Parkplatznot in Radazul: Anwohner fordern nachhaltige Lösungen
Die Bewohner von Radazul, einem Küstenort in der Gemeinde El Rosario auf Teneriffa, schlagen Alarm. Sie beklagen die katastrophale Parkplatzsituation, die besonders an Tagen mit vielen Badegästen eskaliert. Für die einheimischen Autofahrer ohne eigenen Stellplatz werde die Suche nach einem Parkplatz dann zur Geduldsprobe – oder scheitere gänzlich. Die Anwohner sprechen von einem regelmäßigen „Chaos“ und fordern von der Politik endlich eine Lösung.
Boomender Badeort mit Parkplatz-Engpass
Der Ort ist nicht nur dicht besiedelt, sondern auch eines der beliebtesten Badeziele im Großraum der Inselhauptstadt Santa Cruz. Radazul liegt nur acht Kilometer von Santa Cruz entfernt, was zusätzlich Badegäste, Tagesausflügler sowie Unternehmen und Bootsbesitzer aus dem nahen Yachthafen anzieht. Diese Besucherströme treffen täglich auf die hier lebenden Anwohner und führen zu einem ständigen Kampf um die begehrten Stellplätze.
Verschlimmbessert: Umbau brachte keine Entlastung
Bereits im Jahr 2023 hatte die Gemeindeverwaltung von El Rosario im Zuge von Wasserleitungsarbeiten die Parkordnung in der Hauptverkehrsader Colón-Allee geändert. Ein Bewohner namens Justus Weweler zeigt zwar Verständnis für die damalige Maßnahme, kritisiert jedoch, dass diese nicht zu mehr Parkmöglichkeiten geführt habe. „Vorher standen die Autos rechts und links in zweiter Reihe, jetzt nur noch auf einer Seite“, so Weweler. „Es ist zwar geordneter, aber es wurde kein neuer Platz geschaffen.“ Der Umbau brachte insgesamt 20 zusätzliche Motorrad-Stellplätze hinter den Müllcontainern und änderte die Anordnung der Autoparkplätze von Längs- auf Schräg- und Querparken. „Was hier täglich abgeht, ist der helle Wahnsinn, besonders am Wochenende“, ergänzt der Anwohner. „Es suchen immer mehr Leute einen Parkplatz, und bei schönem Wetter kommen noch mehr Badegäste dazu.“
Die tägliche Odyssee der Anwohner
Die Gemeinde El Rosario hingegen widerspricht den Anwohnern und bezeichnet die Verkehrssituation als nur „punktuell“ chaotisch. Die Polizei sei täglich im gesamten Küstenabschnitt im Einsatz, besonders auf der Colón-Allee. Weweler hält dagegen: „Es passiert jeden Tag. Wir, die hier wohnen, finden einfach keinen Parkplatz mehr.“ Die Straße sei voll von Autos, die in Schrittgeschwindigkeit auf der Suche nach einer Lücke kreuzten. „Das verzögert sogar unsere Rückkehr nach Hause. Und wenn wir mit dem Auto aus unserer Einfahrt wollen, brauchen wir eine Engelsgeduld, weil die ganze Straße mit Wartenden zugeparkt ist.“
Lösungsvorschläge: Mehr Parkhäuser und bessere Busse
Der gebührenpflichtige Parkplatz am Yachthafen ist ständig überfüllt. Weweler, der seit 2022 in Radazul lebt, schlägt daher den Bau eines weiteren Parkhauses für Besucher vor. „In Santa Cruz zahle ich für jedes Parkhaus. Warum gibt es hier nicht mehr solche Angebote? Die Besucher verstopfen die Gegend und hinterlassen ihren Müll. Sie sollen auch dafür zahlen“, so seine Forderung. Eine zweite Idee von ihm zielt auf den öffentlichen Nahverkehr ab: Die Buslinie von Titsa solle viel häufiger fahren, um mehr Menschen dazu zu bewegen, auf das Auto zu verzichten, wenn sie an diesen Küstenabschnitt zum Baden kommen.
Sommer-Sonderoperation der Gemeinde
Die Gemeinde El Rosario, die von einer absoluten Mehrheit unter Bürgermeister Escolástico Gil (Iniciativa por El Rosario-Verdes) regiert wird, startet jeden Sommer einen Sondereinsatz, um die steigenden Besucherzahlen zu bewältigen. Polizei und Zivilschutz sind dann verstärkt im Einsatz, und die Reinigung sowie die Müllabfuhr werden durch den Gemeindeverband UTE Mancomunidad del Nordeste aufgestockt.
Gemeinde vs. Anwohner: Ein konkreter Vorfall als Beweis
Die Gemeindeverwaltung bleibt bei ihrer Haltung, dass der Parkkollaps in Radazul nicht täglich stattfindet. Als Beleg führt sie einen konkreten Vorfall an: Ein Autofahrer parkte seinen Wagen in zweiter Reihe mit eingeschalteter Warnblinkanlage und verursachte so einen langen Rückstau. Eine Anwohnerin filmte die Szene und verbreitete sie in den sozialen Medien. Die Gemeindeverwaltung bestätigt, dass die Polizei vor Ort war, und stellt klar: Wenige Minuten später hatte sich der Stau wieder aufgelöst – für sie ein Beleg für die nur temporäre und punktuelle Natur des Problems.

