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Krieg treibt Reisekosten: Kanaren vor Preisschock

Kriegstreiber Kerosinpreis

Es ist offiziell: Der Preis für einen Urlaub auf den Kanarischen Inseln wird ab dem kommenden Monat die ersten spürbaren Folgen des Krieges im Nahen Osten zu spüren bekommen. Die Kosten für Pauschalreisen ins Archipel werden innerhalb weniger Wochen um bis zu neun Prozent steigen. Grund ist der drastische Anstieg des Kerosinpreises, dem Treibstoff, der die allermeisten Touristen auf die Inseln bringt. Diese Preissteigerung ist eine der Hauptfolgen des Konflikts, den die USA und Israel im Iran und anderen Ländern der Region führen. Und sie könnte noch das kleinere Übel sein, denn das eigentliche Problem wäre, wenn die Flugzeuge aus Berlin oder London wegen Treibstoffknappheit am Boden bleiben müssten.

Die Branche schlägt Alarm

Vor dieser Situation warnte am Dienstag, den 19. Mai, die Unternehmensallianz Excelcan, in der die wichtigsten Tourismusunternehmen der Kanaren zusammengeschlossen sind. Anlass war die Vorstellung des Berichts über die Lage der Branche im ersten Quartal 2026. Der Anstieg der Pauschalreisekosten um 7,5 bis 9 Prozent ist dabei das optimistischste Szenario – sozusagen die geringste negative Auswirkung für den wichtigsten Wirtschaftszweig des Archipels.

Dieser Preisanstieg wird durch die Verteuerung von Kerosin verursacht, dessen Preis sich seit Ausbruch des Konflikts bereits verdoppelt hat. Der Treibstoff macht mittlerweile 27 Prozent der Gesamtkosten eines Pauschalreiseangebots aus. Diese Entwicklung erhöht die Kosten für die Dienstleistungsunternehmen, kann aber zumindest vorerst noch von der Wertschöpfungskette aufgefangen werden. Die Tourismusfirmen haben derzeit genug finanzielle Reserven, um diesen Schlag abzufedern, ohne dass der Gast letztlich mehr bezahlen muss.

Hoffen auf Kostenpuffer

Das erläuterte der Vizepräsident von Excelcan, José Carlos Francisco. Er erklärte: „Die Fluggesellschaft verdient vielleicht etwas weniger, der Reiseveranstalter zahlt auch etwas weniger und das Hotel hat ebenfalls einen etwas geringeren Spielraum, der sich ausgleichen lässt. Damit will ich sagen, dass wir im Basisszenario, also bei teurem Kerosin, unserer Meinung nach in der Lage sind, die Kostensteigerungen zu absorbieren.“

Die wahre Gefahr: Treibstoffmangel

Das eigentliche Problem wäre eine Verknappung dieses Treibstoffs, der äußerst empfindlich auf die Sperrungen der Straße von Hormus reagiert. Vor Ausbruch des Konflikts wurden dort 40 Prozent des gesamten Kerosins transportiert. Und obwohl Spanien nicht zu den am schlimmsten betroffenen Ländern gehört – es verfügt über Reserven und produziert mehr Kerosin, als es verbraucht –, ist die Lage in einigen der wichtigsten Herkunftsländer der Touristen, wie Großbritannien und Deutschland, tatsächlich kritischer. Die kanarischen Tourismusunternehmer betonen jedoch, dass dieses Szenario eher unwahrscheinlich sei.

Vom Schutzraum zur Randlage?

So könnte der Tourismus auf den Kanaren nun direkt mit den Folgen des Nahostkonflikts für seine wichtigste Einnahmequelle konfrontiert werden. Anfangs hieß es noch, die Inseln könnten sich zu einem sicheren Hafen entwickeln und einen Teil der Touristen anziehen, die nicht in die konfliktnahen Gebiete reisen wollten. Doch mit den Monaten und den Problemen bei der Kerosinverteilung wächst die Befürchtung, dass das Archipel – tausende Kilometer vom Festland entfernt – zu einem abgelegenen und nachrangigen Ziel werden könnte. Der Grund: Der höhere Kerosinverbrauch, den die Airlines für den Flug hierher in Kauf nehmen müssen. Dies ist jedoch bisher das worst-case-Szenario und noch nicht Realität.

Stabile Aussichten trotz Krise

Sollte dieser Fall nicht eintreten, bleiben die Aussichten der kanarischen Unternehmer für das Jahr 2026 weiterhin gut. Sie erwarten ähnliche Zahlen wie 2025, ohne eine leichte Abkühlung bei den Besucherzahlen auszuschließen. Das zeigen zumindest die Zahlen für das erste Quartal des Jahres: Die Hotelbetriebe waren profitabler als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – und das, obwohl die Zahl der Übernachtungen und die Auslastung gesunken sind.

Wie Hotels trotzdem mehr verdienen

Wie ist das möglich? Ein Hotel kann weniger belegte Zimmer haben und dennoch mehr Geld verdienen, wenn es pro Nacht höhere Einnahmen erzielt oder die Kosten besser im Griff hat. Die Bettenauslastung lag in den ersten drei Monaten des Jahres zwar bei 74,63 Prozent – und damit 1,12 Prozentpunkte unter dem Wert von 2025. Aber die Einnahmen pro verfügbarem Zimmer (RevPAR – einer der zuverlässigsten Indikatoren für die Hotelrentabilität) stiegen um 6,31 Prozent auf 123,29 Euro pro Zimmer.

Ein weiterer Indikator für den guten Geschäftsverlauf des Tourismus in den ersten Monaten des Jahres sind die Gesamteinnahmen der touristischen Unterkünfte. Sie beliefen sich auf 1,749 Milliarden Euro. Das sind 6,1 Millionen Euro mehr als im Jahr 2025. Teneriffa vereinte dabei 36,95 Prozent der Gesamteinnahmen des Archipels auf sich, Gran Canaria 31,96 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal stiegen die Einnahmen um 100 Millionen Euro, was einem Wachstum von 6,10 Prozent entspricht.

Weniger Ferienhäuser, mehr Hotelbetten

In diesen Monaten hat sich auch das Angebot an touristischen Betten auf den Kanaren verändert – zumindest im Hotelbereich. Der Bericht weist für das Archipel 372.831 Hotellerie-Betten aus. Das ist ein Plus von 1.066 Betten im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025 (+0,29 Prozent). Ganz anders sieht es im Segment der Ferienwohnungen und -häuser aus. Hier hat die Zahl der Betten um ganze neun Prozent abgenommen. Grund ist die Verabschiedung des Gesetzes zur nachhaltigen Ordnung der touristischen Nutzung von Wohnungen, das die Regeln für diese Art von Unterkünften verschärfen sollte. Dadurch verzeichneten die Kanaren im ersten Quartal 2026 nur noch 180.107 Betten in Ferienwohnungen – ein Rückgang von 17.665 Betten gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Am stärksten betroffen war Teneriffa mit einem Minus von über 7.000 Betten. Auch die Auslastung, der durchschnittliche Tagespreis und die Gesamteinnahmen in diesem Segment gingen im ersten Quartal des Jahres zurück.

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