Harte Zeiten für die Kleinsten: Streik in den Kitas der Kanaren
Die Erzieherinnen auf den Kanarischen Inseln legen am Donnerstag, den 7. Mai, die Arbeit nieder. Der Streik ist Teil einer landesweiten Protestaktion, um auf die prekäre Situation in der frühkindlichen Bildung aufmerksam zu machen. „Wir fordern ein Gehalt, von dem man leben kann, und die Anerkennung unserer Arbeit“, erklärt Verónica Rijo, eine der Sprecherinnen der auf den Inseln gegründeten Plattform, die Verbesserungen für die Bildungsphase von null bis drei Jahren fordert.
Worum es den Erzieherinnen geht
Die Forderungen der Streikenden sind vielfältig: Sie verlangen kleinere Betreuungsgruppen, die Einführung einer zweiten Fachkraft im Klassenzimmer – „damit wir vier statt nur zwei Hände haben“ –, mehr Ressourcen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf (NEAE) und insgesamt bessere Arbeitsbedingungen. „Vom Mindestlohn kann man nicht leben“, betont Rijo. Ein zentraler Punkt ist auch die Forderung nach einer klaren Abgrenzung ihres Berufs: „Wir sind keine reinen Betreuungseinrichtungen, sondern spezialisierte Fachkräfte, die lehren und erziehen“, so die Sprecherin. Die Erzieherinnen wehren sich gegen die Wahrnehmung, ihre Arbeit sei reine Kinderbetreuung.
Ablauf und Orte der Proteste
Die Proteste auf den Inseln sind zweigeteilt. Auf Gran Canaria werden sich die Erzieherinnen am Morgen um 9:00 Uhr vor der Delegación del Gobierno (der staatlichen Vertretung) auf der Plaza de La Feria in Las Palmas de Gran Canaria versammeln. Die zentrale Kundgebung ist für den Nachmittag um 17:00 Uhr auf der Plaza de España geplant, die unter dem Motto „Für unsere Rechte, für ihre Zukunft“ steht. Auf Teneriffa findet die Mobilisierung vor dem Sitz der Regionalregierung (Presidencia del Gobierno) in Santa Cruz de Tenerife statt.
Ein System in der Krise: Missstände und Sparpläne
Rijo zufolge gibt es auf den Kanaren etwa 260 Kindertagesstätten. „Wir alle kämpfen für dasselbe – sowohl hier als auch auf nationaler Ebene“, sagt sie und stellt klar, dass der Kampf sowohl öffentliche als auch private Einrichtungen betrifft. Besonders betroffen sind die Kindertagesstätten, die der Regionalbehörde für Soziales (Consejería de Bienestar Social) unterstehen. Diese Behörde plant, im kommenden Schuljahr zwei Einrichtungen zu schließen. Bereits jetzt wurden Unterschriften gegen die Schließung der Schule „Las Folías“ in Zárate gesammelt. Zudem wurde eine Initiative im Regionalparlament der Kanaren eingereicht, um zu erreichen, dass diese Schulen in den Zuständigkeitsbereich des Bildungsministeriums überführt werden. „Wir leisten so viel, was nicht anerkannt wird. Wir unterrichten und erziehen, und wir sind ein unverzichtbarer Sektor – wir legen die Grundlage für alles Weitere“, sagt Rijo.
Ein Beruf, ein Kampf: „Ich bin auch Mutter“
Der Berufsstand der Erzieherinnen ist stark weiblich geprägt. „Ich bin selbst Mutter und muss Beruf und Familie unter einen Hut bekommen“, beschreibt Rijo die Herausforderungen vieler Kolleginnen. Sie fordert eine besser an die Bedürfnisse der Familien angepasste Schuljahresplanung: „Ältere Kinder haben in den Weihnachtsferien, Mitte Juni und im Juli frei, während wir fast das ganze Jahr über arbeiten. Wir haben nur im August frei, und manche Einrichtungen teilen die Ferien sogar auf.“ Sie kritisiert, dass auch die Kleinsten ein Recht auf Ruhe und einen geregelten Jahreskalender hätten: „Und dann sind sie noch die Jüngsten“, fügt die Erzieherin hinzu.
Gewerkschaft und Expertenrat schlagen Alarm
Die Gewerkschaft CCOO (Federación de Servicios a la Ciudadanía) hat ihre Mitglieder aufgerufen, sich dem Streik für den ersten Zyklus der Früherziehung (0-3 Jahre) anzuschließen. In einer Pressemitteilung warnt die Gewerkschaft vor einem „fragmentierten und ungleichen Modell“ der Kindertagesstätten auf den Kanaren und fordert ein öffentliches Netz mit menschenwürdigen Arbeitsbedingungen. Sie weist darauf hin, dass rund 20.000 kanarische Familien Kinder in dieser Altersstufe haben. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Bildungsrat der Kanaren (Consejo Escolar de Canarias) betont, dass der Archipel ein erhebliches Defizit bei der Einschulung von Kindern unter drei Jahren aufweist. Diese Phase habe eine hohe bildungspolitische und soziale Bedeutung, da sie „der Schlüssel für die kindliche Entwicklung und die Vermeidung von Ungleichheiten“ sei. Der Bericht zur Bildungswirklichkeit auf den Kanaren (Realidad Educativa de Canarias) des Bildungsrates zeigt, dass die Einschulungsrate von Zweijährigen auf den Inseln bei 45,6 Prozent liegt, während der nationale Durchschnitt bei 73,3 Prozent beträgt. Besonders auffällig ist der Wert in der Provinz Las Palmas mit nur 37,4 Prozent. Der Rat schlägt daher vor, den Aufbau und die Konsolidierung von Kindertagesstätten für die Altersgruppe 0-3 Jahre voranzutreiben, in Abstimmung mit den lokalen Behörden, und ihre Rolle als Bildungseinrichtung zu stärken. Gleichzeitig empfiehlt er, das öffentliche Netz der Kitas schrittweise auszubauen, um soziale Ungleichheiten auszugleichen, und die Hilfen für Familien zu verstärken.

