Spott im Netz, doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache
Die neue Fußgängerbrücke am Knotenpunkt Padre Anchieta in La Laguna hat nach ihrer Eröffnung für zahlreiche Kommentare und humorvolle Videos in den sozialen Netzwerken gesorgt. Die Bauweise des Bauwerks wurde vielerorts belächelt. Nun hat sich die Präsidentin der Inselregierung (Cabildo) von Teneriffa, Rosa Dávila, am Mittwoch erstmals ausführlich zur Funktionsweise der neuen Passarelle geäußert und die ersten offiziellen Daten vorgelegt.
Weniger Gehweg, flüssigerer Verkehr
Während einer Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung des Inselregierungsrates bezog sich Dávila direkt auf die „Belustigung“, die das Bauwerk ausgelöst hatte. Sie betonte jedoch, dass die ersten vom Cabildo erhobenen Daten eine objektive Verbesserung anzeigen: Die Fußwege für Passanten hätten sich demnach um rund zehn Prozent verkürzt. Diese Verbesserung sei „objektiv“ messbar und müsse auf Basis dieser Messungen bewertet werden, unabhängig von der anfänglichen Reaktion auf das Design der Brücke, so die Präsidentin.
Doch nicht nur die Daten zu den Fußgängern sind vielversprechend. Auch die Verkehrssituation hat sich laut Dávila verbessert. Wie sie ausführte, passierten am Mittwoch rund 41.000 Fahrzeuge den Kreisverkehr, ohne dass es in irgendeiner Zeitstufe zu Stauungen gekommen sei. Nach den ersten Nutzungstagen zeige sich ein flüssigerer Verkehrsablauf im gesamten Umfeld und insbesondere an den Zufahrten zur Autobahn TF-5.
Geduld ist gefragt: Endgültiges Urteil erst in einigen Wochen
Trotz der positiven ersten Anzeichen rief Dávila zur Zurückhaltung bei endgültigen Schlussfolgerungen auf. Der Cabildo benötige noch mehr Zeit, um aussagekräftige Daten zu sammeln, erklärte sie. Das erklärte Ziel der Baumaßnahme ist es, die Reisezeiten an diesem für die Mobilität des Ballungsraums problematischen Knotenpunkt um rund 20 Prozent zu senken.
Die Präsidentin räumte ein, dass einige Verkehrsteilnehmer bereits jetzt einen kontinuierlicheren Verkehrsfluss wahrnähmen. Sie bestand jedoch darauf, dass es mindestens ein paar Wochen dauern werde, bis umfassendere Messungen vorlägen. Die Bewertung werde sich sowohl auf das Verhalten des Autoverkehrs als auch auf die Nutzung der Brücke durch Fußgänger stützen. Erst dann, so Dávila, könne man die tatsächliche Auswirkung der Passarelle auf die Mobilität in der Region genauer einschätzen.
Ein erster Realitätstest für ein umstrittenes Projekt
Die Inbetriebnahme der Brücke stellt die erste echte Bewährungsprobe für ein Bauwerk dar, das bereits vor seiner Eröffnung für Diskussionen gesorgt hatte. Vorerst präsentiert der Cabildo eine positive Anfangsbilanz: kürzere Wege für Fußgänger, eine bessere Verkehrskontinuität und keine Staus am untersuchten Tag. Dennoch vermied es Dávila, die Debatte mit noch lückenhaften Daten zu beenden. Sie verteidigte zwar den Nutzen der Infrastruktur, verwies die endgültige Bewertung aber auf einen Zeitpunkt, an dem ausreichende Aufzeichnungen über Verkehr und Fußgängernutzung vorliegen.

