Kanarischer Sound auf dem Festland
Am Donnerstag, den 14. Mai, wird die Madrider Sala La Riviera zum Hotspot der kanarischen Musikszene. Die erste Ausgabe des Festivals „Canarias tiene el flow“ versammelt eine Riege von Künstlern, die für den unverwechselbaren Sound der Inseln stehen: La Pantera, Juseph, Don Patricio, Sara Socas, Ale Acosta, Daniela Garsal und Los Blody. Das Line-up zeigt die ganze Bandbreite der aktuellen urbanen Musik von den Kanaren – von elektronischen Klängen bis zu Reggaeton und Trap.
Ale Acosta: Elektronik mit kanarischem Herzschlag
Ale Acosta ist ein Synonym für elektronische Musik, die aus den Kanaren kommt und mit echtem Gefühl gemacht wird. Der Produzent und Musiker, früher Mitglied von Fuel Fandango, verfolgt seit zwei Jahren eine Solokarriere, arbeitet aber weiterhin als Produzent für Künstler wie Enrique Morente, Chambao, Rozalén, Juancho Marqués, Muchachito oder Rayden. Sein erstes Soloalbum „El Porvenir“ ist ein Werk der tanzbaren Elektronik, das stark von den Kanaren und insbesondere von Lanzarote inspiriert ist. Es enthält Kollaborationen mit Depedro und zuletzt Love of Lesbian. Einer seiner herausragendsten Songs, „La ceniza“, den er zusammen mit der Palmanerin Valeria Castro aufnahm, wurde 2024 in der Kategorie „Beste lateinamerikanische elektronische Darbietung“ für die Latin Grammys nominiert.
Los Blody: Rock-Rap von Teneriffa und Madrid
Los Blody gehören zu den letzten Ergänzungen des Line-ups von „Canarias tiene el flow“. Grund dafür ist, dass ihnen das Festival Sonora am 18. April einen Pass für diesen Auftritt verlieh. Die Band, ebenfalls Finalisten des MadCool Talent 2026, besteht aus Rockern von Teneriffa und Madrid. Sie bieten dem Publikum einen jungen, zeitgenössischen Blick, bei dem sie Rock und Rap mischen, alles getränkt in einer punkigen, alternativen Attitüde. Ihr erstes Album „No voy a morir aquí“ hat die 100.000-Streaming-Marke auf Spotify geknackt. Zuletzt veröffentlichten sie die Songs „Fantasmas“ und „Deja de mirarme así“. In ihrer noch jungen Karriere haben sie bereits auf Festivals wie dem Cook Music Fest, dem Phe Festival oder dem Lala Music gespielt und gewannen 2024 den Alberto-Delgado-Preis für junge Musik – bevor sie den Sprung auf das spanische Festland wagten.
Daniela Garsal: Frischer Wind von Gran Canaria
Daniela Garsal ist eine eigenständige Stimme, die keine Erlaubnis einholt, um auf die Bühne zu treten. Die frische Musik der Gran Canarierin vereint lateinamerikanische Einflüsse, R&B und elektronische Produktion. Trotz ihrer Jugend hat sie ein intimes und zugleich tanzbares Klanguniversum erschaffen. Ihr Stil zeichnet sich durch eine melodische Stimme und sehr persönliche Texte aus, die von Liebe, Trennung, Wachstum und Verletzlichkeit handeln. Zu ihren bekanntesten Songs gehören „No dura pa’ siempre“, „Bb no me llames“, „Playa Blanca“ und „TLJTQ“. 2023 veröffentlichte sie ihre erste EP „Supernova“, ein konzeptionelles Projekt über persönliche Veränderung, das sie als eine der aufstrebenden Stimmen der kanarischen Szene etablierte. Jüngst hat sie mit der Kollaboration „Qué cruel“ mit Cruz Cafuné ihre Reichweite weiter ausgebaut.
Sara Socas: Die Königin des Perreo
Sara Socas könnte zur Königin des Perreo (eines tanzbaren Reggaeton-Stils) ausgerufen werden – mit Charakter, Einstellung und kanarischem Stolz. Die Teneriffanerin ließ nicht lange auf sich warten, um ihr Talent über die Grenzen der Kanaren hinaus zu exportieren, und hat ihren Flow bis auf die größten Festivals Spaniens gebracht. Bekannt wurde die junge Künstlerin durch Battles (sogenannte „Batallas de Gallos“), in denen sie durch Schnelligkeit, Präzision und Haltung auffiel – und das in einem stark von Männern dominierten Umfeld. Nicht umsonst wurde sie 2021 die erste Frau, die in die Freestyle Master Series España aufstieg, eine der wichtigsten Freestyle-Ligen. Zudem war sie eine der wenigen Frauen, die bei großen Events wie der Red Bull Batalla antrat. 2023 beendete sie ihre Wettkampfkarriere, um sich auf ihre Musik zu konzentrieren, und veröffentlichte ihr erstes Album „TFN-MAD“. Derzeit arbeitet sie an neuer Musik.
