Aufbereitet mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage spanischsprachiger Informationen. Quelle unter dem Artikel.
Tierisch umstritten: Frankreichs Orcas ziehen nach Teneriffa
Die beiden Schwertwale und vier Delfine, die sich noch im französischen Meereszentrum Marineland in Antibes befinden, das seit anderthalb Jahren geschlossen ist, sollen bald per Flugzeug nach Spanien transportiert werden. Konkret sehen die Pläne für die Wale Wikie (24 Jahre) und ihr Sohn Keijo (11) einen Umzug nach Loro Parque auf Teneriffa vor. Das Zentrum gehört dem deutschen Unternehmer Wolfgang Kiessling. Der Transport gilt als besonders komplex, wie Sprecher des Zentrums am Dienstag der Nachrichtenagentur EFE mitteilten.
Eine Entscheidung mit Kehrtwende
Die Geschichte hat eine Vorgeschichte: Im Mai dieses Jahres vollzog das französische Umweltministerium eine 180-Grad-Wende. Zuvor hatte man die Tiere lieber in ein Schutzgebiet in Kanada schicken wollen. Nun erklärte das Ministerium, die Tiere nach Teneriffa bringen zu wollen, um sie nicht in die USA oder nach Japan zu schicken, wo sie für Shows eingesetzt würden. Ausgerechnet der Zoo auf Teneriffa aber bewirbt Shows mit Meeressäugern als eine seiner Hauptattraktionen. Dabei hatte Loro Parque von Anfang an Interesse gezeigt, Wikie und Keijo aufzunehmen – und sie zu den vier anderen Orcas im Bestand hinzuzufügen. Man habe den Vorschlag des französischen Ministers aus „moralischer Verantwortung“ angenommen, hieß es.
Allerdings gibt es auch Widerstand: Die spanische Wissenschaftsbehörde CITES (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten) hat bereits einen negativen Bericht über den Transport der Orcas nach Teneriffa abgegeben. Loro Parque hat dagegen Klage eingereicht und fordert beim Rat für Transparenz und gute Regierungsführung die Veröffentlichung dieses wissenschaftlich-technischen Gutachtens.
Wer hat das letzte Wort?
Das spanische Umweltministerium stellt klar: Man könne nicht behaupten, dass der Transport von Spanien aus genehmigt sei. Die endgültige Entscheidung liege allein bei Frankreich, aber im Rahmen der europäischen und nationalen Vorschriften und auf der Grundlage der vorgeschriebenen wissenschaftlichen Bewertungen. Das Ministerium verweist auf Artikel 9 der EU-Verordnung Nr. 338/97 zum Schutz von Arten durch Überwachung des Handels: Die endgültige Genehmigung obliegt der CITES-Verwaltungsbehörde des Herkunftslandes – in diesem Fall Frankreich.
Die kanarische Regierung hat zwei technische Stellungnahmen abgegeben, unterzeichnet von der Generaldirektion für Tierhaltung und der Generaldirektion für Naturräume und Biodiversität. Die Dokumente attestieren Loro Parque eine gute Bilanz in Sachen Tierschutz, die Einhaltung europäischer und nationaler Vorschriften und eine nachgewiesene Fähigkeit, Orcas zu halten.
Kritik und Todesfälle im Zoo
Doch es gibt auch kritische Stimmen: Ein Bericht zweier Experten des IGEDD (Generalinspektion für Umwelt und nachhaltige Entwicklung), eines Beratungsgremiums der französischen Regierung in Umweltfragen, stellt fest: Seit 2021 sind im Zoo in Puerto de la Cruz mehrere Tiere gestorben. Die Todesfälle seien auf Darm- oder Herzprobleme oder ungeklärte Ursachen zurückzuführen. Im November 2024 starb die Orca Keto – nachdem bereits zwischen März 2021 und September 2022 drei andere Wale im selben Gehege verendet waren. Loro Parque erklärte, die Obduktionen hätten ergeben, dass zwei Wale an einer Darmverschlingung mit nachfolgender Infektion starben und einer an einer Gefäßfehlbildung. Man nannte die Todesfälle „unvermeidbar“ und bestritt einen Zusammenhang.
Das Unternehmen betont, es habe ein multidisziplinäres Team aus Tierärzten, Biologen, Pflegern, Verhaltensforschern und internationalen Experten mit viel Erfahrung im Umgang mit Meeressäugern.
Was passiert mit den Delfinen?
Die beiden Orcas und die vier Delfine, die noch in Marineland sind, werden täglich mit mehreren Kilo Fisch gefüttert und von rund zwanzig Leuten versorgt. Die Hitzewellen in Frankreich hätten den Tieren nichts ausgemacht, die Wassertemperatur sei regulierbar. Der Park musste wegen eines französischen Tierschutzgesetzes von 2021 schließen – das Shows mit Meeressäugern verbietet. In seiner Blütezeit galt Marineland Antibes (im Besitz der spanischen Firma Parques Reunidos) als größter Vergnügungspark Europas, doch Anfang 2025 war Schluss. Die Delfine sollen – ebenfalls in naher Zukunft, aber noch unbestätigt – nach Valencia reisen. Alle sechs Tiere sollen vom Frachtbereich des Flughafens Nizza aus starten – so wie die acht Delfine, die Ende Juli zum Park Selwo Marina in Benalmádena bei Málaga geflogen wurden. Heute wurde bekannt: Diese acht Delfine kehren nicht nach Frankreich zurück, der Zoo von Beauval hat keine Pläne für ein Forschungszentrum.
Umweltschützer schlagen Alarm
Umweltschutzgruppen auf Teneriffa lehnen den Umzug der Orcas Wikie und Keijo seit Langem ab. Sie sagen: Das sei keine Rettung, sondern verlagere das Problem nur. Der Transfer sei auch vom CSIC (Oberster Rat für wissenschaftliche Forschung) abgelehnt worden und widerspreche dem Geist der französischen Gesetzgebung. Es gebe wissenschaftliche Belege für die negativen Folgen der Gefangenschaft. Frankreich könne nicht per Gesetz die Gefangenschaft von Walen beenden und gleichzeitig das Problem ins Ausland exportieren.
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