photovoltaik grossanlage arona teneriffa genehmigt

Photovoltaik-Streit auf Teneriffa: Mega-Anlage trotz Umweltbedenken genehmigt

Aufbereitet mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage spanischsprachiger Informationen. Quelle unter dem Artikel.

Grünes Licht trotz erheblicher Bedenken

Die Regierung der Kanarischen Inseln hat eine neue Photovoltaik-Großanlage in der Gemeinde Arona im Süden Teneriffas genehmigt. Das Projekt wird eine Fläche von rund fünf Hektar mit Solarmodulen bedecken – ausgerechnet auf einem Gebiet, das über hohes landwirtschaftliches Potenzial verfügt und teilweise unter Umweltsschutz steht. Gebaut werden soll die Anlage vom Energieunternehmen Disa, das dafür ein Budget von mehr als 259.000 Euro veranschlagt hat. Die geplante Leistung liegt bei fast fünf Megawatt.

Doch so einfach, wie es klingt, ist das Vorhaben nicht. Um den erzeugten Strom ins Netz einspeisen zu können, muss eine Mittelspannungsleitung verlegt werden. Genau hier liegt das Problem: Die geplante Trasse führt durch geschützte Schluchten und hat für erheblichen Zündstoff zwischen verschiedenen Verwaltungsebenen gesorgt. Der Hauptkonfliktpunkt ist, dass die Stromleitung durch Gebiete verlaufen soll, die im Inselraumordnungsplan von Teneriffa als Umweltschutzgebiete ausgewiesen sind. In diesen Zonen sind derartige Infrastrukturen grundsätzlich untersagt.

Inselregierung fordert Alternativen

Der Cabildo von Teneriffa, die Inselregierung, stellte bereits während des Genehmigungsverfahrens klar, dass die geplanten Leitungsabschnitte nicht mit den Vorgaben der Inselplanung vereinbar sind. Man forderte eine Prüfung alternativer Trassenverläufe und verlangte eine detailliertere Begründung, die Aufschluss über die zu erwartenden Umwelt- und Landschaftsauswirkungen einer solch massiven Infrastruktur gibt.

Die Bedenken haben einen konkreten Hintergrund: Die Trasse durchquert einen Lebensraum von gemeinschaftlichem Interesse, in dem verschiedene einheimische Pflanzenarten beheimatet sind. Dazu gehören der sogenannte Tabaibal dulce sowie die Baleras, eine für die Kanarischen Inseln typische Sukkulentenart, die entlang des Bachbetts der Schlucht Llano Azul wächst. Um diese empfindlichen Ökosysteme zu schützen, verpflichtet die Naturschutzbehörde Disa zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen: Die sensiblen Bereiche müssen deutlich markiert und abgesperrt werden, und während der Bauarbeiten darf keinerlei Abfall oder Flüssigkeit in das Bachbett gelangen.

Landwirtschaft oder Solarenergie?

Ein weiterer Kritikpunkt des Cabildo: Mit dem Bau der Anlage geht wertvolles Ackerland unwiederbringlich verloren. Die Flächen wurden bereits als mögliche künftige Strategische Agrarreserve ins Auge gefasst. Disa hält dagegen und argumentierte während des Verfahrens, dass das Grundstück seit mehr als drei Jahrzehnten brachliege, kein Bewässerungsnetz in der Nähe vorhanden sei und die Beschaffenheit des Bodens eine landwirtschaftliche Nutzung ohnehin kaum sinnvoll erscheinen lasse. Aus Sicht des Unternehmens sei die Fläche daher ideal für die Produktion von Solarstrom geeignet.

Der Cabildo warnt jedoch vor einem grundsätzlichen Trend: Die zunehmende Zahl von Photovoltaikprojekten auf der Insel könnte Schritt für Schritt die Flächen reduzieren, die für eine Wiederbelebung der Landwirtschaft zur Verfügung stehen.

Gemeinde Arona fürchtet um Wohnqualität

Auch die Gemeindeverwaltung von Arona hat erhebliche Vorbehalte gegen den Standort. Sie bezeichnet die Flächen als strategisch wichtig für die künftige Entwicklung des Ortes und die mögliche Ausdehnung der nahegelegenen Siedlungen, die nur rund 220 Meter von der geplanten Anlage entfernt liegen. Besonders kritisch sieht die Gemeinde die visuelle Beeinträchtigung für die Anwohner: Eine solche Industrieanlage „praktisch direkt an den Wohnhäusern“ sei unangemessen und werde das Landschaftsbild nachhaltig stören. Man werde sich auch weiterhin im Rahmen der eigenen Zuständigkeiten für den Erhalt dieser Böden einsetzen.

