Ein Besuch als „Schrei um Hilfe“ für die Kanaren
Im Vorfeld des Besuchs von Papst Leo XIV. in Spanien hat die spanische Bischofskonferenz in Madrid die Medien über den Hintergrund der Reise informiert. Der Papst, der das Anliegen seines Vorgängers Franziskus fortführt, folgt einer Einladung des kanarischen Regierungschefs Fernando Clavijo. Ziel ist es, die Migrationsrealität an der südlichen EU-Außengrenze sichtbar zu machen und „der Welt einen Schrei um Hilfe zuzurufen“.
Tödliche Atlantikroute und überforderte Gemeinden
Der Bischof von Teneriffa, Eloy Santiago, beschrieb die Reise als „höchst bedeutsam“ angesichts der globalen Migration, die die Kanaren als europäische Grenze besonders treffe. Er erinnerte an die überfordernde Situation im Hafen von La Restinga auf El Hierro: Eine Gemeinde mit 9.000 Einwohnern habe im vergangenen Jahr 25.000 Menschen aufgenommen. „Es ist eine Realität, die uns manchmal überfordert und überwältigt“, so Santiago. Die Mission der Kirche bestehe in der „ersten Aufnahme“, die freundlich und angemessen sein müsse.
„Man müsste manche fünf Tage in ein Fischerboot setzen“
José Mazuelos, Bischof der Diözese der Kanarischen Inseln, wurde deutlicher: „Die Atlantikroute ist tödlich. Viele müsste man fünf Tage in ein Fischerboot setzen, damit sie sehen, wie die Menschen ankommen.“ Er appellierte an die Menschlichkeit und erinnerte an die spontane Hilfe der Bevölkerung von Lanzarote, die ins Meer ging, um Migranten zu retten, ähnlich wie die Fischer von Arguineguín auf Gran Canaria. Der Bischof von Gran Canaria betonte die Gefahren der Route aus dem südlichen Afrika und jener, die von Strömungen nach Amerika abgelenkt wird – „und sie kommen nie an“.
Caritas schildert strukturelle Armut und humanitäre Krise
Cayi Suárez, Leiterin von Caritas auf Gran Canaria, setzte die Migration in den Kontext der strukturellen Armut der Inseln: 25,5% der Bevölkerung lebten in sozialer Ausgrenzung, 24% seien Ausländer, viele aus Amerika, zusätzlich zu den Ankommenden auf der Atlantikroute. Die Aufgabe von Caritas reiche von der Nothilfe bis zur Arbeitsintegration. Es gelte, Menschen zu schützen, die „in blutenden Situationen“ ankämen, voller Trauer, Frustration, Ohnmacht, mit psychischen Störungen oder Verstümmelungen von der Reise. „Die Aufnahme ist fundamental.“
Das Ziel: Ein menschliches Gesicht geben
Das Motto des Papstbesuchs lautet „Hebt euren Blick“. Suárez betonte, es gehe darum, „das Gesicht Jesu im Gesicht der Menschen zu sehen“. Sie erläuterte die praktische Arbeit: Grundversorgung, Hilfe für Opfer von Menschenhandel, Familien mit Minderjährigen, Unterbringung, sozialer und rechtlicher Beistand. Ein wichtiges Instrument seien die „Hospitalitäts-Korridore“, ein Netzwerk von Aufnahmegemeinden auf dem spanischen Festland, das bereits 50 junge Menschen aufgenommen habe, um sie vor Obdachlosigkeit oder Prostitution zu bewahren.
Finanzierung: Region und Inselregierung beteiligen sich
Auf Fragen zur Finanzierung der Papstvisite bestätigte Bischof Eloy Santiago, dass die kanarische Regionalregierung eine Million Euro und der Inselrat (Cabildo) von Teneriffa eine halbe Million Euro beisteuern. „Der Papst verlangt kein Eintrittsgeld“, so Santiago, „aber die Visite verursacht viele Kosten.“ Er verwies zum Vergleich auf die 750.000 Euro, die das Cabildo für die Gala der Dial-Musikpreise ausgebe. Nach der Reise würden die Konten offengelegt. Sollte ein Überschuss bleiben, plane die Diözese Teneriffa in La Laguna die Einrichtung eines Tageszentrums für Obdachlose.
Forderung nach Regularisierung und Wertschätzung
Zum Thema Regularisierung von Migranten sagte Cayi Suárez, der Prozess sei auch eine Forderung der Kirche. „Es geht darum, ihrem Dasein in unserer Gesellschaft ein Gesicht und Würde zu geben.“ Migranten seien bereits Teil der Gesellschaft, besuchten Schulen, nutzten das Gesundheitssystem und seien unverzichtbar für Tourismus, Altenpflege und Haushalte. Am ersten Tag des Antragsverfahrens hätten sich in der Diözese Gran Canaria 200 Menschen gemeldet. Allein in diesem Jahr habe Caritas dort 1.118 Migranten betreut, 50% von ihnen befänden sich in irregulärer administrativer Lage.
Abschließend betonten die Geistlichen die symbolische Kraft des Besuchs. Es gehe nicht um Zahlen, sondern um menschliche Schicksale. „Diese Fischerboote kommen beladen mit Hoffnung“, sagte der Bischof von Gran Canaria. Der Besuch von Papst Leo XIV. solle diese Hoffnung sichtbar machen und Europa an seine Verantwortung erinnern.

