Ein Jahr nach der Wiedereröffnung: Neue Zweifel an der Wasserqualität
Kurz vor dem ersten Jahrestag der Wiedereröffnung des Playa Jardín in Puerto de la Cruz bringt die Bürgerinitiative „Stop Vertidos al Mar“ (Stoppt die Meeresverschmutzung) die ungeklärte Situation der Abwasserinfrastruktur erneut in die öffentliche Debatte. Der Strand war nach dem Fund massiver fäkaler Verunreinigungen fast ein Jahr lang gesperrt und wurde am 17. Juni 2025 wieder zum Baden freigegeben. Ein Jahr später, so die Organisation, seien die grundlegenden Probleme jedoch noch immer nicht gelöst. Die Küste sei zwar wieder für die Öffentlichkeit zugänglich, doch es blieben erhebliche Zweifel, ob die versprochenen Bauarbeiten tatsächlich abgeschlossen seien und die dauerhafte Lösung des Abwasserproblems wirklich gewährleistet sei.
Versprochene Sanierungen: Vieles liegt auf Eis
Wie die Plattform unserer Redaktion mitteilte, sei der Großteil der strukturellen Maßnahmen, die eine nachhaltige Behebung des Problems sicherstellen sollten, entweder noch nicht begonnen, massiv verspätet oder intransparent. Zu den wichtigsten Punkten zählen:
- die Drittreinigung der Kläranlage (EDAR)
- der Ausbau der regionalen Kläranlage
- die Sanierung des Unterwasser-Abwasserrohrs von Punta Brava
- der Bau von ergänzenden Sickerschächten
- die Legalisierung der Pumpstationen (EBAR)
- die umfassende Erneuerung des Kanalnetzes im Stadtteil Punta Brava
Zudem verlangt die Bürgerinitiative mehr Transparenz bei den Wasserqualitätskontrollen und den tatsächlichen Betriebszuständen der Anlagen. „Es ist ein großer Unterschied, ob man einen Notfall entschärft oder das Problem an der Wurzel packt“, beklagt die Organisation.
Die Drittreinigung: Ein Pilotprojekt mit vielen Fragezeichen
Der Inselrat von Teneriffa (Cabildo) und BALTEN, die öffentliche Gesellschaft für landwirtschaftliche Bewässerung, hatten den Bau einer Drittreinigungsstufe für die regionale Kläranlage vorangetrieben. Diese Anlage, die seit den 1990er Jahren geplant, aber nie realisiert wurde, sollte im Jahr 2025 in Betrieb gehen. Die Drittreinigung ist eine zusätzliche Filtrationsstufe, die das bereits gereinigte Wasser noch weiter aufbereitet, um es für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Ziel war es, das Wasser in das Becken von La Cruz Santa zu pumpen, um die Felder in Los Realejos und dem restlichen Tal zu bewässern.
Obwohl die Anlage 2025 installiert wurde, kündigte der Cabildo an, sie erst ab Mai im Teillastbetrieb und ab Juni zu 100 Prozent in Betrieb zu nehmen. Die technischen Unterlagen von BALTEN zeigen jedoch ein anderes Bild: Der Betrieb startete lediglich im Probebetrieb, und das Projekt erlebte mehrere Fristverlängerungen. Ursprünglich war die Fertigstellung für den 1. Juni 2025 geplant, dann auf den 1. Oktober 2025 und schließlich auf den 1. März 2026 verschoben – hauptsächlich aufgrund von Lieferverzögerungen bei den Mittelspannungszellen.
Laut diesem Bericht begann der Testbetrieb zur Förderung des Wassers nach La Cruz Santa am 2. Juni des vergangenen Jahres, und die erste durchgehende Förderung erfolgte erst am 10. Juni, mitten in einer noch laufenden Einrichtungsphase. Zwar seien bis heute 93.008 Kubikmeter in das Becken gepumpt worden, doch die Initiativgruppe bezweifelt, dass das angekündigte Ziel als erfüllt gelten kann, solange das Netz nur im Testbetrieb laufe und nicht vollständig stabil sei.
