Schluss mit Qualm am Strand: Die neue Anti-Tabak-Gesetzesnovelle
Die spanische Regierung hat einen weitreichenden Gesetzesentwurf zur Bekämpfung des Tabakkonsums verabschiedet, der auch das Rauchen auf den Kanarischen Inseln grundlegend verändern wird. Das neue Gesetz, das der Ministerrat am Mittwoch gebilligt hat, erweitert die rauchfreien Zonen drastisch, verbietet das Rauchen für Minderjährige und verschärft die Werbe- und Verkaufsbeschränkungen für Tabakwaren und E-Zigaretten. Doch Vorsicht: Die Reform ist noch nicht in Kraft. Der Entwurf muss nun das spanische Parlament passieren, wo er vor der endgültigen Verabschiedung noch Änderungen erfahren kann. Wir fassen die wichtigsten Neuerungen und ihre Auswirkungen auf den Archipel zusammen.
Wo gilt künftig ein absolutes Rauchverbot?
Die Reform erweitert die Liste der rauchfreien Orte massiv. Sollte der Gesetzesentwurf unverändert verabschiedet werden, wäre das Rauchen und Dampfen an folgenden Orten nicht mehr erlaubt:
- Auf den Terrassen von Bars, Cafés und Restaurants
- An allen Meeres- und Flussstränden
- In Sportanlagen
- In Nationalparks
- Auf Veranstaltungsgeländen für öffentliche Shows
- In Theatern, Kinos, bei Konzerten und anderen Events, selbst wenn sie im Freien stattfinden
- In Dienstfahrzeugen, es sei denn, diese werden ausschließlich für private Zwecke genutzt
Darüber hinaus gilt ein Rauchverbot in einem Umkreis von mindestens 15 Metern um Eingänge zu Gesundheitseinrichtungen, Schulen, Universitäten, öffentlichen Gebäuden, Kultur- und Sportstätten sowie Spielplätzen. Sobald das Gesetz in Kraft tritt, haben die betroffenen Orte zwei Monate Zeit, um ihre Beschilderung anzupassen.
Gilt das Rauchverbot auch auf Terrassen? Ja, und das ist ein Knackpunkt
Die Antwort ist ein klares Ja. Das neue Gesetz schließt die Terrassen von Bars, Restaurants und Cafeterien explizit in die Liste der rauchfreien Zonen ein. Bisher war das Rauchen in den Innenräumen der Lokale verboten, für Terrassen gab es jedoch kein generelles Verbot. Mit der Reform will die Regierung die unfreiwillige Belastung durch Tabakrauch und die Emissionen von E-Zigaretten reduzieren. Die Maßnahme wird von den Gesundheitsbehörden unterstützt, stößt jedoch in Teilen der Gastronomiebranche auf Widerstand.
Strände: Von der freiwilligen Initiative zur gesetzlichen Pflicht
Ja, auch alle Meeres- und Flussstrände sind von der Prohibition betroffen. Der Archipel verfügt bereits über 79 rauchfreie Strände. Der Kanarische Gesundheitsdienst fördert seit 2023 das Programm „Playas sin Humo de Canarias“ (Rauchfreie Strände der Kanaren), dem sich bekannte Strände wie Las Teresitas auf Teneriffa und Las Canteras auf Gran Canaria angeschlossen haben. Diese Initiativen decken jedoch nur rund 15 Prozent der mehr als 500 Strände des Archipels ab. Mit der neuen Regelung wird das Rauchverbot nicht mehr von Gesundheitsprogrammen oder kommunalen Verordnungen abhängen, sondern für alle Strände auf den Kanaren gelten.
Jugendschutz: Rauchverbot für Minderjährige wird endlich gesetzlich verankert
Eine der wichtigsten Neuerungen ist das ausdrückliche Verbot für Minderjährige unter 18 Jahren, Tabak zu rauchen oder E-Zigaretten zu dampfen. Die bisherige Rechtslage untersagte lediglich den Verkauf und die Abgabe von Tabak an Minderjährige, nicht aber den Konsum an sich. Die Reform will diese Gesetzeslücke schließen. Diese Maßnahme ist auf den Kanarischen Inseln von besonderer Bedeutung, wo über 12.400 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren regelmäßig rauchen. Das entspricht 10,7 Prozent der Jugendlichen in dieser Altersgruppe auf den Inseln. Das Durchschnittsalter für den ersten Tabakkonsum liegt bei etwa 14 Jahren.
Leichte Verstöße können mit Geldbußen zwischen 300 und 600 Euro geahndet werden. Ist der Täter minderjährig, können die Eltern oder gesetzlichen Vormünder subsidiär haftbar gemacht werden. Die Geldstrafe kann jedoch auch durch gemeinnützige Arbeit ersetzt werden.
E-Zigaretten und Vapes: Gleichstellung mit herkömmlichen Zigaretten
Ja. Die Reform stellt E-Zigaretten und Vapes in allen verbotenen Zonen mit herkömmlichen Tabakprodukten gleich. Dies betrifft sowohl nikotinhaltige als auch nikotinfreie Geräte. Ebenfalls eingeschlossen sind Wasserpfeifen (Shishas), Kräuterprodukte und andere Geräte, die den Rauchakt imitieren. Nikotinbeutel sind von dieser generellen Gleichstellung ausgenommen, bleiben aber für Minderjährige verboten.
Die Nutzung von E-Zigaretten ist unter kanarischen Jugendlichen bereits weit verbreitet. Während im letzten Jahr 15,6 Prozent der kanarischen Jugendlichen Tabak rauchten, hatten 35,9 Prozent bereits E-Zigaretten oder ähnliche Geräte ausprobiert. Der Konsum von Vapes übersteigt damit den von herkömmlichen Zigaretten deutlich. Das neue Gesetz wird den Verkauf und die Abgabe dieser Produkte zudem auf spezialisierte Geschäfte beschränken.
Werbung und Verkauf: Das Ende der Tabakwerbung im öffentlichen Raum?
Ja. Die Reform verschärft die Beschränkungen für Werbung, Verkaufsförderung und Sponsoring für Tabak und verwandte Produkte erheblich. Die Verbote gelten für das Internet, Verkaufsautomaten und audiovisuelle Medien. Es wird auch nicht mehr erlaubt sein, diese Produkte in Programmen, Videos oder Bildern zu zeigen oder Werbung anzubringen, die von außerhalb der Verkaufsstellen sichtbar ist.
Zahlen und Fakten: Der Tabakkonsum auf den Kanaren im Rückgang
Der Tabakkonsum auf den Kanarischen Inseln ist in den letzten Jahren zwar zurückgegangen, betrifft aber immer noch einen erheblichen Teil der Bevölkerung. Laut der Gesundheitsumfrage der Kanaren von 2021 sank die Prävalenz des Rauchens in sechs Jahren von 26,2 Prozent auf 19,9 Prozent. Trotz dieses Rückgangs gibt es auf dem Archipel rund 375.000 Raucher.
Der Weg zur endgültigen Verabschiedung
Die Reform muss noch das parlamentarische Verfahren durchlaufen. Der Entwurf kann während der Beratungen im spanischen Parlament noch geändert werden und bedarf einer endgültigen Zustimmung. Sobald das neue Anti-Tabak-Gesetz im offiziellen Staatsanzeiger (BOE) veröffentlicht ist, tritt es nach 20 Tagen in Kraft.

