Exotischer Gast im Nationalpark
Der Pfau, der tagelang durch den Teide-Nationalpark auf Teneriffa spazierte, ist gefasst. Beamte der Umweltabteilung des Cabildo (Inselregierung) von Teneriffa gelang es, das Tier am Freitagmorgen einzufangen. Bereits am Donnerstag hatte ein Team für exotische Arten eine erste Suchaktion gestartet, die jedoch ohne Erfolg blieb.
Gefunden wurde der Vogel in der Nähe des Wanderwegs Nummer 15, der von der Degollada de Guajara zum Gipfel des Alto de Guajara führt. Mehrere Wandergruppen hatten Alarm geschlagen, weil sie den Pfau genau in dieser Gegend gesichtet hatten.
Scheuer Vogel bereitet Fangschwierigkeiten
Wie die Inselverwaltung einräumt, war die Gefangennahme keine leichte Aufgabe – der Pfau erwies sich als äußerst scheu. Trotz seiner Zurückhaltung befindet sich der ungewöhnliche Besucher nun in der Fundación Neotrópico, einer Einrichtung, die sich der Rettung, Rehabilitation und Pflege wilder und exotischer Tiere widmet.
Der Pfau, bekannt für seine imposante Schönheit, ist keine einheimische Art und gehört nicht zur Fauna des Nationalparks. In dieser vulkanischen Umgebung trifft man stattdessen häufiger auf Vögel wie den Teidefink, das Rebhuhn, den Turmfalken, den Wildkanarienvogel oder die Felsentaube.
Rätsel um die Herkunft
Wie das Tier in den Park gelangte, ist bislang unklar. Die Behörden vermuten, dass der Pfau entweder aus einem Gehege oder einer Zucht entkommen ist oder von jemandem absichtlich dorthin gebracht und ausgesetzt wurde. Jaime de Urioste, Präsident der Fundación Neotrópico, betont, dass es „sehr schwierig“ werde, die Herkunft des Vogels zu klären, falls er weder einen Fußring noch einen Mikrochip trägt.
„Obwohl es keine häufige Art ist, halten auf den Inseln viele Menschen Pfauen als Ziergeflügel“, erklärt er. Das Problem sei, dass viele nicht wüssten, dass diese Vögel weite Flüge unternehmen können. Wenn sie nicht kontrolliert würden, könnten sie entkommen und sich in Schluchten und anderen Naturräumen ansiedeln.
Keine Gefahr, aber spürbarer Einfluss
Obwohl der Pfau keine ernsthafte Bedrohung für das Schutzgebiet darstellt, könnte sein Einfluss dennoch spürbar sein. „Er wirkt sich negativ auf die natürliche Umgebung aus, weil seine Ernährung sehr vielfältig ist – er kann nicht nur die kanarische Flora oder Kulturpflanzen beeinträchtigen, sondern erbeutet auch kleine Wirbellose und sogar Wirbeltiere wie Eidechsen oder Glattechsen“, so De Urioste.
Die Stiftung ist es gewohnt, verschiedene Schildkrötenarten, Schlangen, Leguane, Vogelspinnen, Skorpione oder Fledermäuse aufzunehmen – die Liste ist lang. Für einen Pfau sind die Einrichtungen allerdings nicht ausgelegt. Deshalb wird er dort nur wenige Wochen bleiben, bis ein neues Zuhause gefunden ist.
Quarantäne und Suche nach neuem Zuhause
In den ersten Tagen muss der Pfau in gesundheitlicher Isolation verbringen. Das Team wird durch verschiedene Tests prüfen, ob er frei von Parasiten ist. Sobald diese Quarantäne – die ein bis zwei Wochen dauern kann – abgeschlossen ist, wird er neu untergebracht. Doch nicht jeder kann ihn adoptieren.
„Es muss eine landwirtschaftliche Einrichtung oder ein für diese Art zugelassener zoologischer Betrieb sein. Auf Teneriffa gibt es mehrere, die Enten, Hühner, Fasane und Pfauen züchten – vermutlich wird er dort unterkommen“, unterstreicht der Experte.
Konsequenzen für Tierhalter
Das Aussetzen von Tieren und die Freisetzung invasiver exotischer Arten kann mit erheblichen Geldstrafen und weiteren Verwaltungsmaßnahmen zum Schutz der einheimischen Flora und Fauna geahndet werden. Teneriffa ist die Insel des Archipels mit der höchsten Anzahl an exotischen Arten. Nach den neuesten verfügbaren Daten sind rund 1.200 der vorkommenden Arten nicht auf den Kanaren heimisch.
Ein großer Teil davon hat sich bereits naturalisiert oder könnte dies in den kommenden Jahren tun. Tiere wie Mufflons, Kaninchen und sogar Katzen haben den Nationalpark – eine Umgebung, die nicht ihre natürliche ist – besiedelt und sich dort etabliert. De Urioste appelliert deshalb an die Vernunft: „Vor der Anschaffung eines solchen Tieres sollte man zwei Dinge prüfen: Erstens, ob die Haltung legal ist, und zweitens, ob man dem Tier ein Leben lang gute Bedingungen bieten kann.“
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