Aufbereitet mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage spanischsprachiger Informationen. Quelle unter dem Artikel.
Ein Milliardär mit Blick auf den Archipel
Die Kanarischen Inseln spielen plötzlich eine wichtige Rolle im Geschäftsimperium von Alejandro Betancourt. Der venezolanische Unternehmer hat sich in kürzester Zeit von einem Akteur der lateinamerikanischen Geschäftswelt zu einem zentralen Baustein der Venezuela-Strategie von US-Präsident Donald Trump entwickelt. Doch nun richtet sich sein Fokus auch auf die Energiepotenziale der Inseln – und das hat Gewicht, bedenkt man die Dimension seiner Person.
Betancourt, der mit gerade einmal 46 Jahren zum Magnaten aufgestiegen ist und maßgeblich dafür sorgte, dass die USA Zugriff auf einen Teil der venezolanischen Ölreserven erhielten, preist auf seiner Unternehmensplattform die Möglichkeiten des Archipels bei den erneuerbaren Energien an – insbesondere bei der Offshore-Windkraft und der Geothermie. Es handelt sich dabei nicht um direkte Investitionen. Seine Verbindung zu den Kanaren beschränkt sich derzeit auf Interessenbekundungen, Analysen und die Förderung von Geschäftschancen. Doch es ist durchaus bemerkenswert, wenn ein Oligarch, der nach dem jüngsten Abkommen zwischen den USA und dem post-maduroistischen Venezuela ins Rampenlicht der Weltpresse gerückt ist, sich ausgerechnet mit den Kanarischen Inseln beschäftigt.
Offshore-Windkraft: Eine Zukunftsfrage mit klarer Antwort
In seinen Publikationen widmet er sich unter anderem der Offshore-Windkraft. In einem Text stellt Betancourt eine Frage, die sein Interesse an dieser Branche und an den Inseln auf den Punkt bringt: „Gibt es eine Zukunft für die Offshore-Windenergie?“ Seine Antwort ist unmissverständlich: „Angesichts einer langen Liste von Vorteilen scheint die Antwort ja zu sein.“
In demselben Artikel argumentiert er, dass die Offshore-Windkraft „viel mehr zu bieten“ habe als Onshore-Alternativen. Er hebt hervor, dass der Wind auf dem Meer „deutlich stärker“ sei, was es den Rotorblättern ermögliche, mehr Stunden im Jahr Strom zu erzeugen. Gleichzeitig unterstreicht er „die Förderungen, die auf den Kanaren“ für solche Projekte gewährt werden.
Besonders konkret wird es, wenn der Text das Projekt Gofio erwähnt, das die Firma Greenalia vor der Südostküste Gran Canarias vorantreibt. Geplant sind vier schwimmende Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 50 Megawatt. Laut den von Betancourt veröffentlichten Informationen könnte das Projekt künftig rund 70.000 Haushalte mit Strom versorgen und den Ausstoß von 140.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermeiden.
Geothermie: Das vulkanische Erbe als Trumpf
Auch die Geothermie – also die Nutzung der im Erdinneren gespeicherten Wärme – nimmt auf seiner Plattform einen großen Stellenwert ein. Und hier rücken die Kanaren noch stärker in den Fokus. „Als Region vulkanischen Ursprungs sind die Kanaren der große Favorit für die Stromerzeugung aus Geothermie“, erklärt der Unternehmer. Er fügt hinzu, dass die Inseln die „einzige Region“ Spaniens seien, die über die notwendigen hohen Temperaturen verfügen, um diese Ressource wirtschaftlich zur Stromgewinnung zu nutzen.
Sein Interesse bleibt jedoch nicht rein geografischer Natur. In seinen Ausführungen erwähnt er, dass es auf den Kanaren mehr als 40 Unternehmen mit geothermischen Anlagen für Warmwasser und Klimatisierung gibt – viele davon in der Tourismusbranche. Als Vorbilder für eine mögliche Entwicklung auf den Inseln nennt er die Azoren und Island, wo die Geothermie bereits eine Schlüsselrolle in der Energieversorgung spielt.
Vom „Bolichico“ zum globalen Player
Betancourt gehört zu jener Gruppe junger venezolanischer Geschäftsleute, die als die „Bolichicos“ bekannt wurden. Diese Bezeichnung begleitete die Gruppe seit ihren ersten großen Deals im venezolanischen Energiesektor während der Regierungszeit von Hugo Chávez. Seine internationale Expansion begann früh und erstreckte sich schnell auch auf Spanien, wo zwischen 2009 und 2012 verschiedene Gesellschaften der Gruppe registriert wurden und umfangreiche Immobilien in Madrid und Toledo angekauft wurden.
