Sanfte Revolution im OP-Saal: Wenn Hunde ein neues Herz bekommen
Immer mehr Hunde, vor allem kleinere Rassen und Senioren, erhalten die Diagnose Herzkrankheit. Noch vor wenigen Jahren waren die chirurgischen Möglichkeiten für diese Vierbeiner stark begrenzt. Doch das Blatt wendet sich: Einer der europäischen Vorreiter in der veterinärmedizinischen Herzchirurgie, der Endovaskulartherapie und minimalinvasiven Verfahren ist der kanarische Tierarzt Alexis Santana. Er hat nicht nur in Spanien, sondern auch international Maßstäbe gesetzt.
Der Pionier aus Spanien: Alexis Santana und die VClamp-Technik
Alexis Santana gilt als absoluter Neuerer: Im Januar 2024 führte er in Spanien die erste Mitralklappen-OP mit der sogenannten VClamp-Technik durch, ein halbes Jahr später, im Februar 2025, folgte die erste OP dieser Art in Portugal. Seit Januar 2025 ist er zudem der erste und einzige offizielle Ausbilder für diese Technik in ganz Europa. Im Kern geht es um das VClamp – ein speziell für die Tiermedizin entwickeltes Gerät, das einer kleinen Klammer ähnelt. Es wird eingesetzt, um die Mitralklappe des Herzens zu reparieren, indem es die Klappensegel zusammenführt und so das Zurückfließen von Blut in die Lunge (Regurgitation) stoppt.
Der große Unterschied zur konventionellen Chirurgie: Bisher musste oft der Brustkorb weit geöffnet, das Herz angehalten und eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Die VClamp-Methode hingegen ist deutlich weniger invasiv. Sie repariert die Klappe, anstatt sie zu ersetzen, und kommt ohne Stillstand des Herzens aus. Der Eingriff dauert in der Regel nur 30 bis 45 Minuten, der Hund muss danach etwa zwei bis drei Tage in der Klinik bleiben. Im Vergleich dazu erfordern herkömmliche, aggressivere Herz-OPs zwei bis drei Stunden Operationszeit und etwa eine Woche Krankenhausaufenthalt. Die Erfolgsquote der neuen Methode liegt bei beeindruckenden 92 bis 94 Prozent.
„Wir reparieren, statt zu ersetzen“
„Es handelt sich um eine hybride und minimalinvasive Technik“, erklärt Santana. „Wir öffnen den Brustkorb nur sehr wenig, um an die Mitralklappe zu gelangen – jene Klappe, die verhindert, dass Blut in die Lunge zurückströmt. Unser Ziel ist es, diese Insuffizienz zu reduzieren und die Lebensqualität des Patienten nachhaltig zu verbessern.“ Diese Philosophie steht im Zentrum seiner Arbeit.
Früherkennung rettet Leben: Worauf Halter achten sollten
Doch so fortschrittlich die Chirurgie auch ist – Santana betont immer wieder, wie wichtig die Eigenverantwortung der Hundehalter ist. Denn die häufigste Herzerkrankung bei Hunden, die degenerative Mitralklappenerkrankung, tritt besonders oft bei kleinen Rassen auf. „Bei Hunden unter sechs Kilogramm ist diese Erkrankung ab einem Alter von zehn Jahren sehr verbreitet. Das Problem ist, dass die Symptome oft mit normalen Alterserscheinungen oder einfacher Müdigkeit verwechselt werden“, warnt der Experte.
Das wichtigste Warnsignal ist eine erhöhte Atemfrequenz. Aber auch Husten, Erschöpfung, verminderte Belastbarkeit, Ohnmachtsanfälle oder im schlimmsten Fall plötzlicher Herztod können auftreten. Besonders gefährdete kleine Rassen sind: Yorkshire Terrier, Chihuahua, Cavalier King Charles Spaniel, Pomeranian, Dackel, Französische Bulldogge, Englische Bulldogge und Mops. Bei den großen Rassen rät Santana zu besonderer Wachsamkeit bei Boxer, Deutscher Dogge, Dogue de Bordeaux und Deutschem Schäferhund.
