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Wohnungskrise: Obdachlosigkeit in Arona erreicht Rekordniveau

Dramatische Zahlen aus dem Süden Teneriffas

Die Wohnungskrise erreicht nun auch das touristische Herz Teneriffas mit voller Härte. Wie eine neue Studie von Cáritas im Auftrag der Gemeinde Arona zeigt, ist die Touristenhochburg im Süden der Insel zum zweitgrößten Brennpunkt für Wohnungslosigkeit nach Santa Cruz geworden. Die am Dienstag vorgestellte Untersuchung spricht von 35 betroffenen Menschen pro 10.000 Einwohnern – bei einer Gesamtbevölkerung von 86.624 Einwohnern. Die Autoren bezeichnen diese Zahl selbst als „konservativ“.

307 bis 885 Betroffene – je nach Zählweise

Bereits seit 2021 gehört Arona zu den fünf Gemeinden Teneriffas mit den meisten Obdachlosenfällen, in drei dieser fünf Jahre belegte die Gemeinde sogar den zweiten Platz. Der 135-seitige Bericht, der als Grundlage für einen zukünftigen strategischen Plan gegen Wohnungslosigkeit dienen soll, ermittelte für den Zeitraum 2024 bis 2025 insgesamt 307 erfasste Personen. Cáritas räumt jedoch ein, dass diese Zahl durch die begrenzten Kapazitäten bei der Erfassung und Begleitung nach oben korrigiert werden muss. Schätzungen für informelle Siedlungen ergeben eine Spanne von 470 bis 885 Betroffenen.

Weit mehr als nur Schlafen auf der Straße

Die Studie weitet den Begriff der Wohnungslosigkeit bewusst aus. Erfasst werden nicht nur Menschen, die auf der Straße schlafen, sondern auch jene, die in Fahrzeugen, Wohnwagen, Hütten, provisorischen Behausungen, verlassenen Gebäuden oder in notdürftigen Unterkünften ohne rechtliche Absicherung und ohne Mindeststandards leben müssen.

Der paradoxe Widerspruch: Tourismusboom gegen Wohnungsnot

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Auf der einen Seite das pulsierende, wirtschaftsstarke Arona mit seinen Stränden, Hotels und unzähligen Jobmöglichkeiten, auf der anderen Seite eine immer drückendere Wohnungsnot. Der Bericht diagnostiziert nicht, dass der Tourismus an sich die Obdachlosigkeit verursacht. Vielmehr sei es das Wohnungsmodell einer Touristenhochburg, das den Spielraum für Menschen mit instabilen Jobs, geringem Einkommen oder schwachen familiären Netzen drastisch verkleinert.

50.000 Wohnungen – aber viele sind zweckentfremdet

Die Zahlen des Cáritas-Berichts sind in diesem Punkt eindeutig: Von den rund 50.000 Wohnungen in Arona sind nur 30.000 Hauptwohnsitze. 12.500 werden als Zweit- oder Ferienwohnungen genutzt, und ganze 7.500 sind offiziell als Ferienvermietungen registriert. Die Mietpreise für Dauerwohnungen sind seit 2015 um alarmierende 40 Prozent gestiegen – von 12 auf 15 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2023, mit Spitzenwerten von bis zu 18 Euro in touristischen Zonen.

Mieten außer Kontrolle – Gehälter stagnieren

Die Studie stellt diese Mietpreisexplosion dem Durchschnittsgehalt eines Kanaren gegenüber: rund 1.300 Euro netto im Monat. Das Fazit ist eindeutig: „Die Miete ist für einen Teil der Bevölkerung unerschwinglich.“ Die Folge: Arbeiter, Familien und junge Menschen werden in die umliegenden Gemeinden abgedrängt. Wer im Tourismus arbeitet, kann oft nicht mehr in der Nähe seines Arbeitsplatzes wohnen.

Hauptursache: Armut ohne soziales Netz

Fast 80 Prozent der Befragten erhalten keinerlei staatliche Hilfe, Subventionen oder Rente. Die wenigen, die Unterstützung bekommen, müssen mit durchschnittlich weniger als 490 Euro im Monat auskommen. Hinzu kommen gesundheitliche Probleme, die den Abstieg beschleunigen: chronische Krankheiten, unbehandelte psychische Erkrankungen, Sucht, Mehrfachdiagnosen und Behinderungen. Diese Probleme werden durch die Unmöglichkeit, Behandlungen fortzusetzen, die Hygiene aufrechtzuerhalten, Medikamente zu lagern oder Arzttermine einzuhalten, noch verschärft.

Stimmen der Betroffenen: „Wie ein Sklave“

Der Bericht von Cáritas enthält zahlreiche direkte Zitate der Befragten, die unter dem Titel „Worte des Lebens“ zusammengefasst sind. Ein 39-jähriger Mann, der seit drei Jahren auf der Straße lebt, berichtet: „Ich konnte immer als Koch arbeiten, aber ohne Vertrag, nur für ein paar Tage… und wenn mir einer einen Vertrag anbot, war es Schrott, nur für wenige Stunden, und dann musste ich viel länger arbeiten, als vereinbart, wie ein Sklave.“ Diese Stimmen zeigen die ganze Bandbreite der Schicksale, die die Wohnungskrise in Arona produziert.

Krisenherde: Von Los Cristianos bis Costa del Silencio

Die höchste Dichte an Obdachlosen verzeichnet der Ortsteil Los Cristianos mit 71 bis 100 Betroffenen. Weitere Brennpunkte wie Valle San Lorenzo, La Estrella, El Fraile, Las Rosas, Las Galletas und Costa del Silencio kommen auf 51 bis 70 Fälle. In Playa de Las Américas, Cho, Cabo Blanco und Buzanada sind es zwischen 31 und 50, während Arona Centro, Chayofa, Palm-Mar, Guaza und Guargacho mit 1 bis 10 Fällen vergleichsweise glimpflich davonkommen. Der Bericht enthält eine detaillierte Karte, die eine erste Annäherung an die tatsächliche Lage in den informellen Siedlungen ermöglicht.

Ausblick: Mehr als nur Hilfe – ein ganzheitlicher Ansatz ist nötig

Das geplante strategische Konzept der Gemeinde Arona soll sich nicht nur auf die akute Nothilfe konzentrieren. Es setzt auf mehrere Säulen: Wohnraum, Prävention, soziale Begleitung, eine bessere Verzahnung von Sozial- und Gesundheitsdiensten, Beschäftigungsförderung und den tatsächlichen Zugang zu Grundrechten. Die Grundlage dafür ist mit dieser detaillierten Studie gelegt – die Herausforderung wird nun sein, die Erkenntnisse in die Tat umzusetzen.

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