Sommer, Sonne, Strand – aber nicht überall auf Teneriffa
Der Sommer ist auf Teneriffa traditionell die Zeit für Strandausflüge. Doch in diesem Jahr müssen Urlauber und Einheimische an gleich sieben Küstenabschnitten auf ihr Badevergnügen verzichten. Die Strände und Buchten sind aus Sicherheitsgründen gesperrt. Ursache sind Erdrutsche und Felsstürze von Klippen und Hängen, die vor allem die Zugänge zu den Stränden blockieren oder zerstört haben. Die Gemeinden reagieren mit den Schließungen und Badeverboten, um Menschenleben zu schützen. Ein fataler Vorfall hat die Behörden nachhaltig sensibilisiert.
Ein tödliches Unglück als warnendes Beispiel
Der Fall der Strände von Benijo, Las Gaviotas, La Consolación, Los Barqueros, Santo Domingo, Los Patos und des Naturpools von Tabaiba zieht sich durch die ganze nördliche Inselhälfte und den Großraum der Hauptstadt. Allen gemeinsam ist, dass es zu Abrutschungen oder Einstürzen kam, die zu monate- oder sogar jahrzehntelangen Sperrungen führten. Den entscheidenden Wendepunkt markierte der 1. November 2009. An diesem Tag starben zwei Menschen am Strand von Los Guíos in Los Gigantes (Gemeinde Santiago del Teide), als ein Teil der Klippe einstürzte. Seit diesem Unglück haben die örtlichen Verwaltungen erkannt, dass das Risiko von Erdrutschen keine bloße Wahrscheinlichkeit ist, sondern eine tödliche Gewissheit – mit entsprechenden rechtlichen Konsequenzen.
Der Rekordhalter: Strand von Santo Domingo (La Guancha)
Die längste Schließung eines Strandes auf Teneriffa betrifft die Bucht von Santo Domingo in La Guancha. Bereits seit 2007 gilt dort ein Badeverbot wegen der Gefahr von Steinschlag. Nach dem Unglück von Los Gigantes wurde der Strand 2010 endgültig und offiziell geschlossen und bis heute nicht wieder geöffnet. Zahlreiche Versuche, die Böschung zu sichern, scheiterten. Involviert waren die nationale Küstenbehörde (Costas) und die Inselregierung (Cabildo de Tenerife) während der Koalition zwischen den Kanarischen Koalition (CC) und der Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) von 2015 bis 2019. Im Jahr 2018 unterzeichneten die Inselregierung und die Gemeinde La Guancha zwar eine Vereinbarung über 180.000 Euro für eine zweite Sanierungsphase, aber eine Wiedereröffnung blieb aus. Mit der Übertragung der Küstenverwaltung an die kanarische Regierung zum 1. Januar 2023 keimte neue Hoffnung auf. Doch seither sind mehr als drei Jahre vergangen, ohne dass konkrete Schritte zur Rettung dieses nördlichen Küstenabschnitts unternommen wurden.
Los Barqueros (Buenavista del Norte): Geisterstrand im Barranco
Der Strand von Los Barqueros in Buenavista del Norte ist bereits seit mehr als zehn Jahren geschlossen. Der für den Ortsteil symbolträchtigste Küstenpunkt, eng verbunden mit der Geschichte der einheimischen Fischer, hat laut der Gemeindeverwaltung keinen Termin für eine Wiedereröffnung. Die Begründung: Die notwendigen Maßnahmen seien aufgrund der Lage in einer Schlucht (Barranco) äußerst komplex. Auch hier wurden die Zugänge nach dem Unglück von Los Gigantes gesperrt. Wer den auch als „Puerto del Buen Jesús“ bekannten Ort erreichen will, muss einen steilen Abhang hinuntergehen, der sich nach und nach unter die Felswand schiebt. Eine verfallene Rampe, einst für den Bootsstapellauf genutzt, und einige verrottende Kähne sind die letzten maritimen Zeugnisse. Offiziell ist das Baden verboten, doch Einheimische suchen den Strand dennoch auf.