Vorbeugen ist besser als operieren: Die tägliche Routine zählt
Prävention ist ein weiterer zentraler Pfeiler. „Übergewicht ist einer der größten Feinde der Herz-Kreislauf-Gesundheit“, stellt Santana klar. „Fettleibigkeit, Bewegungsmangel, übermäßiger Stress oder Überanstrengung können den Zustand eines herzkranken Hundes drastisch verschlechtern.“ Der Spezialist empfiehlt eine an das jeweilige Tier angepasste Bewegungsroutine. „Den Hund ständig auf dem Arm oder im Kinderwagen zu tragen, wenn er keine Gelenkprobleme hat, fördert eine zu bewegungsarme Lebensweise. Der Hund muss sich bewegen, immer kontrolliert und seinem Gesundheitszustand entsprechend“, rät er. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen, besonders bei älteren Tieren und prädisponierten Rassen, sind unerlässlich: „Je früher wir eine Krankheit erkennen, desto besser können wir sie behandeln. In der Kardiologie macht der Faktor Zeit einen enormen Unterschied.“
Von der Praxis zur internationalen Referenz: Die Karriere von Alexis Santana
Der Weg von Alexis Santana begann in seiner eigenen Praxis, bevor er sich auf Kardiologie spezialisierte. Er absolvierte einen Master in Wissenschaft und Forschung und erweiterte seine Kenntnisse in der offenen Herzchirurgie und der Endovaskulartherapie – auch durch Hospitationen in der Humanmedizin. Seit über 18 Jahren operiert er nun am offenen Herzen. Seine Professionalität führte ihn an die Seite von Größen der endovaskulären Chirurgie. Heute operiert er nicht nur selbst, sondern bildet auch Tierärzte aus aller Welt in der Mitralklappenchirurgie und interventionellen Kardiologie aus. Er hat Eingriffe und Schulungen in Spanien, Großbritannien, Portugal, Chile und vielen anderen Ländern durchgeführt und die Kanarischen Inseln zu einem internationalen Hotspot für fortgeschrittene Veterinärkardiologie gemacht.
Zu seinen außergewöhnlichsten Fällen zählen die weltweit erste erfolgreiche Herzwurm-Operation bei einem Frettchen, Eingriffe bei Aortenthromboembolien bei Hunden, die Entfernung von als inoperabel geltenden Herztumoren sowie die bereits erwähnten ersten Mitralklappen-OPs in Spanien und Portugal.
Nicht jeder Hund ist ein Kandidat: Die Kunst der Entscheidung
Trotz aller Fortschritte warnt Santana vor übertriebener Euphorie. „Wir bekommen täglich Anfragen zur Bewertung von Patienten, aber nicht jeder ist ein Kandidat für eine OP. Es geht nicht darum, um des Operierens willen zu operieren. Wir müssen jeden Fall genau studieren, das Alter, das Stadium der Krankheit, den Allgemeinzustand und die realen Chancen auf eine Verbesserung der Lebensqualität bewerten“, stellt er klar.
Für ihn liegt die Zukunft der Tierkardiologie in der Kombination von drei Elementen: früher Diagnose, informierten Besitzern und immer schonenderen Techniken. „Die Technologie verändert die Art und Weise, wie wir Herzkrankheiten bei Hunden behandeln, aber der erste Schritt bleibt gleich: das Tier beobachten, Signale erkennen und zum Tierarzt gehen, wenn sich etwas verändert“, resümiert Santana.
Innovation für die Kleinsten: Das VET PDA OCCLUDER-System
Doch Santana denkt noch weiter. Er hat das VET PDA OCCLUDER-System entwickelt – das weltweit einzige veterinärmedizinische System zur Operation des persistierenden Ductus arteriosus (PDA). Diese angeborene Fehlbildung tritt vor allem bei Welpen auf, die weniger als drei Kilogramm wiegen. Das System ist ein Segen für die kleinsten Patienten. Die offizielle Markteinführung in Spanien erfolgte Ende 2023, seither wird es nach und nach in der ganzen Welt eingeführt. Santanas Team behandelt Patienten aus ganz Spanien und aus Ländern wie Venezuela, Mexiko, Tschechien, Andorra, Kroatien, Brasilien, Portugal und Großbritannien. Seit Mitte 2022 haben sie bereits 368 endovaskuläre Therapiefälle durchgeführt und führen jährlich rund 100 minimalinvasive Herz-OPs durch. „In der Veterinärkardiologie erleben wir einen massiven Wandel. Wir können heute Lösungen anbieten, die weniger invasiv, präziser und mit einer viel kürzeren Erholungszeit verbunden sind – für Patienten, die früher kaum eine Alternative hatten“, schließt Alexis Santana.