Der Weg war geebnet: Sonderstatus für das Projekt

Trotz all dieser Widerstände hat das Projekt einen Weg gefunden, die Hindernisse zu umgehen. Bereits im Januar 2025 erklärte die kanarische Regierung die Anlage zu einem Vorhaben von allgemeinem Interesse. Mit dem Erlass 101/2026 wurde schließlich die Durchführung beschlossen und gleichzeitig angeordnet, die betroffenen Planungsvorgaben entsprechend abzuändern. Zur Begründung verwies man auf die dringende Notwendigkeit, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen auf den Kanarischen Inseln voranzutreiben.

Im Zuge der endgültigen Genehmigung wird die Anlage nun offiziell als von öffentlichem Nutzen eingestuft. Diese rechtliche Figur ist von besonderer Bedeutung, da sie es ermöglicht, auf die Grundstücke zuzugreifen, die für den Bau der Netzanbindung benötigt werden. Der Clou: Während Disa bereits Eigentümer der Flächen für die Solarmodule selbst ist, gehört ein Großteil des Bodens für die Stromtrasse anderen Besitzern. Mit der Gemeinnützigkeitserklärung kann nun notfalls eine Enteignung durchgesetzt werden, falls keine einvernehmlichen Lösungen mit den Grundstückseigentümern gefunden werden. Damit wäre der Weg für die Errichtung der Verbindungsleitung geebnet.

Kein sofortiger Baubeginn: Auflagen und Fristen

Allerdings bedeutet die Genehmigung nicht, dass Disa umgehend mit den Bauarbeiten beginnen darf. Der Start ist an eine Reihe von umwelt-, denkmal- und technischen Auflagen geknüpft, die erst erfüllt werden müssen. So muss das Unternehmen ein separates Kapitel im Ausführungsprojekt vorlegen, das die Einhaltung der Inselverordnung für Photovoltaik- und Windkraftanlagen nachweist. Zudem ist eine Untersuchung des archäologischen Potenzials des Geländes erforderlich, um sicherzustellen, dass keine bedeutenden Bodendenkmäler oder Fundstücke im Weg stehen.

Ein besonderes Augenmerk gilt dem Schutz der heimischen Tierwelt: So sind Umweltkontrollen vorgeschrieben, um die Auswirkungen auf den Triel zu bewerten. Dieser bodenbrütende Vogel, auf den Kanaren als Alcaraván bekannt, ist endemisch und reagiert äußerst empfindlich auf Veränderungen des Bodens. Das Monitoring soll Aufschluss darüber geben, ob die Anlage die Vögel vertreibt, ihren Lebensraum einschränkt oder ihre Bewegungsfreiheit beeinträchtigt. Um Kollisionen zu vermeiden, muss der Zaun der Anlage mit sichtbaren Markierungen versehen werden. Zudem ist eine nächtliche Beleuchtung nur mit Präsenzmeldern erlaubt.

Darüber hinaus empfiehlt die Gesundheitsbehörde, während der Bauphase Staub, Lärm und Vibrationen so gering wie möglich zu halten. Geplant sind außerdem Messungen der elektromagnetischen Felder in den Wohngebieten entlang der Stromtrasse. Heimische Pflanzen, die durch die Erdarbeiten gefährdet werden, sollen ausgegraben und in Baumschulen zwischengelagert werden, um sie später an anderer Stelle der Anlage wieder einzupflanzen.

Zahlen und Fakten zur Anlage

Das Projekt trägt den Namen Llano de los Bebederos I. Sollten die Arbeiten wie geplant beginnen, wird die Anlage mit 8.610 bifazialen Solarmodulen ausgestattet, die jeweils 700 Watt leisten. Diese Module nutzen das einfallende Sonnenlicht sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite. Sie werden auf Gestellen montiert, die fest im Boden verankert werden. Für die Fertigstellung und Inbetriebnahme hat Disa nach Erhalt der Netzanschlussgenehmigung maximal fünf Jahre Zeit. Eine außergewöhnliche Verlängerung auf bis zu acht Jahre wäre möglich.

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