Tourismusboom trotz Weltlage
Die Kanarischen Inseln trotzen weiterhin den globalen Krisen. Obwohl der Konflikt im Nahen Osten – ausgelöst durch die Offensive der USA und Israels gegen den Iran Ende Februar sowie die israelischen Operationen im Libanon – die Weltwirtschaft belastet, bleibt der Tourismus auf dem Archipel auf Rekordkurs. Die bisherigen Zahlen für das erste Quartal 2026 zeigen, dass die Inseln von den negativen Auswirkungen des Krieges bislang verschont geblieben sind. Weder die gestiegenen Rohöl- und Gaspreise noch die allgemein höheren Transportkosten haben die Nachfrage nach Urlaub auf den Kanaren spürbar gedämpft. Im Gegenteil: Die Buchungslage ist hervorragend.
4,5 Millionen Gäste im ersten Quartal
Laut den aktuellen Daten des spanischen Statistikamtes INE (Frontur und Egatur) besuchten im März 2026 exakt 1,56 Millionen ausländische Touristen die Kanaren. Das ist ein leichtes Plus von 0,4 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Noch deutlicher fällt das Wachstum im gesamten ersten Quartal aus: Von Januar bis März kamen 4,5 Millionen internationale Gäste auf die Inseln – ein Anstieg von 2,8 % gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025. Damit liegt das Wachstum auf den Kanaren sogar über dem nationalen Schnitt von 2,5 %. Das ist besonders bemerkenswert, da die Osterwoche (Semana Santa) in diesem Jahr erst im April stattfand und damit noch nicht in den März-Zahlen enthalten ist. Mit ihr endet traditionell die Hauptsaison auf den Inseln.
Vorreiter beim Gästewachstum
Mit einem Anteil von 23 % aller ausländischen Touristen, die nach Spanien reisen, waren die Kanarischen Inseln im März 2026 das mit Abstand beliebteste Reiseziel des Landes. Dahinter folgen Katalonien (19 %) und Andalusien (17 %). Die Inseln führen die Rangliste nicht nur bei den Ankünften an, sondern auch bei den Touristeneinnahmen. So gaben die ausländischen Besucher im März 2026 insgesamt 2,479 Milliarden Euro auf den Kanaren aus – ein Plus von 2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Gesamtausgaben im ersten Quartal beliefen sich auf 6,93 Milliarden Euro. Das entspricht stolzen 28 % der gesamtspanischen Tourismuseinnahmen, die im gleichen Zeitraum bei 25,017 Milliarden Euro lagen.
Längere Aufenthalte statt höherer Tagesausgaben
Interessant ist die Entwicklung des Ausgabeverhaltens. Der Anstieg der Tourismuseinnahmen im März ist nicht auf höhere Einzelausgaben pro Person zurückzuführen, sondern auf eine längere Aufenthaltsdauer: Durchschnittlich blieben die Gäste 8,6 Tage, also fast neun Tage. Experten betonen, dass das Bruttogastgewerbe (der Umsatz der Hotels und Restaurants) nicht direkt mit den Ausgaben der Touristen gleichgesetzt werden kann – die tatsächliche Wertschöpfung für die Inseln liegt darunter. Dennoch ist die gestiegene Verweildauer ein starkes Indiz für die anhaltende Attraktivität des Archipels.
Dritter Rekord in Folge in greifbarer Nähe
Sollte sich das Wachstum des ersten Quartals (2,8 %) im Jahresverlauf fortsetzen, steuern die Kanaren auf ihren dritten historischen Besucherrekord in Folge zu. Nachdem das Jahr 2023 knapp einen Rekord verfehlt hatte, knackten die Inseln 2024 und 2025 die Bestmarken. Allein 2025 wurden 15,7 Millionen internationale Gäste gezählt. Für 2026 prognostiziert das INE einen Anstieg um rund 400.000 Personen, sodass erstmals die Marke von 16 Millionen ausländischen Touristen geknackt werden könnte. Rechnet man die etwa 2,7 Millionen Festlandspanier hinzu, die jährlich auf die Inseln reisen, ergibt sich für 2025 ein Gesamtwert von 18,4 Millionen Touristen. Der Weg zu 19 Millionen Besuchern jährlich scheint nun vorgezeichnet zu sein.
Die große Unbekannte: die geopolitische Lage
Trotz der positiven Zahlen bleibt die Lage volatil. Noch ist nicht absehbar, ob der anhaltende Konflikt das Geschäft auf den Kanaren auf lange Sicht beeinträchtigen oder ob er den Tourismus sogar weiter ankurbeln könnte. Historische Beispiele wie der Arabische Frühling zeigen, dass Krisen in anderen Urlaubsregionen den Kanaren einen Schub verleihen können. Damals kamen rund 1,5 Millionen zusätzliche Touristen auf die Inseln, die eigentlich andere Ziele angesteuert hätten. Sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter zuspitzen, könnten die Kanarischen Inseln erneut als sicherer Hafen im Mittelmeerraum profitieren. Derzeit gibt es jedoch keine verlässliche Prognose, ob der Ausgang dieser Entwicklung für den Archipel eher Fluch oder Segen sein wird.

