Riesen warten auf grünes Licht vom Meer
Zwei 1.800 Tonnen schwere Giganten dümpeln vor der Küste von Santa Cruz de Tenerife. Sie erreichten den Hafen erst vor zwei Tagen an Bord einer schwimmenden Plattform aus Tarragona und warten nun darauf, dass das Meer ihnen eine Atempause gönnt. Erst dann kann eine millimetergenaue Operation beginnen, um sie an Land zu bringen – ein Manöver, das nahezu perfekte Bedingungen erfordert und einen Wendepunkt für den Containerterminal von Boluda Maritime Terminals Tenerife markieren wird.
Die größte Investition seit Übernahme der Konzession
Es handelt sich nicht um irgendwelche Kräne. Sie sind das Symbol des größten technologischen Sprungs, den der Terminal seit der Übernahme durch das Unternehmen gemacht hat. Sie bilden das Herzstück eines Investitionsplans von über 40 Millionen Euro, der die Anlagen modernisieren soll, nachdem die Konzession um weitere 25 Jahre verlängert wurde. „Wir hatten geplant, sie am Samstag zu entladen, aber der Seegang zwang uns aus Sicherheitsgründen zur Verschiebung“, erklärte Javier Climent, Generaldirektor von Boluda Shipping, der sich der Komplexität des Manövers bewusst ist.
So leistungsstark sind die neuen Kräne
Sobald sie in Betrieb gehen, verfügt der Hafen von Santa Cruz de Tenerife über die modernsten und leistungsstärksten Kräne seiner Geschichte. Sie erreichen eine Höhe von 60 Metern, können Schiffe mit einer Breite von bis zu 22 Containern abfertigen, im Twin-Lift-Modus 71 Tonnen bewegen und unter dem Haken bis zu 88 Tonnen heben. Diese Leistungsdaten ermöglichen es, Schiffsanläufe zu bedienen, die bisher unmöglich oder wenig wettbewerbsfähig waren.
Letzter Baustein für die Zukunft des Terminals
Die Integration dieser beiden Kräne schließt die erste große Phase des Investitionsprogramms von Boluda ab. Zuvor waren bereits vier hybride RTG-Kräne für die Containerlagerverwaltung sowie neue Spezialmaschinen eingetroffen. Nun kommt das fehlende Puzzlestück, um die operative Leistungsfähigkeit des Terminals zu stärken und ihn in die Lage zu versetzen, Ultra Large Container Vessels (ULCV) abzufertigen – die größten Containerschiffe, die derzeit auf den internationalen Routen unterwegs sind.
Geostrategischer Glücksfall für Teneriffa
Für Javier Climent kommt dieser Schritt zudem in einem besonders günstigen Moment. Die Neuordnung des internationalen Seeverkehrs, ausgelöst durch die Unsicherheit im Roten Meer und die Umleitung zahlreicher Dienste über das Kap der Guten Hoffnung, hat neue logistische Chancen für Atlantikhäfen wie Teneriffa eröffnet. „Bislang hatten wir eine Nachfrage, die wir nicht bedienen konnten, weil uns die Kapazität fehlte. Jetzt haben wir das Angebot, um diese Verkehrsströme anzuziehen“, fasste der Boluda-Verantwortliche zusammen. Das Unternehmen strebt danach, Schiffsanläufe zu gewinnen, die bisher andere Häfen bevorzugten, und die Rolle Teneriffas als strategischen Zwischenstopp im mittleren Atlantik zu stärken.
Eine alte Kräne geht nach La Palma
Die Modernisierung hat zudem einen positiven Nebeneffekt: Einer der derzeit in Santa Cruz im Einsatz befindlichen Kräne wird nach La Palma verlegt. Dort ersetzt er den mobilen Kran und wird der erste Portalkran des palmerischen Terminals sein. Dies wird die Be- und Entladevorgänge für Container dort deutlich verbessern.
Zeit ist Geld im Hafengeschäft
Der Präsident der Hafenbehörde von Santa Cruz de Tenerife, Pedro Suárez, sieht in der Investition die Antwort auf eine langjährige Forderung der Hafencommunity. Er betonte, dass effizientere Anlagen die Liegezeiten verkürzen, die Arbeitsbedingungen der Hafenarbeiter verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens gegenüber anderen Atlantikstandorten stärken werden. Denn letztlich wird das Seefahrtgeschäft in Minuten gemessen. Je kürzer ein Schiff anlegt, desto rentabler ist der Zwischenstopp. Die neuen Kräne ermöglichen schnellere, sicherere und präzisere Entladungen – ein zunehmend entscheidendes Argument für Reedereien bei der Wahl ihres Hafens.
Wann kommt die Landung?
Sobald das Meer es zulässt – vielleicht noch heute oder morgen – werden die beiden Kräne die Plattform verlassen, die sie aus Tarragona hergebracht hat, und sich in das Panorama des Hafens von Santa Cruz de Tenerife einfügen. An diesem Tag wird sich auch das Profil der Mole von Bufadero verändern. Vor allem aber wird sich die Fähigkeit Teneriffas verändern, in einem Markt zu konkurrieren, in dem jeder Meter Reichweite, jede Tonne Ladung und jede Minute Betriebszeit zählen.