Don Patricio: Der Mann, der Spanien zum Tanzen bringt
Don Patricio hat sich vorgenommen, ganz Spanien mit seiner Mischung aus Reggaeton, Dembow und urbanem Pop zum Tanzen zu bringen. Mit großen Hits wie „La familia“ und „Donde estás“ ist er einer der bekanntesten Namen des Genres. Der Künstler von El Hierro wurde als Mitglied von Locoplaya bekannt, einer Gruppe, die er zusammen mit Bejo und Uge gründete. Seinen großen Durchbruch hatte er jedoch 2019 mit „Contando lunares“ (zusammen mit Cruz Cafuné), das in Spanien auf Platz eins landete und zu einer der großen Hymnen der urbanen Musik auf Spanisch in jenem Jahr wurde. Ebenfalls sehr bekannt sind Songs wie „Enchochado de ti“ oder „Pa’ toda la vida“. Nach einigen Jahren mit geringerer öffentlicher Präsenz meldete er sich im Januar 2025 mit dem Song „Vuelvo“ zurück, den er als sein Comeback nach drei Jahren ohne neue Veröffentlichungen präsentierte.
Juseph: Ungefilterte Texte aus Las Palmas
Schwerer Flow und ungefilterte Texte aus Las Palmas de Gran Canaria – das ist die Prämisse, mit der der Gran Canarier mit kolumbianischen Wurzeln, Juseph, zu „Canarias tiene el flow“ kommt. Der junge Künstler hat sich seinen Namen in den undergroundigsten Ecken des kanarischen Rap gemacht, bevor er sein Talent auf nationaler Ebene exportierte. Seine Musik mischt Wut, Verletzlichkeit und einen sehr eigenen Rhythmus, bei dem der Stolz auf sein Viertel und die Verteidigung der kanarischen Identität über allem stehen. Als Teil der großen Welle der urbanen Musik auf den Kanaren, die im Phänomen „Cayó la noche“ mündete, hat Juseph zahlreiche Kollaborationen mit Künstlern von den Inseln realisiert. In diesem Jahr veröffentlichte er sein erstes Album „Los del glamöur“, das einen Wendepunkt in seiner Karriere markiert.
La Pantera: Der Headliner der ersten Stunde
Die Stimme des kanarischen Trap, der das Festland eroberte, ist La Pantera – der Künstlername von Sergio Aimar Castellano. Er ist einer der repräsentativsten Künstler der urbanen Bewegung der Kanaren, denn er hat einen eigenen Stil, der Trap, Drill und afrolateinamerikanische Rhythmen vereint. Deshalb hat er Millionen von Streams und hat sich als Referenz einer ganzen Generation etabliert. Der Sänger, Komponist und Rapper ist der Headliner dieser ersten Ausgabe von „Canarias tiene el flow“. Bekannt wurde er in der neuen urbanen Welle der Kanaren, gemeinsam mit Quevedo oder Cruz Cafuné, und sein Name ist Teil des Kollektivs „Cayó la noche“. Einer seiner jüngsten Songs ist „Algo va a pasar“, den er zusammen mit Quevedo, Lucho RK und Juseph veröffentlichte. Damit ist er zu einer der tragenden Säulen der aktuellen Musikszene geworden.
Julia Rodríguez: Timple trifft auf zeitgenössische Seele
Julia Rodríguez verbündet sich mit dem kanarischen Timple (einem kleinen Saiteninstrument), um dessen zeitgenössische Seele zu zeigen. Schon von klein auf saugt sie die Tradition auf, und zwar von ihrem Vater Domingo Rodríguez Oramas, genannt „el Colorao“, einem der renommiertesten Timple-Spieler der Kanaren. Doch die junge Künstlerin von Fuerteventura geht noch weiter und transzendiert das traditionelle Erbe: Sie verschmilzt Timple und Gitarre mit ihrer Stimme und bringt sie dem Liedermacher-Genre mit einer erneuerten Vision näher. Obwohl ihre Musik von den kanarischen Wurzeln ausgeht, insbesondere vom Timple und der Folklore Fuerteventuras, öffnet sie sich auch für Klänge wie Jazz und lateinamerikanische Musik. Ihr erstes Werk heißt „Hacia la vida“. Bei den Kanarischen Musikpreisen 2025 war sie eine der großen Gewinnerinnen: Sie gewann in den Kategorien „Bester Nachwuchskünstler“ und „Bestes Album der roots music“.
Ventura: Der Newcomer mit melodischem Trap
Ventura ist einer der unbekanntesten Künstler dieser ersten Ausgabe von „Canarias tiene el flow“. Der Teneriffaner fokussiert seine Musik auf melodischen Trap und gewann kürzlich den Preis für den besten Nachwuchskünstler 2025 von Marcha FM. Er ist einer der jüngsten Künstler der aktuellen urbanen Szene der Kanaren, hat aber bereits bewiesen, dass er ein großes Potenzial über den Archipel hinaus hat. In seinen Songs mischt Ventura kalte Melodien mit kraftvollen Beats und erschafft einen sehr eigenen, wiedererkennbaren Sound. Dieser junge Künstler von Teneriffa verbindet in seinen Live-Auftritten Sensibilität und Energie – genau das verspricht er auch für das Konzert am Donnerstag, bei dem er zeigen wird, dass die kanarische Szene auch alternative Klänge mit großer Persönlichkeit umarmt.

