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„Apenas somos paisaje“: Neue Ausstellung in La Panera

Die Landschaft als Heimat: Neue Ausstellung auf Teneriffa

Die Beziehung zwischen dem Territorium und der eigenen Identität steht im Mittelpunkt der neuen Ausstellung in der Galerie La Panera. Noch bis zum 31. Juli ist dort die Schau Apenas somos paisaje („Wir sind kaum mehr als Landschaft“) des chilenischen Künstlers Gabriel Tondreau (Santiago de Chile, 1989) zu sehen. Die Ausstellung entspringt einem sehr persönlichen Blick, der eng mit der Erfahrung verbunden ist, auf den Kanarischen Inseln zu leben. Kuratiert wurde sie von Elena Marrero in Zusammenarbeit mit Espacio El Palmeral.

Ein Werk, das ohne Eile gewachsen ist

Die Schau vereint eine Werkgruppe, die einen kreativen Prozess der letzten Jahre auf Teneriffa verdichtet. Tondreau lebt seit fast fünf Jahren auf der Insel und präsentiert diese Ausstellung als die Kristallisation einer Arbeit, die sich ohne Hast und ohne starre Planung entwickelt hat. „Es ist ein persönliches Projekt, das auf natürliche Weise entstanden ist, ohne Voraussicht oder Eile. Es hat sich einfach angesammelt“, erklärt der Künstler. Diese behutsame Entwicklung übersetzt er nun in ein solides Konzept, bei dem jedes Werk mit der Umgebung und seiner persönlichen, durch den Landschaftswechsel geprägten Transformation in Dialog tritt.

Inspiriert von Nicanor Parra

Der Titel der Ausstellung ist eine Anspielung auf einen bekannten Satz des chilenischen Dichters Nicanor Parra: „Wir glauben, ein Land zu sein, aber in Wahrheit sind wir kaum mehr als Landschaft.“ Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Schau. Der Künstler entwickelt darauf aufbauend eine visuelle Sprache, in der die Landschaft nicht nur eine bloße Darstellung ist, sondern ein Raum der Zugehörigkeit und der Zuflucht. „Die Landschaft ist ein Ort, den man auch selbst bewohnt, und durch diese Arbeiten habe ich Wurzeln geschlagen und mich vor der Unbill geschützt“, so Tondreau.

Ein moderner Blick auf eine alte Tradition

Seine Werke speisen sich aus historischen Vorbildern, wie der Tradition der reisenden Maler des 19. Jahrhunderts, die ferne Gebiete bereisten, die Natur dokumentierten und das Licht einfingen. Doch Tondreaus Ansatz zielt nicht auf eine originalgetreue Wiedergabe ab, sondern auf eine subjektive Neuinterpretation. „Es geht um verschiedene Versionen der Landschaft, darum, sie als einen Raum zu begreifen, der sich entwickelt und anreichert, in dem man sich selbst niederlässt“, betont der Künstler.

Zwischen Malerei, Textil und Assemblage

In Apenas somos paisaje begegnet der Betrachter einer Mischung aus Malerei, textilen Collagen, Assemblagen und weiteren Formaten. Jedes Werk fungiert wie ein eigenes Mikroklima, ein Raum, in dem das Fragmentarische eine Ordnung findet. Der Künstler selbst beschreibt seine Praxis als einen Prozess der Neuordnung des Verstreuten. Der Einfluss des kanarischen Territoriums ist dabei entscheidend: Das Licht, die schroffe Geografie und die wechselhafte Atmosphäre im Norden Teneriffas haben seinen Blick nachhaltig verändert. „Ich weiß nicht genau, welche Eigenschaften das Licht hat, aber ich weiß, wie es auf das Territorium einwirkt. Es ist, als würde man jeden Tag einen Film sehen“, sagt Tondreau. Und fügt hinzu: „Das Licht fällt so willkürlich auf die Berge, dass alles veränderlich, plötzlich und spontan wirkt.“ Diese visuelle Dynamik übersetzt sich in Werke, die die Spannung zwischen Stabilität und Wandel einfangen. Die Landschaft erscheint als etwas Lebendiges, in ständiger Veränderung, in dem Licht, Klima und Topografie ein einzigartiges Sinneserlebnis schaffen.

Die Natur im Fokus, der Mensch im Hintergrund

Obwohl die Natur in dieser Ausstellung vorherrscht, verschwindet die menschliche Präsenz nicht vollständig. Tondreau räumt ein, dass er in seiner Arbeit auch architektonische Elemente wie Balkone, Gebäude oder verlassene Räume erkundet hat. Für diese Auswahl hat er sich jedoch bewusst dafür entschieden, den Fokus auf das Natürliche zu legen. „Hier steht die Architektur eher im Hintergrund, weil ich den Betrachter zu einer Innenschau über die Geografie und die Umgebung führen wollte, weniger zu einer sozialen Betrachtung“, erklärt er. Diese Entscheidung entspricht dem Wunsch, eine eher introspektive Erfahrung zu schaffen, bei der der Betrachter seine eigenen Emotionen auf die Landschaft projizieren kann. Im Gegensatz zur erzählerischen Wucht des Urbanen bietet die Natur einen offenen Raum für die persönliche Interpretation. „Das führt einen mehr dazu, zu erforschen, was es in einem selbst auslöst, in dem Persönlichen“, so der Künstler.

Ein Wendepunkt im Schaffen des Künstlers

Der Rundgang durch die Ausstellung offenbart eine künstlerische Praxis, die zwischen direkter Beobachtung und gedanklicher Rekonstruktion des Territoriums oszilliert. Der Künstler agiert mit einem doppelten Blick: Er bewohnt die Landschaft und interpretiert sie gleichzeitig aus der Distanz neu. In diesem Spannungsfeld entstehen Bilder, die nicht nur beschreibend sind, sondern evokativ, aufgeladen mit Erinnerung und Erfahrung. Die Ausstellung in La Panera stellt für ihn einen Wendepunkt in seiner Arbeit dar. „Es ist die Ausstellung, die alles bündelt, weil sich hier das Konzept besser fügt und solider wird“, so Tondreau. Doch jenseits des künstlerischen Diskurses würdigt er auch den Wert der kollektiven Anstrengung, die solche Projekte ermöglicht, und richtet eine direkte Einladung an das Publikum: „Die Leute sollten sie sich ansehen, weil dahinter eine sehr kraftvolle Arbeit und eine Professionalität steckt, die man ebenfalls anerkennen muss.“

Eine Einladung zum Innehalten

Apenas somos paisaje präsentiert sich somit als eine Gelegenheit, sich einem zeitgenössischen Blick auf das kanarische Territorium zu nähern, gefiltert durch die Erfahrung des Migranten und die Suche nach Identität. Eine Ausstellung, die dazu einlädt, innezuhalten, zu beobachten und vor allem die Landschaft aus einer neuen Perspektive zu bewohnen.

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