Nur ein Drittel des Wassers wird behandelt
Die offiziellen Daten der Inselverwaltung für den Primärsektor zeigen, dass das System derzeit nur etwa 7.000 Kubikmeter pro Tag behandeln kann. Das entspricht lediglich einem Drittel der täglichen Gesamtmenge, die in der Kläranlage ankommt (geschätzte 20.000 Kubikmeter). Die restlichen 13.000 Kubikmeter pro Tag werden ohne die notwendige Drittreinigung eingeleitet. Da dieses Wasser nicht die gesetzlich geforderte Qualität für die landwirtschaftliche Bewässerung erreicht, kann es nicht genutzt werden und wird ungenutzt ins Meer geleitet.
Ausbau der Kläranlage: Noch Jahre entfernt
Was den Ausbau der regionalen Kläranlage angeht, so versichert der Cabildo, dass die Bauarbeiten mit einem Investitionsvolumen von knapp 21 Millionen Euro bereits begonnen hätten, nachdem die Einmessungsurkunde vor etwa einem Monat unterzeichnet wurde. Vor Ort sind jedoch weder Erdbewegungen noch andere Zeichen eines tatsächlichen Baubeginns zu sehen. Das Projekt, das ursprünglich als dringende Maßnahme angekündigt wurde, durchläuft nun das normale Ausschreibungsverfahren. Die Bauzeit beträgt 37 Monate, was eine Fertigstellung frühestens im Jahr 2028 bedeuten würde.
Für die Organisation offenbart diese Diskrepanz zwischen Verwaltungsfristen und Realität eine verdeckte Handlungsunfähigkeit. Sie warnt zudem: „Der Ausbau könnte von seiner Planung her bereits unzureichend sein, um das prognostizierte Wachstum aller Gemeinden des Tals zu bewältigen.“
Neue Hürden: Umweltverträglichkeitsprüfung verlängert den Prozess
Erschwerend kommt hinzu, dass der Insel-Wasserrat von Teneriffa am vergangenen Freitag, den 12. Juni, im Amtsblatt der Provinz die Eröffnung eines neuen Verfahrens zur öffentlichen Information und Anhörung im Rahmen der ordentlichen Umweltverträglichkeitsprüfung für den geplanten Ausbau der regionalen Kläranlage des Valle de La Orotava veröffentlichte. Die Behörde begründet dies mit der Einreichung neuer technischer Unterlagen, die eine erneute Prüfung eines Teils des Dossiers erforderlich machen. Dies zeigt, dass das Projekt noch immer in der verwaltungstechnischen und umweltrechtlichen Phase steckt.
Das Unterwasserrohr von Punta Brava: Auftrag vergeben, Baustelle leer
Der Austausch des Unterwasser-Abwasserrohrs von Punta Brava kommt ebenfalls nicht voran. Obwohl der Auftrag bereits vor einem Jahr vergeben wurde und die Bauzeit auf 16 Monate angesetzt war, gibt es keine Fortschritte. „Stop Vertidos“ betont, es handele sich um „eine vorrangige Maßnahme zur Gewährleistung der Umweltsicherheit der endgültigen Einleitung und zum Schutz der Küste“, doch „es gibt keine Arbeiten an der Rohrleitung“, und ein Jahr später „liegt das Projekt immer noch auf Eis“.
Der Cabildo entgegnet, der Auftrag sei an Ferrovial vergeben worden. Man habe bereits Hilfsarbeiten für über eine Million Euro für Sickerschächte durchgeführt. Die eigentlichen Arbeiten hätten jedoch noch nicht beginnen können, da es an einem geeigneten Wetterfenster fehle – ein besonders schwieriges Gebiet für Unterwasserarbeiten. In der Realität jedoch ist die entscheidende Infrastruktur zur Lösung des Abwasserproblems noch immer nicht realisiert.
