Ein Projekt auf der Kippe
Die umstrittenen Windparks El Pilón I und El Pilón II im Südosten Teneriffas stehen vor einer ungewissen Zukunft. Der Bau der Anlagen in den Gemeinden Fasnia und Güímar kann erst beginnen, wenn das Antreiberunternehmen DISA Energía Renovable SLU eine Lösung für den Stromanschluss gefunden hat. Die Hauptschwierigkeit liegt laut DISA in der sogenannten „Stromeinspeisung“ – also der Ableitung der produzierten Energie bis zur Umspannstation im Industriegebiet Valle de Güímar.
DISA sucht nach Alternativen für die Stromtrasse
Das Unternehmen betont, dass man die Projekte keinesfalls aufgegeben habe, auch wenn man noch nicht auf die zahlreichen Einwände reagiert habe. Diese kamen von Verbänden, Privatpersonen und direkt betroffenen Gemeinden, darunter auch der Gemeinderat von Fasnia. „Die größte Komplexität beider Projekte liegt in der Stromeinspeisung“, erklärt DISA. Die geplante Trasse kombiniert oberirdische und unterirdische Leitungen, da sie eine große Distanz zwischen Fasnia und dem Industriegebiet Valle de Güímar überbrücken muss. Zudem müssen mehrere Schluchten gequert werden, darunter die Barranco de Herques, die die beiden Gemeinden trennt.
Obwohl die Windparks und ihre Infrastruktur aus Sicht des Unternehmens allen geltenden Vorschriften entsprechen, räumt DISA ein: „Derzeit werden verschiedene Alternativen analysiert, die eine Umsetzung ermöglichen.“ Man priorisiere die Nutzung unterirdischer Trassen, „um mögliche Auswirkungen so gering wie möglich zu halten“. Gleichzeitig betont das Unternehmen, man arbeite daran, „ohne auf Projekte zu verzichten, die eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der Energieziele der Kanaren und der Stärkung der Energieunabhängigkeit der Insel spielen“.
Der Konflikt mit dem Inselrat und den Gemeinden
Diese Haltung bekräftigt DISA bereits seit einem Jahr, nachdem sich der Inselrat (Cabildo) von Teneriffa gegen die Anlagen ausgesprochen hatte. Grundlage war ein negativer Bericht der Inseldirektion für Raumplanung, Historisches Erbe und Landschaft, der sowohl die geplanten Standorte der Windräder als auch den Verlauf der Stromleitungen kritisierte. DISA konterte damals: „Es ist möglich, so viele Änderungen einzuführen, wie der Inselrat wünscht, um sich seinen Vorstellungen anzupassen – auch wenn die Projekte bereits alle Umweltauflagen erfüllen.“ Die Windparks El Pilón I und II, so das Unternehmen, „erfüllen alle rechtlichen und Umweltauflagen, sowohl hinsichtlich der Abstände als auch der Beeinträchtigungen“.
DISA Energía Renovable erinnert zudem daran, dass die Regionalregierung „Beschleunigungszonen für erneuerbare Energien“ ausgewiesen habe und der Standort genau in einer solchen Zone liege. Windpark Pilón I in Fasnia befinde sich „auf dem einzigen Boden der Kanaren, dessen kommunale Ausweisung die Nutzung erneuerbarer Energien ausdrücklich vorsieht“. Pilón II in Güímar wiederum sei auf „anthropogen geprägtem und/oder brachliegendem ländlichem Boden“ geplant. Die Lage sei „strategisch, sowohl aufgrund des verfügbaren Windvorkommens als auch aufgrund der geografischen Gegebenheiten“.
Zahlen und Fakten zu den Windparks
Die Projekte im Detail: El Pilón I soll eine Leistung von 15 Megawatt mit vier Windkraftanlagen erbringen, El Pilón II kommt auf 8,5 Megawatt mit zwei Anlagen. Insgesamt erstrecken sich die Parks über 181 Grundstücke. Nach dem ursprünglichen Plan, der öffentlich ausgelegt wurde, sollten 24 Strommasten bis zum Hang von Güímar installiert werden. Von dort aus wäre die Leitung unterirdisch bis zur Umspannstation im Industriegebiet Valle de Güímar verlegt worden. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 22,3 Millionen Euro – 14,3 Millionen für El Pilón I und 8 Millionen für El Pilón II.
El Pilón I ist zwischen der Auffahrtsstraße nach Fasnia über Los Roques und Lomo la Tose geplant. Die nächste Siedlung, der Ortskern von Fasnia, liegt etwa eineinhalb Kilometer vom Zentrum des Parks entfernt. In Agache (Güímar) sollen die beiden Windräder von El Pilón II entstehen, nur einen Kilometer von El Tablado, einem Küstenort der Region, entfernt.
Proteste und Widerstand aus der Bevölkerung
Die Veröffentlichung der Pläne stieß in der Region Sureste auf breite Ablehnung. Die Gemeinde Fasnia sprach sich als erste einstimmig gegen die Umsetzung aus – ein Beschluss, den der Gemeinderat von Güímar nicht geschlossen mittrug. In der Folge gründete sich die Plattform „Ecomarca zur Verteidigung und zum Schutz des Südostens von Teneriffa“, die formelle Einwände einreichte. „Die geplante Aufstellung der Windräder weniger als einen Kilometer von Wohngebieten entfernt stellt eine direkte Bedrohung für die Lebensqualität, die natürliche Umgebung und die Identität unserer Gemeinden dar“, so die Kritiker. Ecomarca stellt jedoch klar: „Wir lehnen erneuerbare Energien nicht ab, wohl aber ihre Durchsetzung ohne Bürgerbeteiligung und ohne Respekt für das Land.“ Die Gruppe wartet bis heute auf eine Antwort auf ihre Einwände.
