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KI und Videospiele gegen Alzheimer: Kanarische Revolution

Der Schmerz einer Enkelin wird zur Mission

Maica Amadors Großmutter starb an Alzheimer. Allein in Spanien erliegen jedes Jahr mehr als 15.500 Menschen dieser neurologischen Erkrankung – eine Zahl, die jeden betroffen macht. Die junge Forscherin erlebte hautnah, wie die Krankheit ihre Familie veränderte, und stellte fest: Es gibt keine wirksamen Instrumente, um die ersten Anzeichen dieser heimtückischen Erkrankung zu erkennen. „Wir hatten das nagende Gefühl, dass wir anderen Familien helfen müssen, die dasselbe durchmachen wie wir“, erinnert sich Amador. Aus diesem Antrieb heraus entstand Sparkling Tech Solutions – ein Forschungs- und Entwicklungsunternehmen, das Videospiele, künstliche Intelligenz und angewandte Neurowissenschaften vereint.

Spielen für die Gesundheit

Das Herzstück des Unternehmens? Videospiele. Amador ist ausgewiesene Spieleforscherin, ihre Doktorarbeit drehte sich um genau dieses Thema. Dieses Wissen ließ sie erkennen, dass Videospiele weit mehr sind als bloße Unterhaltung. „Sie haben auch eine soziale und psychologische Funktion, die sich auf jeden Bereich anwenden lässt“, erklärt sie. Der entscheidende Vorteil: Wer spielt, fühlt sich nicht wie in einer neurologischen Untersuchung. Nutzer verbringen mehr Zeit auf der Plattform – und genau das ermöglicht es, wertvolle Daten zu sammeln. Diese fließen dann in die künstliche Intelligenz ein, die daraus Muster lernt. So lassen sich potenzielle Risiken oder ungewöhnliche Verhaltensweisen erkennen, die auf frühe Stadien neurodegenerativer Erkrankungen hindeuten.

Drei Projekte, ein Ziel

Sparkling arbeitet gleich an mehreren Fronten. NeuroGlint war das erste Projekt: eine Plattform, die die Emotionen von Nutzern misst, wenn sie mit bestimmten Reizen in Augmented-Reality- und Virtual-Reality-Umgebungen interagieren. Parallel dazu entwickelten die Forscher Adaia – eine emotionale Intelligenz, die laut Amador keinen Psychologen ersetzt, sondern „als virtuelle emotionale Begleiterin fungiert“. Adaia gibt Ratschläge und leitet den Nutzer an, dringend einen Psychologen oder den Hausarzt aufzusuchen, wenn die KI alarmierende Anzeichen negativer, aufdringlicher Emotionen erkennt.

Das zweite Vorhaben trägt den Namen Little Challenge. Anders als NeuroGlint verzichtet es auf virtuelle Realität und setzt auf klassische 2D- und 3D-Videospiele für Tablet, Smartphone und Computer. Dieses Projekt hat eine besonders schöne Mission: das kulturelle Erbe der Kanarischen Inseln zu bewahren und gleichzeitig die Einsamkeit älterer Menschen zu bekämpfen. Das Konzept ist generationsübergreifend – sowohl Senioren als auch Kinder im Schulalter spielen gemeinsam. Die Idee dahinter: Die Jüngeren helfen dabei, die Erinnerungen der Älteren zu bewahren. Für dieses Projekt arbeitet Sparkling auf Gran Canaria mit der Organisation Alzheimer Kanaren zusammen, um die Erinnerungen älterer Menschen zu nutzen und zu prüfen, ob das Spiel bei frühen Alzheimer-Stadien greift.

Wenn Wetter auf Demenz trifft

Das dritte Projekt ist STAR-SAT. Die Idee entstand, als die Forscher beobachteten, dass Episoden von Calima (dem typischen Saharastaub über den Kanaren) und starkem Regen auffällig oft mit vermehrten Krankenhauseinweisungen von Menschen mit Demenz zusammenfielen. „Das Projekt nutzt Satellitenbilder, um zu untersuchen, ob ein Zusammenhang zwischen atmosphärischen Variablen und dem Verhalten gefährdeter Bevölkerungsgruppen besteht“, so Amador. Ein bahnbrechender Ansatz, der Wetterdaten mit öffentlicher Gesundheit verknüpft.

Von Teneriffa in die Welt

Die Mitgründerin von Sparkling Tech Solutions hebt die enge Zusammenarbeit mit der öffentlichen Gesellschaft Proexca hervor, die auf die Internationalisierung kanarischer Firmen spezialisiert ist. Diese Unterstützung war entscheidend. So nahm das Start-up 2025 an der MyPINE-Konferenz auf Teneriffa teil, wo sie direkt mit dem Industrieminister von Paraguay ins Gespräch kamen und damit die Tür für den Export ihres Wissens ins südamerikanische Land öffneten. Auch auf der Málaga Transfiere, der großen Innovationsmesse, waren sie 2025 und 2026 vertreten – und wurden dort als Erfolgsgeschichte ausgezeichnet. Amador selbst wurde zur „relevanten Person“ ernannt, was sie als „große Ehre für das Talent der Inseln“ bezeichnet. Für Ende 2026 ist zudem der Besuch der MEDICA in Düsseldorf geplant, „der weltweit wichtigsten Messe für Medizin“.

Parallel dazu knüpft das Unternehmen Kontakte zu Universitäten und Anbietern in China, insbesondere im Technologiezentrum Shenzhen. Das Ziel: Ihre künstliche Intelligenz soll nicht nur ein Algorithmus bleiben, sondern „eine physische und greifbare Form annehmen“.

Zukunft: Kanarische Wurzeln, globaler Horizont

Für die kommende Zeit steht die Validierung ihrer Hypothesen an, gefolgt von der Prüfung durch die Ethikkommission. Danach soll die Kommerzialisierung auf den Kanarischen Inseln beginnen. Warum zuerst auf dem Archipel? „Wir wollen, dass das Wissen, das hier entstanden ist, und vor allem das Produkt selbst, hier auf den Inseln bleiben“, betont Amador. Erst nach der Etablierung auf den Kanaren soll der Sprung auf das spanische Festland und schließlich in internationale Märkte erfolgen. Ein ambitionierter Plan, der zeigt: Die Zukunft der Alzheimer-Forschung könnte aus den Kanaren kommen – mit einem Controller in der Hand und KI im Hintergrund.

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