Der Erwerb von „El Castillo del Alamín“ war sogar Gegenstand eines Berichts an die spanische Finanzpolizei UDEF, der vor einem „möglichen Geldwäscheverdacht“ bei der Transaktion warnte. Dieser Vorgang war Teil der Ermittlungen im Rahmen des sogenannten Falles Marsans, wurde allerdings später eingestellt. Die juristischen Kontroversen begleiten Betancourt bis heute, wobei er seine Investitionen längst auf andere Sektoren wie Technologie und Mode ausgeweitet hat – so ist er Hauptaktionär der Brillenmarke Hawkers.
Gerade jetzt gerät er erneut ins Visier der Justiz: Die spanische Audiencia Nacional hat in diesem Sommer eine Untersuchung wegen mutmaßlicher Geldwäsche und Steuerbetrugs wieder aufgenommen, nachdem der zuständige Richter Santiago Pedraz das Verfahren zunächst eingestellt hatte. Die spanischen Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit mutmaßlichen Geschäften, die mit Mitteln des venezolanischen Ölkonzerns PDVSA in Verbindung stehen, sowie mit dem anschließenden Verbleib des Geldes. Auch in der Schweiz laufen Ermittlungen gegen den Unternehmer, und in den USA wurden Geschäfte mit möglichem Geldwäschebezug geprüft. Betancourt wurde weder verurteilt noch in den USA, Spanien, der Schweiz oder Venezuela offiziell angeklagt und bestreitet jegliches Fehlverhalten.
Allerdings wurde er im September 2025 in London auf Ersuchen der spanischen Justiz wegen des Vorwurfs der Geldwäsche festgenommen und kam anschließend gegen Kaution wieder frei.
Nähe zu Trump und neue Ölgeschäfte
Parallel zu diesen juristischen Altlasten ist seine internationale Bedeutung gewachsen – vor allem durch seine Nähe zur Trump-Administration. Über sein Unternehmen North American Blue Energy Partners, an dem er die absolute Kontrolle hält, ist er zu einer zentralen Figur der neuen US-Strategie für das venezolanische Öl geworden. Die Firma hat sich die Rechte zur Ausbeutung von 17 Ölfeldern in Venezuela gesichert. Die USA halten 35 Prozent an der Unternehmensstruktur und erhalten bevorzugte Konditionen beim geförderten Rohöl. Dieses Geschäft hat Betancourt ins Zentrum einer neuen Energie-Architektur zwischen Washington und Caracas katapultiert.
Doch sein unternehmerischer Aktionsradius beschränkt sich nicht auf die Achse Venezuela-USA-Spanien. Er hat auch den Senegal ins Visier genommen – ein Land, das im Einflussgebiet der Kanaren liegt. Betancourt zählt zu den wichtigsten Partnern und Aktionären der BDK Financial Group, die 2015 die Eröffnung der Banque de Dakar vorantrieb, mit dem Ziel, im frankophonen Afrika zu expandieren.
Der Drahtseilakt zwischen Öl und Ökologie
Während er auf den Kanaren über Dekarbonisierung, „nachhaltiges Wachstum“ und erneuerbare Technologien spricht, ist sein aktuell größter geschäftlicher Wurf eng mit dem venezolanischen Erdöl verbunden. In seinem Artikel über die Offshore-Windkraft definiert er diese Energie als eine der Quellen, „die den Wandel hin zu nachhaltigem Wachstum ermöglichen“, während seine internationale Tätigkeit derzeit eng mit fossilen Brennstoffen verknüpft ist. Diese Widersprüchlichkeit gehört zu seiner Geschichte.
Betancourt muss heute keine Anlage auf den Kanaren besitzen, um den Archipel auf seinem Radar zu haben. Es genügt ein Blick darauf, welche Sektoren er auf seiner eigenen Plattform hervorhebt und welche Eigenschaften des Territoriums er für nutzbar hält: die Offshore-Windkraft wegen der Windverhältnisse und der Wassertiefen, die Geothermie wegen des vulkanischen Ursprungs der Inseln und nicht zuletzt die Lage des Archipels zwischen Europa, Amerika und Afrika. All das macht die Kanarischen Inseln zu einem Raum, der perfekt in die Logik seiner internationalen Expansionsstrategie passt.
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