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Teneriffas Tech-Boom: Vom Urlaubsparadies zum Innovations-Hub

Vom Urlaubsparadies zum Hochtechnologie-Standort

Satelliten, die die Kanaren scannen, Künstliche Intelligenz für bessere Filme, Chips, die Energie sparen, oder Systeme, die Elektroauto-Batterien ein zweites Leben geben – all das und noch viel mehr entsteht mittlerweile auf Teneriffa. Und die Liste der Projekte wird länger. Die Tech-Branche auf der Insel boomt. Das neue „Silicon Tenerife“ bewegt bereits heute über 300 Millionen Euro pro Jahr, allein in den vom Inselrat verwalteten Infrastrukturen. Der gesamte Sektor schafft 15.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze.

Rekord: Über 100 Firmen im Wissenschaftspark

Die Zahl der Unternehmen, die die Einrichtungen des Wissenschafts- und Technologieparks Teneriffa (PCTT) und des Instituts für Technologie und Erneuerbare Energien (ITER) nutzen, bricht Rekorde bei öffentlichen und privaten Investitionen. Erstmals wurde die Marke von hundert Firmen überschritten, während bereits nach mehr Platz gesucht wird. Wirtschaftliche Vorteile und ein dichtes Netz an Infrastrukturen erklären, warum sich dieses kleine Gebiet zu einem großen Magneten für Forschung und Entwicklung entwickelt hat. Deshalb sind Giganten wie Samsung, Telefónica, Intel Capital, Tokyo Electron, Leonardo, Thales, Aytana und Astra hier gelandet oder heimische Start-ups wie Arquimea, Wooptix, Orbidi oder EAVE erfolgreich gewachsen.

Die drei Erfolgsfaktoren: Steuern, Forschung und Anbindung

Das Engagement von Forschungs- und Entwicklungsunternehmen für die Insel stützt sich auf drei Hauptfaktoren: die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Verfügbarkeit zahlreicher Forschungszentren und die exzellente Konnektivität. Rubén Criado, CEO von Arquimea, nennt die Gründe, die diesen Entwickler innovativer Unternehmen zur Wahl Teneriffas bewogen haben – Gründe, die auch für andere Marken gelten: „Die günstigen steuerlichen Bedingungen und eine privilegierte geostrategische Position als Drehscheibe zwischen Europa, Afrika und Amerika waren entscheidend.“ Criado fügt einen weiteren vitalen Punkt hinzu: „Ein wachsendes wissenschaftlich-technologisches Ökosystem mit Zugang zu qualifiziertem Talent und erstklassigen Infrastrukturen macht Teneriffa zu einem idealen Umfeld für hochwirksame Innovation.“

Massive Investitionen und expandierende Infrastruktur

Der Investitionsrekord wurde einerseits durch die 140 Millionen Euro erreicht, die der Inselrat in diesem Jahr bereitstellte, um Teneriffa als Technologiepol zu festigen. Im vergangenen Jahr kamen zwei neue Infrastrukturen hinzu: ein neuer, über 3.700 Quadratmeter großer Raum des PCTT in Barranco Grande (Santa Cruz) und eine neue Halle im ITER in Granadilla de Abona. Parallel dazu hat die Inselverwaltung einen Wettbewerb für neue Räumlichkeiten im Zusammenhang mit dem Wissenschafts- und Technologiepark ausgeschrieben, zu dem gerade zwei Angebote eingereicht wurden.

Der PCTT verfügt derzeit über fünf Standorte: Cuevas Blancas, Barranco Grande, INnovaparq (Universität La Laguna), Las Mantecas und die Dársena Pesquera. Hinzu kommt der virtuelle Standort, ein Modell für Unternehmen, die keinen physischen Raum benötigen, aber von den Dienstleistungen, Vorteilen und Chancen des PCTT profitieren möchten. Allein in seinen Einrichtungen arbeiten und unterstützen sich gegenseitig insgesamt 63 Unternehmen – dreimal so viele wie vor nur drei Jahren. Addiert man die Firmen hinzu, die sich im ITER angesiedelt haben, die vom ITER selbst bedient werden oder für verschiedene Projekte subunternehmen, übersteigt die Zahl die Hundertermarke, ein bisher unerreichter Wert.

Junges Talent als Schlüssel zum Erfolg

Der Inselrat für Innovation, Juan José Martínez, ist überzeugt, dass einer der Schlüssel zu diesem Aufschwung darin liegt, dass die Insel „nicht nur Infrastrukturen und eine gute Telekommunikationsanbindung bietet“, sondern auch „Talent“. „Immer mehr gut ausgebildete junge Menschen mit ausreichenden Fähigkeiten treten diesen Unternehmen bei. Das wurde auch von vielen von ihnen bei der Wahl Teneriffas geschätzt.“

Dieses Technologie-Netzwerk hat die private Investition, die in die Inselwirtschaft fließt, vervielfacht. Schätzungen zufolge generieren der PCTT und das ITER sowie die damit verbundenen Initiativen einen Umsatz von über 170 Millionen Euro pro Jahr und bündeln mehr als tausend Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung. Diese Zahl unterstreicht die Wirkung von Einrichtungen, die zu einem der großen Hebel für die Diversifizierung der Inselwirtschaft geworden sind.

