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Humor Lab: Teneriffas Comedy-Schmiede startet in Runde zwei

Comedy auf Teneriffa wächst und strukturiert sich neu

Die Comedyszene auf Teneriffa gewinnt weiter an Boden und formt zunehmend eigene Strukturen – wegweisend ist dabei das Projekt „Humor Lab“, ein Workshop, ins Leben gerufen von der tinerfeñischen Komikerin Jessika Rojano. Im September startet die zweite Auflage, nachdem die erste Ausgabe auf große Resonanz stieß und eine kleine, kreative Gemeinschaft rund um die Stand-up-Comedy entstehen ließ.

Aus einem Kurs wird eine Institution

Was im Oktober des vergangenen Jahres als knapp sechswöchiger Einsteigerkurs begann, entwickelte sich dank des Enthusiasmus der Teilnehmer und dem Engagement der Dozentin zu einem festen Wochentermin. „Wir starteten als einmaliger Workshop, aber die Schüler selbst wollten weitermachen – also treffen wir uns nun jeden Donnerstag“, erklärt Rojano. Seitdem kommt die Gruppe wöchentlich für zwei Stunden in La Laguna zusammen, um die Grundlagen des komischen Schreibens und der Bühnenpräsenz zu erarbeiten.

Die Bilanz der ersten Runde ist sowohl bei der Beteiligung – über zwanzig Teilnehmer im gesamten Kursverlauf – als auch bei den Ergebnissen durchweg positiv. Die Abschlusspräsentation am 25. Juli zeigte deutlich das Wachstum der Teilnehmer: „Sie nehmen das Ganze sehr ernst. Auf der Bühne bewiesen sie ein erstaunliches Niveau und eine Professionalität, die man so nicht erwartet hätte“, so Rojano, die zusätzlich das Entstehen einer vielversprechenden „Talenteschmiede“ auf den Kanaren betont.

Warum es bisher keine Schule für Stand-up gab

Humor Lab entstand aus einem Mangel, den Rojano in der lokalen Szene klar erkannt hatte. „Auf den Kanaren gab es keine spezifische Schule für Stand-up-Comedy, obwohl durchaus Interesse vorhanden war“, sagt die Komikerin, die im Laufe ihrer Karriere selbst verschiedene Erfahrungen auf offenen Bühnen gesammelt hat. Entscheidend für die Gründung war zuletzt der Kontakt zu Menschen, die den Einstieg wagten, aber den Sprung nicht alleine schafften. „Mir wurde klar: Das Wichtigste für den Anfang ist eine unterstützende Gemeinschaft – Menschen auf dem gleichen Stand, mit denen man den Prozess teilen kann“, so Rojano.

Diese Gemeinschaftsidee ist zu einem der Grundpfeiler des Projekts geworden. Die Humor-Lab-Sitzungen kombinieren praktische Übungen, Theorie und Auftrittsmöglichkeiten im Format des offenen Mikrofons. „Es geht nicht nur darum, allein zu Hause zu schreiben; im Unterricht gibt es eine Art Autorenzimmer, in dem alle Ideen beisteuern. Wenn acht Leute an deinem Text arbeiten, wird er gleich viel reicher“, fasst sie zusammen.

Jeder findet seinen eigenen Stil

Rojano setzt auf einen flexiblen Ansatz, der die Stimme jedes Teilnehmers respektiert. „Stand-up hat gewisse Grundregeln, aber jeder erreicht sie auf einem anderen Weg. Meine Aufgabe ist es, jeden Einzelnen zu begleiten, ohne eine allgemeingültige Formel aufzudrängen“, betont die Komikerin. Ihre Methodik passt sich deshalb den verschiedenen Persönlichkeiten an – von denen, die systematisch schreiben, bis zu denen, die lieber mit Improvisation oder mündlicher Überlieferung arbeiten. „Das Ziel ist, den eigenen Weg zu finden – und den dann zu verfeinern“, schließt Rojano.

Wer steckt hinter dem Erfolg? Die Schüler

Die Teilnehmer der ersten Runde waren eine bunte Mischung. Die meisten kamen aus Neugierde, nicht unbedingt mit dem Ziel, Profis zu werden. „Niemand beginnt mit dem Gedanken, das irgendwann beruflich zu machen. Meist ist es ein Hobby, das mit der Zeit zu mehr werden kann“, sagt Rojano und verweist auf ihre eigene Laufbahn. Das Engagement der ersten Absolventen war jedoch beachtlich: Viele planen, ab September ihre Ausbildung fortzusetzen.

Ein Beispiel ist Sandra Hernández, eine 32-jährige Teilnehmerin aus Tacoronte, die die erste Ausgabe absolvierte und sich erneut anmelden möchte. „Es war eine unglaubliche Erfahrung. Ich habe eine völlig neue Art entdeckt, das auszudrücken, was mich im Alltag beschäftigt – diesmal eben mit Humor“, erklärt die Schülerin, die über Humor Lab einen Zugang zum Stand-up gefunden hat. „Ich hätte nie gedacht, wie viel Arbeit in jedem einzelnen Monolog steckt und wie viel Theorie dahintersteckt. Der Kurs hat mir eine Welt eröffnet, die mich schon immer fasziniert hat“, ergänzt sie. Besonders wertvoll war für Hernández die Teamarbeit: „Die Gruppe war sehr gemischt und generationenübergreifend – das hat unsere Arbeit ungemein bereichert. Wir haben so viele unterschiedliche Erfahrungen gesammelt, die nach und nach zu Humor wurden, und jeder hat von jedem gelernt“, so die junge Frau.

Ein neues Level – im September geht es weiter

Die zweite Ausgabe von Humor Lab, geplant für September, will das Projekt festigen und ausbauen. Geplant sind zwei Ausbildungslinien: ein neuer Anfängerkurs sowie ein Fortgeschrittenen-Niveau für alle, die im zweiten Jahr weitermachen möchten. In dieser neuen Phase verschiebt sich der Fokus allmählich vom Schreiben hin zur Interpretation: „Viele haben jetzt die Werkzeuge zum Schreiben – die nächste Herausforderung ist, Körper und Stimme zu trainieren, um eine echte Bühnenpräsenz zu entwickeln“, erklärt Rojano. Dies sei ein natürlicher Schritt in der Entwicklung des Stand-up, bei dem der Text nur ein Teil des Endprodukts ist.

Die Anmeldephase läuft noch bis Ende August; die Einschreibung erfolgt direkt über die Organisatorin. Doch Humor Lab versteht sich als mehr als nur technische Ausbildung – es ist ein Raum der persönlichen Entdeckung. „Wenn jemand die berühmte ‚Spinne‘ für Comedy hat, dann ist jetzt der Moment, es auszuprobieren“, wirbt Rojano. Und, wie ihre Schülerin Sandra Hernández bestätigt: Man muss nicht unbedingt auftreten wollen, um hier etwas zu finden.

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