Mitten am Morgen, in aller Öffentlichkeit
Eigentlich wollte Miguel nur mit seiner achtjährigen Tochter den Bus nehmen. In der Gemeinde Ingenio, mitten auf Gran Canaria, warteten Vater und Kind an diesem Dienstagmorgen an der Haltestelle. Sie sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, denn jemand hat ihrem Auto die Scheiben eingeschlagen. Dann geschah es wieder: Mehrere Angestellte der Firma EZ Property Solutions tauchten auf und schüchterten Miguel ein – nicht zum ersten Mal.
Die Hetzjagd begann sofort nach dem Verkauf
Miguel schildert der Redaktion von Canarias Ahora, dass dieser Albtraum begann, sobald das Haus einen neuen Besitzer bekam – einen, dessen Namen die Familie nicht einmal kennt. Seit dem 2. Juli eskalieren die Vorfälle. „Sie wussten, dass meine Frau allein zu Hause sein würde, weil sie mich mit dem Kind an der Bushaltestelle gesehen hatten. Also gingen sie zu ihr, um sie zu belästigen“, beschreibt Miguel die perfide Taktik der Firma.
Ein Zuhause voller Angst
Seine Frau ist schwer krank – Krebs. Die psychische Belastung trifft die ganze Familie. Der zwölfjährige Sohn schläft seit Tagen nicht mehr zu Hause, weil er solche Angst hat. Miguel versucht die Situation für die Kinder erträglich zu machen: „Ich sage ihnen, sie sollen sich vorstellen, die Männer wären Bösewichte aus einem Film. So versuche ich, die Sache etwas herunterzuspielen.“ Doch die Realität ist brutal: Die Täter zerstörten nicht nur die Autoscheiben, sondern auch die Jalousien des Hauses, traten die Haustür ein, folgten Miguel beim Gassi gehen mit dem Hund und beschuldigten ihn sogar, die Krankheit seiner Frau nur vorzutäuschen.
Kein Weg zur Chemotherapie
Die eingeschlagenen Autoscheiben haben fatale Folgen für die medizinische Versorgung: „Jetzt kann ich meine Frau nicht mehr zu ihrer Chemotherapie fahren“, klagt Miguel verzweifelt. Er hat den Mitarbeitern der Räumungsfirma sogar einen Vorschlag unterbreitet: Sie sollten ihn doch bitte verklagen. Bis zur gerichtlichen Klärung wollte er ihnen jeden Monat die 150 Euro zahlen, die er früher als Sozialmiete an die Immobilienfirma Servihabitat der Caixa-Bank überwiesen hatte. Die Antwort der Einschüchterer: „Nein, das lohnt sich für uns nicht. Der Rechtsweg würde zu lange dauern.“
Vom Mietvertrag zur Obdachlosigkeit
Die Geschichte der Familie reicht zurück bis ins Jahr 2015. Damals unterschrieb Miguel mit Servihabitat einen Mietvertrag für die Wohnung in Ingenio zu erschwinglichen Konditionen. Der Vertrag lief befristet bis 2020, mit Verlängerungsoption. Als das Ende der Laufzeit näher rückte, versuchte Miguel alles, um die Verlängerung zu bekommen – sogar per Einschreiben. Vergebens: „Die Verlängerung wurde ohne Angabe von Gründen abgelehnt.“
Das soziale Netz versagte
Als der Vertrag auslief – genau zu Beginn des Alarmzustands wegen der COVID-19-Pandemie und des damaligen sozialen Schutzschilds – zahlte Miguel noch einen Monat Miete und blieb bis April. Doch die Bank leitete sofort ein Räumungsverfahren ein. Das Gericht stoppte die Zwangsräumung zwar, weil die Familie ihre finanzielle Verletzlichkeit im Ausnahmezustand nachweisen konnte. Doch von der Immobilienfirma hörte Miguel danach nie wieder ein Wort – trotz mehrerer Einschreiben und Anwaltsversuche.
Verkauf unter Wert an dubiosen Eigentümer
Im Jahr 2024 verkaufte Servihabitat das Haus an den Fonds Oceanside. „Der hat nie mit uns gesprochen“, sagt Miguel. Und dann tat sich etwas Unglaubliches: Am 30. Juni 2026 veräußerte der Fonds die Immobilie für einen Preis unter dem Marktwert an den derzeitigen Eigentümer. Dieser unbekannte Neue hat dann die Räumungsfirma EZ Property Solutions engagiert. Die Familie schwebt seither in ständiger Gefahr.
Ohnmacht vor dem Gesetz
Die Guardia Civil vertröstet die verzweifelte Familie: Wenn erst genügend Anzeigen gesammelt seien, könne man prüfen, ob ihnen ein Pflichtverteidiger zusteht. Miguel bleibt nichts anderes übrig, als zu bangen. Seine letzten Worte an die Redaktion sind ein Hilferuf: „Mal sehen, ob wir hier lebend rauskommen.“
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