Intransparenz bei Sickerschächten und Pumpstationen
Hinzu kommt, dass es keine öffentlichen Informationen über die geplanten ergänzenden Sickerschächte gibt. Diese sollen vorübergehend Abwässer oder teilweise gereinigtes Wasser in den Untergrund ableiten, um die Einleitung ins Meer zu reduzieren. Laut den Anwohnern fehlen „grundlegende Informationen wie das Design, der konkrete Zweck, die Kapazität, die Umweltkontrollen oder die Risikobewertung“.
Ebenso unbekannt ist der aktuelle Zustand der Pumpstationen (EBAR) von El Caletón, Playa Chica und Playa Jardín, die das Abwasser zur Kläranlage pumpen sollen. Zwischen 2023 und 2025 deckten verschiedene Bußgeldverfahren der Naturschutzbehörde, der Generaldirektion für öffentliche Gesundheit und der Umweltstaatsanwaltschaft auf, dass diese Stationen und ihre Notüberläufe illegal betrieben wurden. Technische Berichte dieser Behörden bestätigten, dass die Anlagen weder über die erforderlichen Umweltgenehmigungen noch über abgeschlossene Legalisierungsverfahren verfügten. Das bedeutet: Wenn die Pumpen versagten, gelangten ungeklärte Abwässer ohne die gesetzlich vorgeschriebene Genehmigung gemäß dem Küstengesetz ins Meer.
Alte Kanalisation in Punta Brava: Finanzierung in Gefahr
Schließlich gibt es noch immer keine Planungsunterlagen für die vollständige Erneuerung der alten Kanalisation in Punta Brava. Der Cabildo hatte zwar einen Zuschuss von fast einer Million Euro für die Arbeiten bewilligt, doch ohne diesen verwaltungstechnischen Schritt kann die Ausschreibung der Arbeiten nicht erfolgen. Diese Verzögerung verewigt nicht nur die Abwasserlecks ins Meer, sondern gefährdet auch die erhaltene Finanzierung, die verfallen könnte, wenn sie nicht rechtzeitig nachgewiesen wird.
Streit um Wasserqualität: „Offizielle Werte ≠ Problem gelöst“
Während die Stadtverwaltung weiterhin keine Antworten zu den Pumpstationen, der Kanalisation und den Sickerschächten gibt, prallen in Punta Brava Ankündigungen ohne Lösung aufeinander. Der Cabildo betont stets, „die Wasserqualität sei sowohl zum Baden als auch für die Regeneration hervorragend“. Die Plattform „Stop Vertidos“ kontert: „Die Tatsache, dass die Analysen innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen, bedeutet nicht, dass alle Probleme gelöst sind. Solange die Drittreinigung nicht mit voller Kapazität läuft, ist ein erheblicher Teil weiterhin auf die Desinfektion mit Natriumhypochlorit angewiesen.“
Die Anwendung von Chlor auf Abwässer mit hohem organischem Anteil kann die Bildung von Desinfektionsnebenprodukten begünstigen, darunter Trihalogenmethane und andere Halogenkohlenwasserstoffe. Diese Stoffe sind potenziell krebserregend und hochgiftig – sie stellen nicht nur ein langfristiges Gesundheitsrisiko für Badegäste dar, sondern verursachen auch schwere ökologische Schäden.
Fazit: Keine Entwarnung trotz grüner Flagge
Die Wiedereröffnung des Playa Jardín kann nicht als abgeschlossene Lösung betrachtet werden, solange die Schlüsselinfrastruktur weiterhin unvollständig, verspätet oder intransparent ist. Die Plattform „Stop Vertidos al Mar“ stellt klar: Es gab zwar kleine Fortschritte, doch die Zweifel am gesamten Abwasser- und Klärsystem sowie an der tatsächlichen Wasserqualität und ihren möglichen Nebenprodukten bleiben bestehen. Aus diesem Grund fordern sie öffentliche Informationen, aktualisierte Projektpläne und eine umfassende, endgültige Antwort, die sich nicht darauf beschränkt, das Baden zu erlauben, sondern den effektiven Schutz der Küste und eine strukturelle Schließung des Problems garantiert. Ihre Warnung ist eindeutig: „Dieses Problem ist noch nicht gelöst.“

