stadion gran canaria kritik 235 millionen

235-Millionen-Stadion: Empörung auf Gran Canaria

Protest gegen Millionen-Projekt

Mehr als zwanzig Organisationen und politische Parteien auf Gran Canaria haben die Annullierung der neuen Ausschreibung für die Stadionreform gefordert. Das gab die Inselregierung (Cabildo) am Freitag bekannt. Das Budget für das Prestigeprojekt wurde demnach auf 235 Millionen Euro erhöht – eine Steigerung von 34,51 Prozent beziehungsweise 60,3 Millionen Euro im Vergleich zur ersten, erfolglos gebliebenen Ausschreibung mit einem Volumen von 174,7 Millionen Euro.

„Geldverschwendung“ in der Wohnungskrise

Die kritischen Stimmen sind empört: Sie werfen der Politik vor, in Zeiten einer akuten Wohnungsnot auf Gran Canaria eine „Geldverschwendung“ ohnegleichen zu betreiben. Insgesamt 174 Millionen Euro der geplanten Summe würden direkt aus öffentlichen Kassen stammen – vom Cabildo, der Kanarischen Regierung und der Stadtverwaltung von Las Palmas. Zeitgleich hätten mehr als 42 Prozent der kanarischen Bevölkerung Schwierigkeiten, eine angemessene Wohnung zu finden. In Städten wie Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife übersteigen die Mietpreise inzwischen die Hälfte des Durchschnittsgehalts. Fast 20 Prozent der Wohnungen auf den Kanaren stünden entweder leer oder würden als Ferienwohnungen touristisch vermietet, so die Kritiker.

„Es ist intolerabel, eine derartige Summe öffentlicher Gelder in ein Bauprojekt zu stecken, das keine Priorität hat“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. „Diese Investition könnte einen Großteil der Wohnungsnot auf der Insel lösen.“ Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem die Gewerkschaften COBAS, Intersindical Canaria und STEC sowie die Parteien Podemos Canarias, PCC und Reunir.

Kritik am Modell: Öffentliches Stadion wird privatisiert

Ein weiterer zentraler Vorwurf der Gegner richtet sich gegen das Finanzierungs- und Betreibermodell. Das ursprüngliche Konzept sah ein Olympisches Stadion vor, das als offene Sportstadt für alle Disziplinen und den gesamten kanarischen Sport konzipiert war. Nun aber werde dieser öffentliche Sportnutzen „gekapert“, so die Kritiker. Die Verwaltung des Stadions und seiner Anlagen solle an die Unión Deportiva Las Palmas übergeben werden – eine kapitalgesellschaftlich organisierte Sport-Aktiengesellschaft, die nach privatem Recht geführt wird, deren Kapital in der Hand eines einzelnen Aktionärs liegt und deren Leitung ein privater Verwaltungsrat innehat.

Politischer Sprengstoff: Kritik an Marokko und der WM 2030

Die Unterzeichner gehen in ihrer Kritik noch weiter und verknüpfen das Stadionprojekt mit der Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaft 2030. Diese sei aus ihrer Sicht nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern legitimiere die „königliche Diktatur Marokkos und den Genozid am saharauischen Volk“. Die WM-Kandidatur werde von Marokko angeführt – einem autoritären Regime, das die Westsahara illegal besetzt halte und das saharauische Volk ständig unterdrücke. Dass ein Finale womöglich in diesem Land stattfinden könne, sei kein Zufall. Es sei das Ergebnis der Ausrichtung der westlichen Mächte und des spanischen Staates auf ein Regime, das die Menschenrechte verletze und die Besatzung aufrechterhalte. „An diesem Ereignis teilzunehmen, macht uns zu Komplizen des Völkermords an einem Brudervolk“, heißt es wörtlich.

Die Vorwürfe richten sich ausdrücklich auch gegen die lokalen Entscheidungsträger: Die Inselregierung unter Antonio Morales (Nueva Canarias), die Kanarische Regierung unter Fernando Clavijo (Coalición Canaria) und die Stadtverwaltung von Las Palmas unter Carolina Darias (PSOE) – unterstützt von der Opposition aus PP und Vox – füllten ihre Reden mit Solidaritätsbekundungen und der Verteidigung der Menschenrechte gegenüber Marokko. „Doch wenn es um die kanarische und saharauische Bevölkerung geht, verpuffen die Worte: In der Praxis unterstützen sie das marokkanische Regime, das die Westsahara besetzt, die Fischereiressourcen vor unseren Küsten ausplündert und die Migration als politische Waffe gegen die Kanaren einsetzt“, so der Vorwurf. „Sie predigen Solidarität und praktizieren Verrat.“

Forderungen der Initiativen

Die Organisationen fordern daher den sofortigen Rückzug der neuen Ausschreibung. Besonders an Nueva Canarias und die PSOE appellieren sie, ihre Unterstützung zu überdenken. „Die kanarischen Interessen und die echte Solidarität mit dem saharauischen Volk zu verteidigen, erfordert Kohärenz, nicht Komplizenschaft. Für den Wohnungsbau, für das öffentliche Eigentum und gegen die Heuchelei derer, die behaupten, das Volk zu verteidigen, während sie es verkaufen“, heißt es abschließend.

Neben den bereits genannten Gruppen haben zahlreiche weitere Organisationen das Schreiben unterzeichnet: Sindicato de Gremios Unidos, Movimiento de Trabajadoras y Trabajadores de Canarias, Frente Sindical, Sindicato Obrero de Canarias, Federación Sindical de Canarias, Unidad del Pueblo, Canarias Insumisa, Partido Feminista de España, Verdes Canarias, Foro por la Memoria de Canarias al Servicio de La República, ASR Antifascista Elsa Wolf, Alternativa Sindical Obrera de Canarias, Kellys de Canarias, Asociación Siembra Canaria und die Red de Solidaridad Popular de Jinámar.

Source

Nach oben scrollen
Share via
Copy link