Leuchtturmprojekt: Die Kanarische Satellitenkonstellation

Ein Beispiel für ein auf Teneriffa gestartetes Projekt, das Grenzen überschreitet und große Technologieunternehmen anzieht, ist die „Constelación Canaria de Satélites“ (Kanarische Satellitenkonstellation). Erst vor einem Monat vergab der Inselrat den Auftrag im Wert von 21,3 Millionen Euro an das Unternehmen Telespazio Ibérica. Dahinter stehen zwei Schwergewichte der Luft- und Raumfahrtindustrie: das italienische Unternehmen Leonardo (67 %) und der französische Konzern Thales (33 %). In einer ersten Phase wird Telespazio die Satelliten entwerfen und damit einen vollständigen Zyklus einleiten, der auch Fertigung, Validierung, Start, Betrieb, Datenerfassung und -auswertung umfasst.

Vier Satelliten werden das kanarische Gebiet, insbesondere die Provinz Santa Cruz de Tenerife, scannen und Daten für zahlreiche Anwendungen liefern: Katastrophenschutz, Landmanagement, Überwachung von Anbauflächen, Klimaentwicklung und mehr. Diese neue Initiative, die Luft- und Raumfahrtindustrie, ist Teil des Programms „Tenerife Space Horizon“, der Inselstrategie für einen Sektor, in dem Teneriffa viel zu sagen hat.

Forschungszentren und Supercomputer als Rückgrat

All diese Initiativen wären ohne weitere Forschungszentren, sowohl der Inselverwaltung als auch externer Einrichtungen, nicht möglich, die das notwendige Habitat für eine blühende Forschungslandschaft ergänzen. Und Teneriffa hat sie. So entstand „Tenerife Space Horizon“ aus der jahrelangen Arbeit wissenschaftlicher Institutionen wie dem Institut für Astrophysik der Kanaren (IAC). Ebenso wenig wären sie ohne erstklassige Infrastrukturen für die Datenverarbeitung möglich. Für diese Aufgabe verfügt die Insel über ein sehr leistungsfähiges Werkzeug: „Teide“ und „Anaga“. Es handelt sich um die leistungsstärksten Supercomputer der Kanaren.

Der Inselrat finalisiert derzeit die Ausschreibung, um ihre Kapazität zu erhöhen. Die Supercomputer, die einen gemeinsamen 80-Quadratmeter-Körper im Data Center D-Alix des ITER bilden, werden dann zu den drei leistungsstärksten in Spanien und zur europäischen Elite gehören. Mit einer Investition von 10 Millionen Euro wird ihre Rechenleistung verdreißigfacht und 10 Petaflops erreichen – die Leistung von 18.000 Mittelklasse-Computern.

Vom ITER bis zu innovativen Start-ups

Dank dieser und anderer Instrumente beherbergt das ITER heute eine Robotikeinheit, einen Genomikbereich, Anschlüsse an Unterwasser-Glasfaserkabel, ein Photovoltaikzellenlabor, einen Windkanal sowie mehrere Solar- und Windparks, die über 20 % der sauberen Energie der Insel erzeugen. Die jüngste Ergänzung ist eine von Astra, einer Marke für Kommunikationssatelliten, installierte Antenne. Dank dieses Konglomerats hat das ITER große Kunden wie Telefónica, Overon-SES, 22Dogs, 3Doubles, Idecnet und Kaudal oder mit diesen verbundene Unternehmen wie Dinosol, Disa und Hospiten.

Auf diesem fruchtbaren Boden sprießen ständig neue Vorschläge. Da ist zum Beispiel das Forschungszentrum, das Arquimea, ein spanisches Unternehmen mit dem Ziel, innovative Technologien für reale gesellschaftliche Probleme zu entwickeln, 2020 im Park von Las Mantecas gegründet hat. „Seit der Gründung des Zentrums haben wir mehrere Start-ups ins Leben gerufen“, erläutert CEO Rubén Criado. Darunter hervorzuheben sind: Neural Domains (KI in kritischen Umgebungen wie der Verteidigung), Pulsar (fortschrittliche Robotik), Molefy Pharma (klinische Studien zur Behandlung von ALS) oder Volinga (eine KI-basierte Lösung für die audiovisuelle Industrie).

Ein weiteres herausragendes Beispiel ist Wooptix, das mit globalem Anspruch von der Universität La Laguna gegründet wurde und auch Niederlassungen in Madrid und Grenoble (Frankreich) unterhält. Ihre Hauptmärkte sind Taiwan, Japan, Südkorea, die USA und Europa. Die Verantwortlichen heben unter den Vorteilen Teneriffas ähnliche Vorzüge wie im audiovisuellen Sektor durch die Sonderzone der Kanaren (ZEC) und die Freihandelszone hervor. Heute arbeitet das Unternehmen mit einem Team von 85 Personen an Standorten wie dem Nanotec-Gebäude im Park von Las Mantecas und plant unter anderem die Produktion optischer Module für seine Halbleiter-Metrologiemaschinen – angewandte Wissenschaft für die Chipfertigung.

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