Ein Zuhause auf Rädern mit Meerblick
Kaum lugt die Sonne hinter dem Bergmassiv von Anaga hervor, erwacht der Campingplatz Punta del Hidalgo aus dem Schlaf. Die Luft ist schwer von Salz, und die Brandung donnert nur knapp 20 Meter entfernt gegen die vulkanische Küste. Für alle, die ihre Ferien im Freien verbringen, unter freiem Himmel übernachten und die Sterne zählen möchten, ist dies ein ganz besonderer Ort. „Es ist, als würde man seine Wohnung auf dem Rücken tragen“, sagt Antonia Lorenzo, eine Camperin, die hier mit ihrem Wohnmobil steht, während sie eine Bolognese-Soße auf dem Gaskocher umrührt. Das Problem: Auf Teneriffa gibt es nur wenige solcher Plätze. Dieser „Hotelfreiplatz“ ist einer von nur zwei offiziell zugelassenen Campingplätzen auf der Insel und der einzige, der von einer Gemeinde betrieben wird – in diesem Fall von La Laguna.
Ein Ganzjahresplatz für die „Caravan-Community“
Die jüngsten Modernisierungen machen den Platz diesen Sommer nun für jedermann nutzbar. „Man kann Wohnmobilisten nicht mehr diskriminieren“, erklärt Julio José Plasencia, Vorsitzender des Vereins „Grupo Amigos de la Naturaleza“ (ASGAN), der die Caravan-Szene auf den Kanaren vertritt. Er steht auf dem Campingplatz mit seinem atemberaubenden Meerblick und betont, dass Tausende Reisende auf die Insel kommen, um genau solche Erlebnisse zu suchen. „Wir wollen nicht den ganzen Tag irgendwo auf der Straße herumstehen. Wir brauchen Plätze mit allem Service“, fordert er. Kaum ist der Tag angebrochen, noch mit Schlaf in den Augen, dient das Kreischen der Möwen als Wecker. Der Duft von frisch aufgebrühtem Bialetti-Kaffee auf den Gaskochern und getoasteten Butterbroten liegt in der Luft. Antonia kocht, während ihre Enkelin neben ihr frühstückt, die Temperaturen werden auf Parzelle 57 langsam angenehmer.
Freiheit und Gemeinschaft unter Palmen
Während sie von ihren Reisen zwischen den Inseln in ihrem rollenden Zuhause erzählt, schwärmt sie von der Freiheit, die dieses Leben bedeutet: „Mit dem Wohnwagen kommst du an einen Ort, bleibst, verbringst die Nacht und am Morgen fährst du weiter, wenn du Lust hast.“ Dieses Leben lebt sie seit über drei Jahren – ihr Bruder nennt sie deshalb liebevoll die „Schnecke“. Als die kühle Brise vom Meer aufkommt, kocht Antonia eine Buchstabensuppe für ihre Freundinnen. Auf Parzelle 32 ist Jonay Siberio, ein weiterer Dauercamper, mit den morgendlichen Pflichten beschäftigt: Frühstücksgeschirr spülen und nasse Wäsche aufhängen. Für Jonay bietet der Platz genau das, was er und seine Kinder brauchen – nicht nur die natürlichen Meerwasserschwimmbecken, sondern auch die vielen Aktivitäten in der Umgebung. „Die Lage ist perfekt: Wir baden, gehen ins Skateparks oder zum Basketballplatz da oben“, sagt er und lobt die Ruhe seines Urlaubsalltags.
Komfort und günstige Preise auf 24.000 Quadratmetern
Die Anlage erstreckt sich über 24.000 Quadratmeter und umfasst 78 Parzellen mit Platz für über 300 Personen, die meisten mit Stromanschluss. Dazu kommen Sanitäranlagen, zahlreiche Duschen, Außenwasserhähne, elektrische Boiler, Parkplätze für 89 Fahrzeuge und eine barrierefreie Gestaltung. Die Preise für einen Aufenthalt von 1 bis 14 Tagen: 5,10 Euro pro Nacht für Wohnmobile, 4,50 Euro für Wohnwagen und 4,20 Euro für Zelte, zuzüglich 2,10 Euro pro Erwachsenem (1,50 Euro für Kinder unter 13), eine Festgebühr von 1,50 Euro für Strom, 2,10 Euro für ein Auto und 1,50 Euro für ein Motorrad. Bei längeren Aufenthalten sinken die Preise. Im südlichen Teil des Platzes befindet sich der Sanitärbereich, der ebenso wie die Waschküche kürzlich renoviert wurde. Carmen Rosa Hernández, Ingenieurin und Bauleiterin der Gemeinde La Laguna, bestätigt: „In einem Jahr wurde massiv investiert. Wir haben ein behindertengerechtes Bad gebaut, das sowohl für Rollstuhlfahrer als auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität geeignet ist.“
Nächte unter Sternen und eine Gemeinschaft, die zusammenhält
Am Abend beginnen die Parzellen mit Lampions zu leuchten, die in den Hecken zwischen den Stellplätzen hängen. „Die Nächte sind sehr ruhig. Niemand stört einen“, erzählt Jonay. „Die Leute sind respektvoll und machen keinen Lärm.“ Jemand, der die Anwesenden als „Gemeinschaft“ bezeichnet, fügt hinzu: „Wir lernen hier Leute von anderen Campingplätzen kennen, die Atmosphäre ist sehr familiär.“ An besonderen Abenden ist es für die Bewohner von Parzelle 57 Tradition geworden, unter dem Sternenhimmel im Meer zu baden. „Wir haben hier schon dreimal Silvester gefeiert“, erinnert sich Antonia und nutzt die Gelegenheit, mit ihrer Familie das erste Nachtbad des Jahres zu nehmen.
Rundum erneuert: Jetzt 365 Tage im Jahr geöffnet
Neben den bereits genannten Renovierungen – die Restaurierung des Hauptgebäudes und die Schaffung neuer Bereiche wie einer Kinderspielecke – hat sich auch etwas Grundlegendes geändert: die Öffnungszeiten. Der Campingplatz ist nun 365 Tage im Jahr geöffnet, während er früher nur zu bestimmten Saisons, Feiertagen oder Wochenenden sowie in den Sommerferien in Betrieb war. „Unser größter Wunsch war eine Ganzjahresöffnung, und das haben wir endlich erreicht. Das war ein voller Erfolg“, fasst Julio José Plasencia zufrieden zusammen.
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