Eine Entdeckung nach dem Lockdown
Dácil Hernández hat die Romería von Los Realejos erst so richtig für sich entdeckt, nachdem die Pandemie vorbei war. „Früher bin ich mal gekommen, mal nicht“, erzählt sie. Als die Feierlichkeiten nach dem Corona-bedingten Stillstand wieder aufgenommen wurden, entschied sie sich bewusst für Tradition statt Strandurlaub. Und das bis heute. „Seitdem habe ich keine einzige Ausgabe verpasst. Keine Ahnung, ob es am Alter liegt, aber es war, als hätte ich den Dreh rausgehabt“, erklärte die Einwohnerin von Los Realejos am vergangenen Sonntag vor dem Start der Romería zu Ehren von San Isidro Labrador und Santa María de la Cabeza. „Es ist die beste, absolut authentisch“, fügte sie hinzu.
Authentizität vom Feinsten
Der Beginn des Umzugs von der Pfarrkirche des Apostels Santiago schien Dácil in ihrem Urteil über die Echtheit des Festes recht zu geben. Die Bewohner von Sabinosa auf El Hierro mit ihren uralten Klängen, Santa María de la Cabeza, getragen von einer Gruppe von Frauen, San Isidro Labrador, geschultert von Männern, und eine allgemeine Atmosphäre, die vor Brauchtum nur so strotzte. Und das alles mit der bezaubernden Kulisse der Hänge von El Asomadero bis Tigaiga, über die mehrere Gleitschirmflieger hinwegsegelten. Um die Temperaturen etwas zu mildern, zeigte sich die „Panza de Burro“ (wörtlich: Eselsbauch), jene typische Wolkendecke des Nordens, die bereits einem berühmten Roman seinen Titel gab.
Ein Mann, ein Hut und eine Menge Tradition
Zum Bild gehörte auch Manuel Pérez mit seinem passenden Hut. Er ist ein Bewohner von La Laguna, der inzwischen bei den Romerías auf Teneriffa nicht mehr wegzudenken ist, da er stets mit speziell für den Anlass gefertigten Kopfbedeckungen erscheint. „Es lebe San Isidro!“, war zu hören, als der Heilige den Platz erreicht hatte. „Heute ist einer der glanzvollsten Tage im Festkalender unserer Gemeinde“, lobte Bürgermeister Adolfo González in den ersten Momenten des Umzugs. Der Stadtrat hob auch die Anzahl der Festwagen und Gruppen hervor. Konkret beteiligten sich alle Vereinigungen, die am Vortag am 51. Festival der Inseln teilgenommen hatten, sowie sämtliche Folkloregruppen von Los Realejos. Hinzu kamen fast hundert Festwagen, geschmückte Karren und Motorhacken.
Ein „anderer Tag“ für Besucher von außerhalb
Eine Gruppe von Freunden aus Tacoronte befand sich unter den tausenden Besuchern. Aarón, Yaiza, Carlos und Tamara hatten sich entschlossen, nach Los Realejos zu fahren, um einen „anderen Tag“ zu erleben. „Wir waren letztes Jahr schon hier und es hat uns gefallen, weil es eine ruhige Romería ist, bei der man eine gute Stimmung spürt“, betonte Yaiza, während der Zug sich langsam durch die steilen Gassen von Los Realejos auf dem gewohnten Weg bewegte. „Man merkt, dass die Leute Lust haben, Spaß zu haben“, fügte Carlos hinzu.
Kleiderordnung und kulinarische Genüsse
Die Romería von Los Realejos, die den krönenden Abschluss des umfangreichen Programms der Maifeste der Gemeinde bildet, hat sich zum Ziel gesetzt, den korrekten Gebrauch der traditionellen Tracht zu einem ihrer Markenzeichen zu machen. Deshalb startete die Gemeindeverwaltung bereits 2012 die Kampagne „Como debe ser“ (Wie es sich gehört), die über Workshops in die Schulen und auch in andere Bevölkerungsgruppen getragen wurde. Obwohl es ein schwieriges Ziel ist, zeigte man sich im Rathaus an diesem Sonntag überzeugt, dass die Früchte der Arbeit langsam sichtbar werden. Und wie bei solchen Veranstaltungen üblich, bestand das „Romería-Menü“ aus Brot mit Chorizo, gekochten Eiern, gegrilltem Fleisch und mehr. Das Fest zog sich über den gesamten Tag hin.
Ein Abschied nach vier Jahrzehnten
Der Abschluss kam ebenso wie der Beginn aus den Reihen der Folkloregruppe Sabinosa, die auf eine vierzigjährige Teilnahme zurückblickt. Aus diesem Grund begleitet sie die Heiligen nicht nur zu Beginn der Feierlichkeiten, sondern sorgt auch um 17:00 Uhr, bevor sie auf die „Insel des Nullmeridians“ (El Hierro) zurückkehrt, für den krönenden Abschluss dieser Hommage an das Brauchtum.

