch garantieren soll, dass „Regierungen, kritische Infrastrukturen oder Rettungsdienste auch in komplexen Situationen operieren können“.
Ein strategischer Schritt für souveräne Kommunikation
„Dieser Start stellt einen entscheidenden Schritt hin zu einer sicheren und souveränen Kommunikationsinfrastruktur im Weltraum dar, die in der Lage ist, aktuelle und zukünftige Herausforderungen im Bereich der kritischen Konnektivität zu bewältigen“, erklärte Abad auf der internationalen Messe Satellite Show 2026, die diese Woche in Washington, USA, stattfand. Die Satelliten werden in einer niedrigen Umlaufbahn (LEO) positioniert und sind nicht klein, sondern haben eher eine „mittlere Größe“. Jeder wiegt etwa 300 Kilogramm – so viel wie ein großes Motorrad oder ein Klavier. „Sie sind darauf optimiert, echte Kapazität zu bieten und sich gleichzeitig effizient einsetzen zu lassen“, betont Abad.
Globale Abdeckung und Minimierung von Weltraummüll
Die Satelliten werden in 12 orbitalen Ebenen in einer Höhe von 900 Kilometern operieren und so eine globale Abdeckung mit hoher Verfügbarkeit bieten. Jeder Satellit der Konstellation ist mit einer aktiven Kommunikationsantenne und Verbindungen zu anderen Satelliten (Intersatellite Links) ausgestattet, um ein sicheres und robustes Netz zu schaffen. Aufgrund ihrer Operationshöhe ist die Vermeidung von Lichtverschmutzung und Weltraummüll ein Hauptanliegen des Unternehmens. „Wir sind in einer niedrigen Umlaufbahn, was es ermöglicht, die Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer kontrolliert zu entsorgen“, so der Geschäftsführer. Um die Kapazität pro Satellit zu maximieren und weniger Einheiten zu benötigen, werden zudem „Kontroll- und Betriebssysteme integriert, die das Kollisionsrisiko minimieren und internationale Standards zur Reduzierung von Weltraumschrott einhalten“.
Vielseitige und geschützte Dienste
Die Magec-Konstellation wird eine breite Palette sicherer Kommunikationsdienste anbieten. Dazu gehören widerstandsfähige Konnektivität während Katastrophen, sichere Verbindungen zwischen 5G-Zellen, hochgeschwindigkeits Punkt-zu-Punkt-Kommunikation für alle Arten mobiler Plattformen sowie geschützte Konnektivität, die die Operationsfähigkeit in kritischen Umgebungen mit hoher Nachfrage garantiert.
Zeitplan: Erste Starts ab 2028 geplant
Die Magec-Konstellation befindet sich derzeit in der Konstruktionsphase. Die ersten Demonstrationsmissionen könnten ab 2028 starten, mit einem schrittweisen Aufbau des Netzes zwischen 2029 und 2030. „Dann wird das System voll operativ sein“, so die Planung. Mit dem Start dieser Konstellation werden die Kanarischen Inseln zu einem „strategischen Knotenpunkt“ der Kommunikation zwischen Europa, Afrika und Amerika. „Es wird nicht nur die Konnektivität der Inseln verbessern, sondern auch Investitionen, Fachkräfte und industrielle Aktivitäten anziehen und hochwertige Arbeitsplätze schaffen.“
Teneriffas Teleport als Herzstück des Systems
Für diesen Zweck ist die Satelliten-Bodenstation (Teleport) von entscheidender Bedeutung, die der Inselrat von Teneriffa (Cabildo) durch das Technologische Institut für Erneuerbare Energien (ITER) zusammen mit dem Unternehmen Arquimea aufbaut. „Es ist nicht nur eine unterstützende Infrastruktur, es ist ein zentraler Bestandteil des Systems“, insistiert Abad. Die Anlage werde es ermöglichen, „Satelliten zu betreiben, Daten zu verarbeiten und von den Kanaren aus Dienstleistungen für den Rest der Welt anzubieten – sowohl für unsere eigene Magec-Konstellation als auch für die anderer Betreiber“. Dies positioniere den Archipel, so Abad abschließend, „nicht nur als Nutzer, sondern als einen aktiven Teil der globalen Kommunikationsinfrastruktur“.