Los Patos (La Orotava): Warten auf November-Entscheidung
Einer der bekanntesten Strände der Nordküste Teneriffas, Los Patos in La Orotava, ist bereits den dritten Sommer in Folge gesperrt. Die Instabilität der Klippe und die ständige Gefahr von Felsstürzen gefährden das Badevergnügen in diesem für seinen feinen schwarzen Sand und das raue Nordsee-Wasser geschätzten Küstenabschnitt. Die Gemeindeverwaltung erklärt: „Wir warten auf den Abschluss der Untersuchungen, die der Vulkanologische Dienst der Kanaren (Involcan) durchführt.“ Ziel dieser Studien ist es, die geologischen Prozesse besser zu verstehen, die die Stabilität der Steilküste beeinflussen. Anfang Juli gab es eine Besprechung zum Stand der Diagnosearbeiten. Das technische Team stellte jedoch klar, dass ein erster Ergebnisbericht frühestens im November vorliegt. Droht also ein vierter Sommer ohne Los Patos?
Benijo und Las Gaviotas (Santa Cruz): Gefahr im Anaga-Gebirge
Auch im Großraum der Hauptstadt Santa Cruz gibt es gesperrte Strände. Der Strand von Benijo im ländlichen Anaga-Gebirge wurde im Juli 2024 von der Stadtverwaltung geschlossen, nachdem ein Teil der Böschung direkt neben der Treppe zum Strand eingestürzt war. Mehrere Steine trafen den einzigen Zugangsweg. Zwei Jahre später gilt das offizielle Badeverbot immer noch. Vergangenen Mai erklärte die Stadtverwaltung die Maßnahmen zum Notfall, um von der Küstenverwaltung (Dirección General de Costas) eine vorläufige Genehmigung für die Sanierung zu erhalten. Doch die Schließung hält viele Badegäste nicht ab – sie nutzen weiterhin illegale Pfade, um an den Strand zu gelangen.
Nur wenige Kilometer entfernt liegt die Bucht von Las Gaviotas, ein weiterer bei Hauptstädtern sehr beliebter Strand. Im Juni diesen Jahres wurde erneut ein Badeverbot verhängt – es ist nicht das erste Mal. Die Stadtverwaltung von Santa Cruz stufte die Situation als „ernste Gefahr für Menschen und Sachwerte“ ein, da eine Böschung am Zugang akut einsturzgefährdet ist. Ein technisches Gutachten bestätigte die Instabilität. Um das Problem zu beheben, wurde ein Eilauftrag über rund 1,9 Millionen Euro vergeben. Die Bauarbeiten sollen zwölf Monate dauern. Der Strand bleibt bis zu deren Abschluss geschlossen.
La Consolación (Garachico): Privater Mauerschaden blockiert Strand
Ein weiterer gesperrter Strand befindet sich in Garachico, genauer gesagt im Ortsteil El Guincho. Die Gemeinde verhängte im Februar dieses Jahres ein Badeverbot für den Strand La Consolación, nachdem ein Teil einer Mauer oberhalb der Bucht abgerutscht war. Sechs Monate später sind die notwendigen Lösungen noch nicht gefunden. Die örtliche Verwaltung versichert jedoch: „Wir unternehmen die nötigen Schritte, um die Arbeiten zum Notfall zu erklären.“ Das technische Projekt zur Beseitigung der Einsturzgefahr ist bereits erstellt. Die Stadt hat sich auch mit den Eigentümern des Grundstücks getroffen, da die Mauer in Privatbesitz ist. Die Küstenverwaltung genehmigte die Schließung zwar fünf Monate nach dem Antrag der Gemeinde, „sagt aber nichts Weiteres“, so Gemeindequellen. Das größte Problem: Die Badegäste ignorieren die Absperrungen.
Tabaiba (El Rosario): Poolsanierung nach Sturm „Therese“
Auch die Gemeinde El Rosario hat einen Küstenabschnitt gesperrt: den Naturpool (Charca) von Tabaiba Baja. Zwar konnte im Juni der Zugang zum benachbarten Strand El Moro wieder geöffnet werden, doch im direkt daneben liegenden Becken ist Baden weiterhin verboten. Die Stadtverwaltung arbeitet an der Reparatur der Schäden, die das Tiefdruckgebiet (Borrasca) „Therese“ verursacht hat, sowie an einer neuen Anlage, die eine automatische Befüllung des Poolbeckens ermöglichen soll.

