Aufbereitet mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage spanischsprachiger Informationen. Quelle unter dem Artikel.
Wenn ein Video zum Reiseziel wird
Es genügt, „Canarias“, „Teneriffa“ oder „Gran Canaria“ in die Suchleiste sozialer Netzwerke wie TikTok oder Instagram einzugeben, um eine schier endlose Flut an Videos über die Inseln zu finden. Zwar gibt es immer wieder Beiträge, die von den Guanchen erzählen, die typische Tracht erklären oder die Geschichte hinter einem Straßennamen beleuchten – doch die Mehrheit der Inhalte gleicht sich stark: eine Liste unverzichtbarer Orte für einen Besuch des Archipels.
Warum immer dieselben Orte auftauchen
Hinter dieser Lawine an Empfehlungen steckt ein klarer Grund: Es handelt sich meist um die Favoriten der Nutzer – oder zumindest um jene Beiträge, die die meisten Aufrufe und Likes sammeln. Unter den am häufigsten wiederholten Empfehlungen finden sich Orte, die seit jeher mit dem Tourismus verbunden sind, wie Las Teresitas auf Teneriffa oder der Nationalpark Timanfaya auf Lanzarote. Doch es tauchen auch viele abgelegene Flecken auf, die genau das nicht mehr bleiben. Immer häufiger stößt man auf Videos, die Schritt für Schritt erklären, wie man zu einem Vulkantunnel oder einem versteckten Felsenbecken gelangt.
Die neue Lust am „Foto um jeden Preis“
Neben dem traditionellen Sonnen- und Strandtourismus – und zahlreichen weiteren Varianten – gewinnt eine neue Art des Reisens bei Besuchern an Beliebtheit: der Tourismus um des Fotos willen. Die einheimische Bevölkerung scheint über diese Videos jedoch wenig erfreut zu sein und reagiert häufig mit deutlichen Worten. „Dieser geheime Ort ist längst kein Geheimnis mehr, die sozialen Netzwerke haben die Insel zerstört“, warnt ein Nutzer in den Kommentaren unter einem TikTok-Video.
Umweltforscher schlägt Alarm
Über den Unmut der Anwohner hinaus hat der Massentourismus in entlegenen Gebieten auch Folgen für die Natur selbst. Der Geografieprofessor Abel López von der Universität La Laguna (ULL) kritisiert, dass die digitalen Plattformen Naturräume zu regelrechten Produkten machen. „Es handelt sich um besonders sensible Gebiete, weshalb die Umweltbelastung enorm ist – von einem höheren Brandrisiko zu bestimmten Zeiten über Bodendegradierung bis hin zur Ansammlung von Müll“, ergänzt er. Dennoch betont er, dass die sozialen Netzwerke keineswegs die einzigen Schuldigen seien, aber ein starker Beschleuniger.
„Was früher nach und nach über die traditionellen Medien bekannt wurde, kann heute innerhalb weniger Monate geschehen, wenn ein Video viral geht“, argumentiert er. Beim Modell des Sonnen- und Strandtourismus, so hebt er hervor, konzentrierte sich die Masse der Besucher auf klar definierte Gebiete wie Costa Adeje oder Los Cristianos im Süden Teneriffas. „Jetzt verbrennen wir jeden Winkel, und der Nachbar, der sich in diese einsamen Orte zurückzog, um der Überfüllung der städtischen Gebiete zu entgehen, findet sie nun überlaufen vor. Es geht nicht darum, die Kanaren zu verstecken, sondern sie zu schützen“, betont er.
Wo das Paradies zur tödlichen Falle wird
Die unverantwortliche Bewerbung über soziale Netzwerke betrifft nicht nur die Landschaft selbst – sie kann auch für den Touristen selbst fatale Folgen haben. Schönheit und Gefahr sind keine Gegensätze, und Orte wie der Strand von Cofete auf Fuerteventura oder Los Charcones auf Lanzarote bergen ebenso viel Risiko wie Charme. Die Ausgesetztheit gegenüber den Launen des Meeres oder steile, schwer zugängliche Strecken auf der Suche nach dem besten Bildausschnitt sind ein unnötiges Risiko, das im Archipel bereits zahlreiche Menschenleben gefordert hat.
„Kein Rettungsschwimmer, keine Warnung“
Chano Quintana, Präsident des Verbands zur Unfallprävention im Wassersportbereich „Canarias 1500 km de Costa“, warnt, dass viele Touristen, getrieben vom Wunsch nach dem perfekten Foto, die Gefahren von Gezeiten oder schwierigem Gelände für ihre körperliche Unversehrtheit ignorieren. „Influencer und spezialisierte Reisemagazine sind ein riesiges Monster, dem wir uns in unseren Kampagnen zur Prävention von Wasserunfällen gegenübersehen“, erklärt er. Solche paradiesischen Orte verfügen in der Regel über keinen Rettungsschwimmerdienst.
Der Präsident versichert, dass der Tourist, der zu Urlaubszwecken auf die Kanaren kommt, trotz „zum Baden ungeeigneter Zonen“ glaubt, „sich unbedingt ein Bad nehmen zu müssen, um ein Foto oder Video machen zu können“. Die Gefahr kann zudem mit bloßem Auge unsichtbar bleiben. Natürliche Felsenbecken in felsigen Gebieten erzeugen beim Touristen ein falsches Gefühl der Sicherheit – er glaubt, durch den umgebenden Beckenrand vollständig vor der starken Brandung draußen auf dem Meer geschützt zu sein.
Wie die Welle den Badenden fortreißt
Doch wenn eine Reihe aufeinanderfolgender Wellen eintrifft, heben diese schnell den Wasserstand im Inneren des Beckens an, sodass der Badende aufschwimmt, den Halt und den Kontakt zum Boden verliert. So reißt die mit Wucht eindringende Welle die Person „wie einen Korken“ aufs offene Meer hinaus, weil das Wasser ständig überläuft. „Es gibt viele Stellen, die auf den ersten Blick nicht erkennbar stark abfallen. Man macht drei Schritte am Ufer und steht schon bis zur Taille im Wasser“, ergänzt er.
Der gefährliche Weg zum Instagram-Motiv
Viele der in sozialen Netzwerken gezeigten Orte waren wegen ihrer Abgeschiedenheit lange außerhalb des Rampenlichts des Massentourismus geblieben. Zahlreiche der von den Kanarios bevorzugten Buchten und Aussichtspunkte – wie der Strand Güi Güi an der Westküste Gran Canarias – erfordern eine vorausgehende Wanderung mit hohem Schwierigkeitsgrad. Auf eben dieser Strecke können Unfälle geschehen, die nicht nur die Gesundheit des Betroffenen gefährden, sondern wegen des schwierigen Zugangs auch den Einsatz von Hubschraubern erforderlich machen.
„Es handelt sich um unwegsame Strecken ohne klar definierten Weg. An vielen Stellen sind es schmale Erdwege, bei denen jedes Wetterphänomen den Boden aufweichen und einen ins Rutschen bringen kann“, erläutert Quintana. Zudem weist er darauf hin, dass der typische Sonnen- und Strandtourist „nicht mit Wanderstiefeln unterwegs ist, sondern in Flip-Flops“ – ein Faktor, der das Unfallrisiko erhöht. Aus diesen Gründen fordert Quintana die auf solche Inhalte spezialisierten Medien und Influencer auf, auch über die Gefahren dieser Orte zu informieren. Das bringe zwar weniger Likes als ein Foto bei ruhiger See, könne aber die wirksamste Methode sein, um Leben zu retten: „Es gibt keinen besseren Rettungsring als Information“, schließt der Präsident.
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