cuna del alma solar subvention teneriffa

Luxusprojekt Cuna del Alma kassierte 28.700 Euro Solar-Subvention

Millionen-Förderung für ein brachliegendes Prestigeprojekt

Die Bücher der Betreibergesellschaft des polarisierenden Tourismusprojekts „Cuna del Alma“ im Süden Teneriffas offenbaren eine pikante Finanzspritze: Die Firma Segunda Casa Adeje kassierte im März 2023 eine Förderung von 28.700 Euro für die Montage von Photovoltaikmodulen. Und die sind seit demselben Jahr auch tatsächlich neben dem Musterhaus des Projekts in El Puertito de Adeje zu sehen. Das Geld stammt aus einem Förderprogramm, das 2021 von der kanarischen Regionalregierung unter dem damaligen „Blumenpakt“ (PSOE, Nueva Canarias, Podemos und ASG) aufgelegt wurde.

18,6 Millionen Euro aus Brüssel für die Energiewende

Die Subventionslinie verteilte insgesamt 18,6 Millionen Euro aus dem EU-Topf Next Generation. Die Mittel wurden von der Autonomen Gemeinschaft über das spanische Institut für Diversifizierung und Energieeinsparung (IDAE) vergeben. Dieses Institut ist auch für die Kontrolle des Programms zuständig, das Projekte zur Eigenversorgung und Speicherung mit erneuerbaren Energien finanzieren sollte.

Windhundprinzip statt Qualitätskontrolle

Die Verteilung der Gelder erfolgte nach dem Prinzip der nicht-konkurrierenden Ausschreibung. Das bedeutet: Die Behörde prüfte oder verglich die Anträge nicht, um die besten auszuwählen. Das Geld wurde streng nach dem Windhundverfahren vergeben – wer zuerst kam, bekam den Zuschlag, bis der Topf leer war. Die Programme umfassten diverse Bereiche: Fünf Millionen Euro für Solaranlagen im Dienstleistungssektor, 2,7 Millionen für andere Wirtschaftszweige, 900.000 Euro für Speichersysteme im Dienstleistungsbereich, 5,5 Millionen für private Haushalte und öffentliche Einrichtungen, 84.800 Euro für Speicher in diesen Bereichen und 4,2 Millionen Euro für thermische Erneuerbare im Wohnsektor.

Die Zahlen im Detail: Voller Zuschuss bei 98.600 Euro Kosten

Der Projektentwickler Segunda Casa Adeje weist in dem letzten verfügbaren Geschäftsbericht von 2024 eine Zuwendung von 28.773 Euro aus dieser Fördermaßnahme nach. Nach Abzug der Steuereffekte blieben buchhalterisch 21.579 Euro übrig. Ziel der Subvention war die teilweise Finanzierung einer Photovoltaikanlage, deren Gesamtkosten für das Unternehmen bei 98.600 Euro lagen. In den Unterlagen für 2024 bestätigt die Firma, dass der Verwendungsnachweis bereits abgeschlossen und von der Bewilligungsbehörde akzeptiert wurde.

Verzögerte Transparenz: Eintrag erst zwei Jahre später

Die Förderung wurde bereits am 13. März 2023 gewährt, tauchte aber im offiziellen Subventionsportal der kanarischen Regierung erst am 28. Januar 2025 auf. Die Solarmodule selbst sind seit 2023 auf Luftbildern des Kartografiedienstes Grafcan neben dem Musterhaus in El Puertito de Adeje klar zu erkennen. Auf Nachfrage von Canarias Ahora zur genauen Leistung der Anlage reagierte die Projektentwicklerin bis Redaktionsschluss nicht. Dabei ist diese Angabe entscheidend: Für Anlagen unter 100 kW war lediglich eine Selbsterklärung nötig, dass sie keinen nennenswerten Umweltschaden verursachen. Bei leistungsstärkeren Anlagen hätte zusätzlich ein Strategieplan vorgelegt werden müssen, der die Herkunft der Komponenten, deren Umweltauswirkungen und die Abfallverwertung nachweist.

Subvention trotz laufender Strafverfahren

Es ist ein brisanter Fakt: Zum Zeitpunkt der Subventionsbewilligung lag das Projekt Cuna del Alma bereits auf Eis. Die kanarische Regierung hatte drei Bußgeldverfahren wegen Umwelt- und Kulturgutverstößen eingeleitet. Die Bauarbeiten waren von Oktober 2022 bis Sommer 2024 vollständig gestoppt. Zwei der drei Verfahren wurden von der aktuellen Regionalregierung aus Coalición Canaria und der konservativen Volkspartei (PP) eingestellt. Als einzige Sanktion blieb eine Geldstrafe von 230.000 Euro für die Zerstörung archäologischer Fundstätten übrig – wobei die ursprüngliche Forderung bei 600.000 Euro lag.

Der juristische Rattenschwanz

Derzeit drohen dem Megaprojekt mindestens sechs Gerichtsverfahren. Sie betreffen unter anderem die Umsiedlung der seltenen Pflanze „Viborina triste“ (Echium gentianoides), die das Vorhaben fast zwei Jahre blockierte, sowie die mutmaßliche Weigerung der zuständigen Vizeministerin, ein Verfahren zur Umwelthaftung einzuleiten. Das einzige Strafverfahren – eingeleitet von der Bürgerinitiative Puertito Libre – hat einen kleinen Teil des Projekts (etwa 2.400 von geplanten 430.000 Quadratmetern) wegen möglicher Eingriffe in die Küstenschutzzone vorerst gestoppt.

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