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Beton am Strand von Tacorón: Empörung auf El Hierro

Beton statt Natur: Streit um Badestrand auf El Hierro

Die Kanarischen Inseln gelten als Paradies für Naturliebhaber. Doch ausgerechnet auf der nachhaltigsten Insel des Archipels, El Hierro, droht ein Bauskandal. Die politische Partei Podemos Canarias hat die sofortige Einstellung aller Bauarbeiten am Badeort Tacorón gefordert. Der Grund: In dieser geschützten Enklave wurden massive Betonliegen installiert – ein schwerwiegender Eingriff in die Umwelt, so die Anschuldigung.

5.000 Unterschriften gegen den „Umweltfrevel“

Die Partei unterstützt damit die Forderungen der Bürgerinitiative „Salvar Tacorón“ (Rettet Tacorón), die bereits über 5.000 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt hat. Die Aktivisten sprechen von einem regelrechten „Umweltattentat“. Podemos Canarias erklärt, die Kontroverse wachse stetig, da zunehmend Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens und dem Fehlen einer Umweltverträglichkeitsprüfung aufkämen.

80 Betonliegen in einem Vogelschutzgebiet

Das von der Gemeindeverwaltung von El Pinar vorangetriebene Projekt sieht die Aufstellung von knapp 80 Betonliegen und Sonnenschirmen in einem Küstenabschnitt vor. Dieser liegt innerhalb des besonderen Vogelschutzgebiets (ZEPA) mit der Kennung ES0000103, das Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 ist. Laut Anwohnerverbänden wurden während der Bauarbeiten Lavafelder zerstört und der feine weiße Sandstrand (jable) durch Kiesaufschüttungen für neue Wege massiv verändert.

Bedrohte Arten in ihrer Brutzeit

Die ökologische Brisanz des Projekts wird durch die besondere Tier- und Pflanzenwelt des Gebietes noch verschärft. In der Bucht von Tacorón befindet sich eine Kolonie des Gelbschnabelsturmtauchers, die sich mitten in der Brutzeit befindet. Zudem wächst hier einer der letzten Bestände des geschützten Schlangenzungenfarns auf der gesamten Insel. Beide Arten würden durch den massiven Eingriff akut gefährdet, beklagen die Umweltschützer.

Widersprüchliches Projekt, fehlende Prüfung

Podemos Canarias weist zudem auf eklatante Widersprüche im Projekt selbst hin. Während die Ausschreibungsunterlagen einräumen, dass der Eingriff in einem Schutzgebiet stattfindet, in dem die Lebensräume garantiert werden müssen, heißt es an anderer Stelle, es sei keine Umweltprüfung nötig, da das Projekt nicht in den entsprechenden Anhängen der gesetzlichen Vorschriften aufgeführt sei. Für die Partei ist dies ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht.

Rückschritt für die „grüne Insel“

Die „lila Partei“ (Podemos) warnt davor, dass das Projekt einer touristischen Logik folge, die die einzigartigen Naturräume des Archipels gefährde. Tacorón, ein geologisches und landschaftliches Wahrzeichen El Hierros, werde in einen Raum für intensive Nutzung umgewandelt, der seine natürliche Identität zerstöre. Die Einführung künstlicher Elemente mit hoher visueller Wirkung stelle eine offensichtliche Verschlechterung der Landschaft dar – und das auf einer Insel, die als UNESCO-Biosphärenreservat und Global Geopark anerkannt ist. Statt sich auf die Verbesserung bestehender Infrastruktur wie Picknickplätze und Wanderwege zu beschränken, habe man dem Projekt ortsfremde Elemente hinzugefügt, nur um die budgetären Vorgaben eines europäischen Förderprogramms zu erfüllen. Diese Entscheidung zeige eine Verwaltung, die die wirtschaftliche Mittelverwendung über den Schutz des Territoriums stelle.

„Tacorón braucht keinen Beton, es braucht Schutz“

Noemí Santana, die Generalsekretärin von Podemos Canarias, wird in der Pressemitteilung deutlich: „Selbst El Hierro, historisch ein Vorreiter der Nachhaltigkeit, bleibt nicht von dem räuberischen Modell verschont, das von bestimmten öffentlichen Verwaltungen vorangetrieben wird. Tacorón zu verteidigen bedeutet, die Seele El Hierros zu verteidigen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Beton die Natur an einem der wertvollsten Orte des Archipels ersetzt. Wir fordern den sofortigen Baustopp, den Rückbau aller installierten Elemente und eine vollständige Überprüfung des Projekts mit echten Umweltgarantien.“

Ihr Parteikollege Gabriel González, Sekretär für Raumordnung und Tourismus, legte nach: „Wir haben es hier mit einem klaren Beispiel dafür zu tun, wie europäisches Steuergeld genutzt wird, um ein Schutzgebiet zu degradieren. Es ist inakzeptabel, dass von Nachhaltigkeit geredet wird, während gleichzeitig einzigartige Lebensräume zerstört werden. Tacorón braucht keinen Beton, es braucht Schutz. Was hier passiert, ist ein Modell aggressiver Tourismussierung, das die Natur vertreibt, um sinnlose Infrastruktur zu errichten.“

Neue Bürgerbeteiligung gefordert

Die Organisation schließt mit dem deutlichen Appell, dass der Schutz des Territoriums nicht mit Eingriffen vereinbar sei, die fragile Ökosysteme zerstören. Man fordert die Einleitung eines transparenten Beteiligungsprozesses mit den Bürgern, um über die Zukunft dieses einmaligen Ortes zu entscheiden. „Naturschutz darf kein Slogan sein, er muss gelebte politische Praxis werden“, resümiert González.

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