Ein kleines Stück Optimismus
Der kanarische Einzelhandel will an die guten Ergebnisse der vergangenen Sommer-Schlussverkäufe anknüpfen – auch wenn die wirtschaftliche Lage in diesem Jahr nicht mit der des Jahres 2025 zu vergleichen ist. Die Unsicherheiten durch den Krieg im Nahen Osten, der Rückgang der Touristenzahlen und eine immer enger werdende Konsumlaune haben die Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2026 ausgebremst. Dennoch zeigt sich die Branche zuversichtlich: Man hofft auf eine gute Saison, will zumindest die Vorjahreszahlen erreichen oder diese sogar leicht übertreffen. Um das zu schaffen, wollen die Händler die kurze Rabattsaison mit Nachdruck starten – die größte Dynamik wird in der ersten Woche erwartet – und bieten bereits ab dem letzten Juni-Wochenende massive Preisnachlässe an.
Die schwierige Ausgangslage
„Wir hoffen auf eine gute Kampagne und sind optimistisch, trotz der Entwicklung der Verkaufszahlen in den letzten Monaten“, erklärt Abbas Moujir, Präsident des Verbands der urbanen Einkaufszonen der Kanaren (Fauca). Er erinnert daran, dass der kanarische Handel im vergangenen April den ersten Dämpfer bei den Umsätzen hinnehmen musste – nach mehr als fünf Jahren, in denen die Zahlen Monat für Monat gestiegen waren. Der vom spanischen Statistikamt (INE) veröffentlichte Index verzeichnete für die Kanaren einen Rückgang von 0,7 Prozent. Dabei hatte die Inselgemeinschaft zuvor bei den Umsatzsteigerungen im spanischen Handelsspitzenreiter gehört.
Diese Abkühlung ist im kanarischen Handel deutlich spürbar, bestätigt auch Alfredo Medina, Generalsekretär des Verbands der mittleren und großen Handelsunternehmen auf den Kanaren (Asodiscan). „Die Verbraucher sind sehr verunsichert. Die Anspannung und Unsicherheit durch den Krieg führen zu einem viel rationaleren Einkaufsverhalten. Bei den Ausgaben haben Grundbedürfnisse Vorrang“, so Medina.
Die Abhängigkeit vom Tourismus
Die Branche führt den Umsatzrückgang auch auf den Einbruch der Touristenzahlen zurück. Im April verzeichnete die Branche den ersten herben Rückschlag seit sieben Jahren: Die Zahl der internationalen Urlauber sank um 8,3 Prozent. „Das zeigt deutlich, wie abhängig wir vom Tourismus sind und wie sehr dieser Mangel die ergänzenden Wirtschaftszweige wie den Handel trifft“, betont Moujir. Allerdings stellen die Händler klar: Die eigentliche Zielgruppe der Sommer-Rebajas – die sich stark auf Urlaubsausstattung konzentrieren – ist die einheimische Bevölkerung.
Wann und mit welchen Rabatten?
Auch wenn die Saison seit der Liberalisierung des Schlussverkaufs (der Handel kann nun zu jeder Jahreszeit Rabatte anbieten) weniger klar umrissen ist, nutzen die Kanaren die Sommer-Rebajas gezielt für typische Saisonartikel. Die Garderobe für den Urlaub erneuern, für Reisen einkaufen, die Terrasse für das schöne Wetter ausstatten oder sich frühzeitig auf den Schulanfang vorbereiten – das sind die Klassiker, die besonders gut laufen.
Der Start der Sommer-Rebajas ist heute weniger klar definiert als der der Winter-Rebajas, die traditionell am 7. Januar beginnen. In diesem Jahr gibt es eine größere Bandbreite: Obwohl der 1. Juli lange als Starttermin galt, werden viele Händler die Rabatte bereits am Wochenende des 27. und 28. Juni beginnen lassen. Und mit welchen Rabatten können die Kunden rechnen? Allgemein werden in den ersten Tagen 50-Prozent-Angebote dominieren, doch die Branche geht davon aus, dass die Nachlässe im Laufe der Tage auf bis zu 70 Prozent steigen können.
Die Schattenseiten der Liberalisierung
„Die Verkäufe werden definitiv höher sein als im Mai und Juni, aber seit der Liberalisierung ist die Schlagkraft der Sommer-Rebajas deutlich geringer. Es gibt andere Perioden im Jahr mit viel höheren Umsätzen“, erklärt Raju Daswani, Präsident des Handelsverbands von Las Palmas (Fedeco). Auch er verweist auf die allgemeine Unsicherheit. „Die Branche ist zwar optimistisch, aber niemand weiß, wie positiv die Entwicklung wirklich sein wird, denn die Geschäfte kämpfen mit erheblichen Mehrkosten durch den Krieg im Iran, die vor allem den kleinen Handel treffen.“ Deshalb sei jeder Umsatzanstieg zwar willkommen, „aber die Ergebnisse werden nicht so sein, dass man die Sektkorken knallen lässt“, so Daswani.
Der Kampf gegen den Online-Handel
Daswani weist auf einen weiteren Faktor hin, der in den letzten Jahren die Ergebnisse der Sommer-Rebajas für die stationären Geschäfte auf dem Archipel geschmälert hat: den Online-Handel. „Die jungen Generationen kaufen fast nur noch online, und viele andere Kunden steigen wegen der Verkehrsstaus in Santa Cruz de Tenerife, Las Palmas de Gran Canaria und anderen Einkaufszonen der Inseln ebenfalls auf diesen Weg um“, beklagt er. Deshalb setzt er Hoffnungen in die neuen Pflichtabgaben, die die Europäische Union (EU) ab Juli auf Online-Einkäufe aus Drittstaaten erheben wird. Eine weitere Entlastung erhofft er sich, falls die Kanaren beschließen sollten, die Befreiung von der kanarischen Steuer IGIC für Einkäufe unter 150 Euro abzuschaffen.

