Quevedo meldet sich zurück – mit einem Paukenschlag für die Kanaren
Der kanarische Ausnahmekünstler Quevedo hat an diesem Freitag sein drittes Studioalbum „El baifo“ veröffentlicht. Es ist eine bewusste Rückkehr zu den Wurzeln des urbanen Musikers, der auf den Kanarischen Inseln aufwuchs. Das Album gibt den Inseln mehr Präsenz als je zuvor und wartet mit kuriosen Kollaborationen auf – etwa mit der Orquesta Nueva Línea oder Elvis Crespo.
Vierzehn Tracks zwischen Heimatgefühl und Party-Sound
Seit Mitternacht sind die 14 Stücke des neuen Albums abrufbar, das die Nachfolge von „Buenas noches“ (2024) und „Donde quiero estar“ (2023) antritt. Bereits in den vergangenen Monaten hatte Quevedo mit Vorabsingles wie „Scandic“ – das stilistisch an seine früheren Arbeiten anknüpfte – und dem Mega-Erfolg „Ni borracho“ für Vorfreude gesorgt. Letzterer stieg in Spanien auf Platz eins der Charts und ließ bereits erahnen, wohin die musikalische Reise geht: zurück zu den eigenen Ursprüngen.
Denn die Kanarischen Inseln sind in Quevedos Musik präsenter denn je. Erst diese Woche bewies er das mit einer spektakulären Präsentation am Himmel über Las Palmas de Gran Canaria, seiner Heimatstadt. Dort enthüllte er nicht nur das Veröffentlichungsdatum des Albums, sondern auch das dazugehörige Covermotiv: einen baifo, wie auf den Inseln ein junges Zicklein genannt wird. Der Begriff ist auch Teil der umgangssprachlichen Redewendung „irse al baifo“ – so viel wie „abdriften“ oder „den Faden verlieren“.
Eine narrative Reise durch den gesamten Archipel
Das neue Album ist als narrative Reise durch verschiedene Orte des kanarischen Archipels angelegt – „gesehen mit den Augen eines 24-jährigen Jungen von den Inseln“, wie Quevedos Team mitteilt. Das wird bereits im Eröffnungstrack „Está en casa“ deutlich, einem „Preludium, das aus der Verletzlichkeit entsteht“ und dem Bedürfnis, nach Hause und zur eigenen Essenz zurückzukehren, um sich vom Rampenlicht zu distanzieren.
Der Titelsong „El baifo“ selbst kombiniert klassischen Reggaeton mit Instrumenten wie Pauken, Trompeten und der kanarischen Timple-Kleingitarre – ein bewusster Griff nach dem Sound der Inselfeste der 2000er-Jahre. Der Reggaeton ist zwar allgegenwärtig, wird aber – wie bereits auf „Buenas noches“ zu hören war – mit anderen Stilen verwoben. So trifft man auf Bossa Nova in „Flakito“ oder auf Vallenato in „Al golpito“, ein weiterer inseltypischer Ausdruck, der „das so kanarische Bedürfnis beschreibt, in Ruhe und Gelassenheit zu leben“.
„Hijo del volcán“ – die verletzlichste Seite des Künstlers
Einer der ehrlichsten und nacktesten Songs ist der letzte Titel, die Ballade „Hijo del volcán“. Darin „legt Quevedo die Schattenseiten seines Lebens offen, seine Ängste und Unsicherheiten, die er entdeckt hat, nachdem er so lange von zu Hause weg war“. Untermalt wird das Stück von Kastagnetten und der Timple, und als besonderes Highlight wirken die Los Gofiones mit – eine Institution der kanarischen Folklore.
Starke Produktion und prominente Gäste
Quevedo hat die Songs gemeinsam mit einem eingespielten Team koproduziert, darunter Garabatto, Izak BDP Music und Pana Ymb. Bei einigen Tracks ist zudem Kiddo mit von der Partie. Auch am Mikrofon hat sich der Kanadier mit Weggefährten umgeben: Lucho RK, LA Pantera und Juseph sind auf „Algo va a pasar“ zu hören, der Puertoricaner Tonny Tun Tun auf dem Song „Gáldar“.
Die wohl spektakulärsten Gäste sind jedoch Elvis Crespo – unsterblicher Interpret des Klassikers „Suavemente“ –, der auf dem Track „La Graciosa“ auftaucht, sowie die Orquesta Nueva Línea. Letztere ist auf „Al golpito“ zu hören, nachdem ihr Ruhm die Inseln längst verlassen hat und sie zu einem viralen Phänomen wurden, zu dem sogar RuPaul in seinen Videos tanzt.
Chart-Erfolg quasi vorprogrammiert
Es ist abzusehen, dass „El baifo“ ein ähnliches Streaming-Phänomen wird wie Quevedos frühere Alben, mit denen er auf Spotify in Spanien alle Rekorde brach. Tatsächlich beendete er das Jahr 2025 auf der Plattform als der meistgestreamte nationale Künstler Spaniens.

